Ultra-vermögende Familien (UHNW) reagieren auf die fragmentierte Welt. Der Family Barometer 2025 von Julius Bär und PWC zeigt: Nachfolgeplanung, politische Stabilität und Private Markets bestimmen die Agenda. Für die Studie befragten die Verantwortlichen knapp 2.500 Experten aus Europa, Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika. Das Ergebnis: Vermögen wird nicht mehr nur geschützt. Es dient als Instrument für Werte über Generationen hinweg.
Politische Stabilität beunruhigt Europa
In Europa hat sich die Prioritätenliste verschoben. Politische Stabilität rangiert als zweitwichtigstes gesellschaftliches Thema. Regionale Konflikte, demokratische Erosion und institutionelle Fragilität beunruhigen die Familien. „Geopolitische Turbulenzen haben das Risikoverständnis neu definiert. Familien fordern integrierte Ansätze, die Sicherheit, Werte und Investmentziele vereinen“, erklärt Rajesh Manwani, Co-Head Global Products & Solutions bei Julius Bär.
Die Konsequenz: Geopolitische Diversifikation steht mit 52,6 Prozent an der Spitze der Investment-Themen. Mehr als 80 Prozent der UHNW-Familien haben Mitglieder in mehreren Ländern. Über ein Drittel hält Vermögenswerte in drei oder mehr Jurisdiktionen. Diese Verflechtung macht Steueroptimierung (50,1 Prozent) und grenzüberschreitende Nachfolgeplanung (37,1 Prozent) zu den drängendsten Herausforderungen.
Legacy statt Liquidität
Erstmals rangiert die Antwort „Building family legacy“ unter den Top-3-Familienthemen. Das signalisiert einen fundamentalen Wandel. Besonders in Asien, wo das Thema Platz drei belegt, vollzieht sich ein Generationenwechsel. Patriarchen und Matriarchinnen denken über reine Nachfolgeplanung hinaus. Sie codifizieren Werte in Familienverfassungen und Mentoring-Programmen. „In Asien beschleunigt sich die Legacy-Konversation. Familien formulieren Purpose, Identität und Wirkung über Generationen“, sagt Jimmy Lee, Region Head Asia bei Julius Bär.
Dieser Wandel prägt auch die Rolle von Vermögensberatern. Sie werden zunehmend als zentrale Ansprechpartner gesucht. Nicht nur für Transaktionen, sondern für langfristige Dialoge. Sie sollen Finanzkapital mit Human- und Sozialkapital verbinden.
Family Offices: 40 Prozent haben eines, 60 Prozent zögern
Rund 40 Prozent der befragten UHNW-Familien verfügen über ein Family Office. Single Family Offices (21,3 Prozent) bleiben die bevorzugte Struktur. Doch die Hürden sind hoch: 60,4 Prozent nennen Kosten als Hauptbarriere. Es folgen Management-Komplexität (29,5 Prozent) und unzureichende Vermögensgröße (28,3 Prozent).
Die Antwort: Hybrid-Modelle gewinnen an Bedeutung. Familien lagern selektiv Funktionen aus. Etwa Cybersecurity (in Europa zu 58 Prozent outgesourct), Wealth and Succession Planning (59 Prozent) und Philanthropy Advisory (56 Prozent). Liquidity Management (74 Prozent in-house) und Family Governance bleiben intern. „Ein durchdacht gestaltetes Family Office wird oft zum Eckpfeiler für langfristige Vermögenserhaltung und erfolgreichen Generationenwechsel“, betont Thomas Frauenlob, Co-Head Region Western Markets & Switzerland bei Julius Bär.
Private Markets werden Mainstream
Immobilien belegen global Platz 2 der Investment-Themen. Private Markets gewinnen insgesamt an Bedeutung – besonders im Nahen Osten und Lateinamerika, wo Private Equity zu den wichtigsten Anlagethemen zählt. In Europa treibt vor allem Asset-Diversifikation (34,5 Prozent) die Nachfrage nach Private-Markets-Investments. Es folgen langfristige Anlagestrategie (26,7 Prozent) und höhere Renditen (20,3 Prozent).
Alignment als Resilienzfaktor
Der Family Barometer 2025 zeichnet das Bild einer Generation, die mit Absicht handelt. Über Grenzen, Generationen und Anlageklassen hinweg. „Wenn Komplexität steigt, wächst der Bedarf an Klarheit in der Planung. Familien suchen vertrauenswürdige Partner, um mit Zuversicht durch das Rauschen zu navigieren“, resümiert Carlos Recoder, Co-Head Region Western Markets & Switzerland bei Julius Bär. In einer fragmentierten Welt wird Alignment zum entscheidenden Resilienzfaktor.