Britta Weidenbach von Auretas im Interview „Langfristig investieren heißt, die eigene Meinung täglich zu hinterfragen“

Britta Weidenbach ist seit drei Jahren geschäftsführende Gesellschafterin des Family Offices Auretas.

Britta Weidenbach ist seit drei Jahren geschäftsführende Gesellschafterin des Family Offices Auretas. Bildquelle: Anna Mutter

private banking magazin: Frau Weidenbach, wenn bei der DWS ein besonders gutes Jahr zu Ende ging – mit welchem Glas hat man dort auf den Erfolg angestoßen?

Britta Weidenbach: Das hing immer von der Performance und dem Geschäftserfolg in dem jeweiligen Jahr ab. Je besser das Jahr abgeschnitten hat, desto besser der Wein.

Und wenn es heute bei der Auretas gut läuft. Was liegt dann im Kühlschrank?

Weidenbach: Wenn wir Wein im Kühlschrank hätten, dann wäre es wahrscheinlich ein sehr guter Rotwein, rund im Geschmack, mit dem gewissen Etwas – so wie wir bei Auretas uns als Partner für die Vermögensverwaltung unserer Mandanten verstehen und ein rundes und innovatives Anlagekonzept bieten.

Sie waren mehr als 20 Jahre bei der DWS. Wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken: Was waren prägenden Meilensteine?

Weidenbach: Man kann die 21 Jahre, die ich dort war, kaum miteinander vergleichen. Ich habe 1999 bei einem eher mittelständisch anmutenden Unternehmen angefangen – mit kleineren Bürogebäuden im Frankfurter Grüneburgpark, einem Fokus auf aktive Aktien- und Anleihefonds. Als ich die DWS verlassen habe, war sie ein globaler Asset Manager mit einem sehr breiten Produktportfolio, inklusive Multi-Asset und alternativen Anlageklassen. Ich bin mit diesem Unternehmen gewachsen.

Hat Sie das zu Auretas geführt, weg vom Großkonzern hin zum mittelständischen Family Office?

Weidenbach: Nach 21 Jahren wollte ich noch einmal unternehmerischer unterwegs sein. In großen Konzernen ist das durch regulatorische Rahmenbedingungen schwieriger. Man ist viel mit internen Themen beschäftigt. Bei Auretas habe ich das Unternehmerische und Organisatorische und ich bin weiterhin sehr nah am Markt und näher an den Mandanten als früher.

 

Sie sind dort für die strategische Assetallokation verantwortlich. Was bedeutet das konkret?

Weidenbach: Wir arbeiten mit dem Auretas-Anlagekompass. Er legt Vermögen global und breit über sämtliche Assetklassen an, auch über private Märkte – allerdings in liquider Form. Ein weiterer Punkt: Märkte, die wir für effizient halten, steuern wir über passive Anlagen, allokieren aber aktiv. Das heißt: ETFs ja, aber mit aktiven Allokationsentscheidungen, etwa auf Sektorebene.

Wie bringen Sie diese Allokation mit den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen vermögender Mandanten zusammen?

Weidenbach: Unser Anlagekompass ist nach drei ökonomischen Funktionen aufgebaut: Absicherung, Ernte und Chance. Absicherung hat das geringste Rendite- und Risikoprofil, Chance das höchste. Jeder Mandant kann diese Funktionen je nach Renditeerwartung, Risikoneigung und Tragfähigkeit unterschiedlich gewichten. Wir haben also ein konsistentes Konzept, das zugleich sehr flexibel ist.

In den vergangenen Jahren gab es heftige Korrelationsbrüche – etwa 2022, als Aktien und Anleihen gleichzeitig verloren. Was lernen Sie daraus?

Weidenbach: Wichtig ist die Unterscheidung: Es gab Korrelationsbrüche zwischen Assetklassen, aber keinen Bruch zwischen Wirtschaftsdaten und den Reaktionen der unterschiedlichen Märkte. 2022 war ungewöhnlich, weil Zinsen wegen der Inflationsdaten stiegen, obwohl eine wirtschaftliche Schwäche erwartet wurde. Das hat gleichzeitig Aktien und Anleihen belastet. Das ändert aber nichts an der Vorteilhaftigkeit von Diversifikation. Was sich ändern kann, ist, welche Assetklasse welcher Funktion gerecht wird.

