Dawn Fitzpatrick Family Officerin von George Soros gewährt Einblicke – und erwartet Rezession

George Soros (rechts) trifft 2018 auf der Münchener Sicherheitskonferenz  Sigmar Gabriel, ehemals Vizekanzler Deutschlands

George Soros (rechts) trifft 2018 auf der Münchener Sicherheitskonferenz Sigmar Gabriel, ehemals Vizekanzler Deutschlands: Das Vermögen von Soros verwaltet derweil die Family Officerin Dawn Fitzpatrick. Foto: Imago Images / photothek

George Soros war bekannt für seinen Hedgefonds, der ihm Milliarden einbrachte – und 2011 in ein Family Office umgewandelt wurde. Seit 2017 ist Dawn Fitzpatrick die Chefin von Soros Fund Management und Herrin über gut 28 Milliarden US-Dollar, die im Family Office von Soros verwaltet werden. In einem Interview mit Bloomberg (in englischer Sprache) gewährt Fitzpatrick nun Einblicke in das Family Office der Investmentlegende.

Ein Großteil des von Fitzpatrick verwalteten Vermögens ist Teil der Open Society Foundations, die unter anderem Menschenrechte, Gerechtigkeit und fortschrittliche Politik fördern. Laut Fitzpatricks Aussage ist das Schöne an der Arbeit in einem Family Office, dass sie flexibel bleiben und ihre Einsätze bei Bedarf erhöhen kann – egal ob es sich um 100 oder 500 Millionen Dollar handelt. Große Abstimmungen mit George Soros sind dabei nicht nötig.

Fitzpatrick wechselte von der UBS ins Soros Family Office

„Wir können Dinge schneller und in größerem Umfang umsetzen als fast jeder andere Investor", sagt sie in dem am 29. April aufgezeichneten Interview.  "Es gibt Kapitalpools, die massiv größer sind als wir, aber sie neigen dazu, einen Prozess zu haben, der Wochen oder Monate dauern kann.“ Darüber hinaus kann Fitzpatrick auf der ganzen Welt in fast jede Anlageklasse investieren. So sei sie in der Lage, in den Zwischenräumen zu agieren, in die die typische Vermögensverwaltungsbranche nicht vordringen kann.

In dieser Branche war Fitzpatrick zuvor selbst unterwegs: Bevor sie in das Family Office von George Soros wechselte, war sie rund 25 Jahre lang bei UBS Asset Management tätig – unter anderem als Leiterin der Anlageabteilung. Es habe ihr Spaß gemacht, aber als Teil der börsennotierten Bank sei sie mit mehr regulatorischen Zwängen konfrontiert gewesen. Sie begann ihre Karriere bei O'Connor & Associates und machte sich in den späten 1990er Jahren einen Namen, als sie mit dem Handel von Wandelanleihen „eine Menge Geld“ verdiente. Fitzpatrick wuchs in Irvington, New York, auf, einer kleinen Stadt etwa 20 Meilen nördlich von New York City am Hudson River. 

Die Rolle von Family Offices ist in ihren Augen unterschätzt. Schließlich verwalten sie „im Stillen“ große Volumina. Da das Kapital der Investmentbanken schrumpft, würden Family Offices immer wichtiger werden. Das Portfolio von Soros Fund Management hat Fitzpatrick in den vergangenen Jahren „gestrafft“, nun setze sie auf die besten Ideen – limitierender Faktor sei die Menge an Assets, die zur Verfügung steht. Beim Blick auf Kryptos bevorzugt Fitzpatrick Ethereum gegenüber Bitcoin, den regulatorischen Druck gegenüber Spacs kann sie dagegen verstehen.


Zu der diffizilen Lage an den Kapitalmärkten in Kombination mit der Zinswende, der Inflation und dem Krieg in der Ukraine hat Fitzpatrick eine klare Meinung: „Unterm Strich ist eine Rezession unvermeidlich. Es ist nur eine Frage des Zeitpunkts. Und wenn man sich anschaut, was die Märkte gerade einpreisen, dann preisen sie sie ziemlich bald ein.“ Die Reaktion der Zentralbanker auf die Inflation kam für Fitzpatrick im Nachhinein zu spät: „Sie waren natürlich über die Inflation besorgt, aber sie versuchten auch, eine Bevölkerung zu unterstützen, die eine Pandemie überstanden hat“, äußert sie ein gewisses Verständnis für den Kurs der Fed, die sich nun „sehr schnell bewegen“ wird.

Auch über den geringen Anteil von Frauen in der Finanzbranche spricht Fitzpatrick im Interview. Ihr Zeugnis für die Finanzbranche fällt nicht besonders gut aus: „Ich würde sagen, dass die Investmentbranche insgesamt keine gute Arbeit geleistet hat, wenn es darum geht, Frauen in Führungspositionen zu bringen, vor allem nicht in Positionen der ersten Investmentreihe.“