Der Name Mousse Partners dürfte nur wenigen geläufig sein. Ganz im Gegensatz zu der Luxusmarke Chanel, die weltweite Bekanntheit genießt und von der Familie Wertheimer kontrolliert wird. Und hier schließt sich der Kreis, denn Mousse Partners ist das Family Office der Chanel-Eigentümer Wertheimer.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
Der Name Mousse Partners dürfte nur wenigen geläufig sein. Ganz im Gegensatz zu der Luxusmarke Chanel, die weltweite Bekanntheit genießt und von der Familie Wertheimer kontrolliert wird. Und hier schließt sich der Kreis, denn Mousse Partners ist das Family Office der Chanel-Eigentümer Wertheimer.
Im vergangenen September schloss es sich mit Téthys Invest zusammen, die das Vermögen der L'Oréal-Haupteigentümerfamilie Bettencourt Meyers managen, und beide stiegen bei „The Row“ ein. Die Modemarke, die von Mary-Kate und Ashley Olsen gegründet wurde, steht für diskreten, hochwertigen Luxus, der zunehmend stärker nachgefragt wird.
Der Schritt von Mousse Partners und Téthys Invest ist exemplarisch für das Vorgehen großer Family Offices, die ihren Ursprung im Unternehmertum haben. Da sie in der Regel über fundierte Branchenkenntnisse verfügen, ist es ihnen möglich, Unternehmen in Sektoren zu identifizieren und zu bewerten, in denen sie eine operative Erfolgsbilanz aufweisen können. Durch eine direkte Beteiligung und den Einsatz von globalen Netzwerken können sie dort versuchen, das Wachstum voranzutreiben und gleichzeitig das zu bewahren, was die Unternehmen besonders macht.
Starke Affinität zu direkten Investitionen
Family Offices sind häufig das Ergebnis unternehmerischer Erfolge. Sie existieren, weil jemand ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat. Es ist daher naheliegend, dass diese Einrichtungen eine starke Affinität zu direkten Investitionen in private Unternehmen pflegen. Aktuelle Daten bestätigen dies: Eine Umfrage der Citi Private Bank zeigt, dass 77 Prozent der Family Offices weltweit mittlerweile direkte Private-Equity-Investitionen tätigen.
Innerhalb ihrer Vermögensallokation entfallen durchschnittlich acht Prozent auf Direktinvestitionen und neun Prozent auf Private-Equity-Fonds (PE-Fonds) und Dachfonds. Eine weitere Studie von Deloitte beziffert den Anteil von Direktinvestitionen an Family-Office-Portfolios auf 17 Prozent, während PE-Fonds zehn Prozent ausmachen. Und eine Umfrage der UBS kommt auf eine gleichmäßige Verteilung von je elf Prozent.
Viele Family Offices kombinieren Direktinvestitionen und Fonds
Bemerkenswert ist dabei Folgendes: Nach den Deloitte-Zahlen investieren Family Offices mit einem verwalteten Vermögen von mehr als einer Milliarde US-Dollar verglichen mit ihren kleineren Pendants doppelt so häufig in PE-Fonds wie in Direktinvestitionen.
Der Grund dafür ist vermutlich ein einfaches Skalierungsproblem: Die Verwaltung eines größeren Kapitalpools bedeutet nicht unbedingt, dass auch die entsprechenden internen Ressourcen für die Beschaffung und Überwachung von Direktinvestitionen vorhanden sind.
Die Attraktivität des direkten Einstiegs
Fakt jedoch ist: Viele Family Offices haben eine Vorliebe für direkte PE-Investitionen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Family Offices, die diesen Weg wählen, erhalten eine umfassendere Kontrolle über ihre Anlagen und das Risikopotenzial ihres Portfolios. Dies steht im Gegensatz zu traditionellen Fondsanlagen, bei denen Kapital in einen „Blindpool“-Fonds investiert wird und der Einfluss auf einzelne Geschäfte begrenzt ist.
Dazu kommt: Ein- und Ausstiegsbedingungen können durch die Family Offices selbst ausgehandelt werden, und die Transaktionsstrukturen können sie flexibel an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen. Vor allem sind Family Offices so in der Lage, Unternehmen aktiv zu verwalten und ihr familiäres Fachwissen gezielt einzubringen, was die Wertschöpfung deutlich verbessern kann. Nicht zuletzt ist die Reduzierung von Kosten ein wesentlicher Treiber.
Durch die Verwaltung eigener Deals können Family Offices die üblichen Gebührenstrukturen von Private-Equity-Fonds reduzieren. Diese Kosteneinsparungen können potenziell zu höheren Nettorenditen führen, was Direktinvestitionen attraktiv für Marktteilnehmer macht, die über die nötige Erfahrung und das Fachwissen verfügen, um Transaktionen effektiv durchzuführen.
Obwohl es kaum definitiven Daten zu diesem Leistungsvorteil gibt, liefert eine viel zitierte akademische Studie von Fang, Ivashina und Lerner einen Hinweis: Zwischen 1991 und 2010 erzielten „Solo“-Deals eine interne Rendite (IRR) von 22 Prozent. Dies entspricht einer Outperformance von fast 6,8 Prozentpunkten im Vergleich zu verschiedenen Fonds-Benchmarks im selben Zeitraum.