Bedeutet das, dass Sie Ihre Allokation ständig anpassen müssen?

Weidenbach: Nein, nicht ständig. Wir bleiben immer bei den drei ökonomischen Funktionen, aber wir hinterfragen laufend, welche Assetklasse heute welche Funktion erfüllt. Staatsanleihen etwa können in einem Inflationsumfeld ein Risiko darstellen. Solche Überlegungen müssen in die Gewichtung innerhalb einer Absicherung einfließen.

Sie sprechen von einem „Kompass“. Stehen Sie lieber auf ruhiger See oder in bewegten Märkten?

Weidenbach: In meinen 27 Jahren am Kapitalmarkt habe ich selten ganz ruhige See erlebt. Gerade in Phasen der Unruhe ist unsere Expertise besonders gefragt. Diese Herausforderungen schleifen einen und sie zeigen, warum es Vermögensverwalter braucht.

Hat Sie das über die Jahre ruhiger gemacht?

Weidenbach: Ja. Ich habe 1999 kurz vor dem Platzen der Technologieblase angefangen. Sehr früh habe ich zum Beispiel gelernt, dass es bei der Bewertung von Aktien auf die richtige Einschätzung der Gewinne ankommt – auf das „E“ im Kurs-Gewinn-Verhältnis, das für Earnings steht. Wer mehrere Krisen durchlebt hat, weiß besser zwischen Marktgeräusch und harten Fakten zu unterscheiden und damit auch, wann man die ruhige Hand behalten muss und wann entschlossenes Handeln gefragt ist.

 

Sie verantworten heute alle Assetklassen. Was macht das mit dem Mindset?

Weidenbach: Auch als reine Aktienstrategin musste ich Konjunktur, Zinsen, Inflation und Währungen im Blick behalten. Heute setze ich diese Gesamtmarktanalyse genauso auf der Anleiheseite und über andere Assetklassen hinweg um. Man darf sich nie zurücklehnen. Langfristiges Investieren heißt nicht, einmal investieren und dann abwarten, sondern die eigene Meinung ständig hinterfragen.

Was unterscheidet die strategische Allokation bei Auretas von anderen Multi Family Offices?

Weidenbach: Wir denken stärker in Funktionen als in klassischen Assetklassen. Wir fragen: Welche Funktion soll eine Assetklasse erfüllen – und kann sie das heute noch? Der US-Dollar war lange Teil unserer Absicherung, das hat sich verändert. Wir treffen solche Entscheidungen, ohne die Absicherung insgesamt infrage zu stellen – sondern indem wir neu definieren, was hineingehört.

Sie investieren private Märkte in liquider Form. Warum?

Weidenbach: Liquidität bringt Flexibilität. In börsennotierten Private Equity Gesellschaften oder listed Infrastruktur ist man von Tag eins an voll investiert und breit diversifiziert. Die Kostenstruktur ist vorteilhafter als bei klassischen illiquiden Vehikeln. Außerdem können wir so unabhängig von der Vermögensgröße unserer Mandanten breit allokieren, ob jemand mit 5 fünf oder 50 Millionen investiert.

Haben große Vermögen damit Vorteile?

Weidenbach: Bei unserem Ansatz nicht. Weil wir liquide investieren, können wir über alle Assetklassen für Mandanten mit fünf Millionen genauso investieren wie für Mandanten mit 50 Millionen.

Wenn Sie einen Grundsatz für strategische Allokation formulieren müssten – was wäre der wichtigste Anker?

Weidenbach: Immer die tiefgehende Fundamentalanalyse der Wirtschafts- und Unternehmensdaten, um daraus die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen.


Über die Interviewte:

Britta Weidenbach war über 20 Jahre in leitender Funktion bei der DWS tätig, zuletzt als CO-Head EMEA und Leiterin für europäische Aktien. Seit drei Jahren ist sie geschäftsführende Gesellschafterin des Family Offices Auretas und verantwortet dort die strategische Assetallokation für vermögende Mandanten.

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