Die Herausforderungen bei Direktinvestitionen
Trotz der offensichtlichen Vorteile sind Direktinvestitionen mit spezifischen Risiken verbunden, die Family Offices sorgfältig abwägen müssen. Im Gegensatz zu Private-Equity-Gesellschaften, die über spezialisierte Teams und umfangreiche Netzwerke verfügen, um potenziell hochwertige Gelegenheiten zu finden, fällt es vielen Family Offices schwer, Zugang zu proprietärem Dealflow zu erhalten.
Eine Studie zeigt, dass lediglich die Hälfte der Family Offices, die Direktinvestitionen tätigen, über geschulte Private-Equity-Experten verfügen. Das lässt Bedenken hinsichtlich ihrer Fähigkeit, die besten Deals zu identifizieren und zu strukturieren, aufkommen. Auch beanspruchen Private-Equity-Firmen in der Regel Posten im Vorstand oder Aufsichtsrat und beteiligen sich aktiv am Portfoliomanagement.
Im Gegensatz dazu tun dies nur 20 Prozent der Family Offices, die direkt investieren. Ohne angemessene Aufsicht riskieren sie jedoch, ihren Einfluss auf wichtige strategische Entscheidungen zu verlieren – was sich letztlich auf die Anlageperformance auswirken kann.
Die Untersuchungen von Fang et al. deuten darauf hin, dass Direktinvestitionen in Unternehmen, die geographisch weiter von Investoren entfernt liegen, tendenziell eine schlechtere Performance erzielen als lokalere Deals. Dies legt nahe, dass Investoren, die Direktgeschäfte verfolgen, von der Nähe zu ihren Zielen profitieren, da dies Informationsasymmetrien verringert, die Aufsicht verbessert und das operative Engagement stärkt. Vor allem jedoch besteht bei einem Fokus auf Direktinvestitionen das Risiko, das Portfolios nicht ausreichend diversifiziert werden und Klumpenrisiken entstehen.
Strategien zur Risikominderung bei direktem Engagement
Für Family Offices, die sich in Direktinvestitionen engagieren möchten, ohne übermäßige Risiken einzugehen, gibt es mehrere Strategien, mit denen sich Chancen und Risiken in Einklang bringen lassen. Ein Ansatz besteht darin, sich an Syndizierungen oder Club-Deals zu beteiligen. Anstatt die gesamte Last der Beschaffung, Strukturierung und Verwaltung einer Investition zu tragen, können Family Offices unter vorab ausgehandelten Bedingungen mit anderen Investoren zusammenarbeiten.
Family Offices bevorzugen dieses Modell, bis zu 60 Prozent entscheiden sich für Club-Deals, um sich in Private Equity zu engagieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Übernahme des Solar- und Windparkbetreibers Encavis im vergangenen Jahr. Bei dem von der Private-Equity-Gesellschaft KKR geführten Deal agierten die Family Offices Viessmann Generations Group und Abacon Capital aktiv als Co-Investoren.
Eine weitere Lösung bietet das sogenannte Co-Investing. Bei diesem Modell investieren Family Offices direkt in ein Unternehmen, jedoch gemeinsam mit einem etablierten Private-Equity-Sponsor. Dabei nutzen sie die Due Diligence, die Strukturierungsfähigkeiten und das operative Know-how der PE-Gesellschaft. Solche Deals ermöglichen Family Offices direkte Beteiligungen mit Einfluss. Zuletzt etwa investierte das Hopp Family Office zusammen mit einem PE-Partner in dieselbe Finanzierungsrunde bei der Berliner Tech-Plattform Aedifion.
Ein dritter Weg ist die Kombination von Direktinvestitionen mit Fondsengagements. Dieser Ansatz ermöglicht es, von den Diversifikationseffekten der Fondsanlage zu profitieren und gleichzeitig die Kontrolle über ausgewählte Direktinvestitionen zu behalten. Viele Family Offices sind der Überzeugung, dass Fondsinvestitionen Zugang zu qualitativ hochwertigen Deals und professionellem Management bieten, während Direktinvestitionen es ihnen erlauben, ihre Portfolios individuell anzupassen und Kosten zu senken.
Weiterhin können sie so von der Expertise und dem Netzwerk externer Partner profitieren, die für sie die besten Manager finden. Eine Kombination dieser beiden Ansätze ist fast immer die beste Lösung.
Das Beste aus beiden Welten
Family Offices tun gut daran, sich strategisch sowohl mit Direkt- als auch Fondsinvestitionen zu befassen. In Bereichen, in denen sie über fundierte Branchenkenntnisse verfügen – wie eingangs am Beispiel Mousse Partners und Téthys Invest erläutert – ist die Einbeziehung von Direktinvestitionen sinnvoll. Gleichzeit sollten sie Fondsallokationen zur Diversifizierung beibehalten. Diese ausgewogene Strategie ermöglicht es Investoren, potenziell die Vorteile beider Welten zu kombinieren und gleichzeitig die jeweiligen Risiken zu mindern.
Über den Autor:
Steffen Pauls ist Gründer und Co-CEO des Asset Managers Moonfare, der sich auf Investments in Privatmärkte wie Private Equity konzentriert. Pauls verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Private Equity, bis 2016 war er für die Beteiligungsgesellschaft KKR tätig und dort für den deutschen Markt verantwortlich.
