Familientradition aus dem Trentino Ferrari – ein italienisches Pendant zum Champagner

Im Weinkeller der Cantine Ferrari: die zweite Generation der Familie Lunelli – Gino, Bruno und Mauro | © Cantine Ferrari

Im Weinkeller der Cantine Ferrari: die zweite Generation der Familie Lunelli – Gino, Bruno und Mauro Foto: Cantine Ferrari

Gibt es eigentlich so etwas wie ein italienisches Pendant zum berühmten Champagner? So gut wie jeder weiß um das besondere Image dieses edlen französischen Schaumweins. Man schätzt ihn zum Zelebrieren besonderer Anlässe. Auch wenn es durchaus verschiedene Qualitäten gibt, wie bei fast allen Produkten dieser Welt – dem Champagner haftet per se der Hauch von Luxus, von etwas ganz Exklusivem an.

Gibt es vergleichbare Schaumweine auch in anderen Ländern? Und falls ja, seit wann und wie werden sie hergestellt? Wer sich diese Fragen stellt, kommt früher oder später auch auf das italienische Weingut „Cantine Ferrari“ und die spannende Lebensgeschichte ihres Gründers, eines der Urväter des italienischen Schaumweins: Giulio Ferrari.

Pionier auf Reisen

Ferrari hatte übrigens mit Sportautos nie etwas am Hut – aber umso mehr mit edlen Trauben und der Vision eines italienischen Champagners. Aus diesem Grunde verließ er Ende des 19. Jahrhunderts seine Heimat Trentino, um in Deutschland und Frankreich alle Finessen des Weinbaus zu erlernen.

Nach einigen Jahren kehrte er mit umfangreichem Wissen über die „Méthode champenoise“ und Ablegern der besten Chardonnay-Reben in seine Heimat zurück. Denn er wusste, dass es im Trentino optimale Bedingungen gab, um als Erster einen italienischen Champagner zu schaffen. Die mergel- und kalkhaltigen Böden sowie die hohen Lagen versprechen bis heute gute Voraussetzungen für die Entwicklung von hochklassigen Schaumweinen – ebenso wie die lange Vegetationsperiode mit kalten Nächten, welche eine langsamere Aroma- und bessere Säureentwicklung, geringere Zuckerproduktion und somit niedrigere Alkoholgrade ermöglichen.

1902 schließlich erfüllte sich die Vision Giulio Ferraris und die ersten Flaschen Spumante Ferrari, gekeltert nach der klassischen französischen Methode – also der  zweiten Gärung in der Flasche – standen im heimischen Stadtpalais zum Verkauf. Damals noch unter dem Namen „Champagner Ferrari“ erhielt das kleine Unternehmen binnen kürzester Zeit Medaillen und Auszeichnungen, beispielsweise 1906 auf der Weltausstellung in Mailand.

Champagner nur noch aus der Champagne

Zwischenzeitlich hat sich bezüglich der Bezeichnung „Champagner“ allerdings einiges geändert, denn diese wurde markenrechtlich geschützt: Seit 1994 ist sie nur für Weine der Champagne selbst zugelassen. Auch die Bezeichnung „Méthode champenoise“ ist seitdem außerhalb der Champagne nicht mehr erlaubt.

Alle anderen Schaumweine, die im Flaschengärverfahren hergestellt werden, dürfen nur noch die Bezeichnungen „Méthode Traditionelle“ oder „Klassische Flaschengärung“ tragen. Dementsprechend heißen in Flaschengärung hergestellte Schaumweine in Frankreich und in Luxemburg Vin Mousseux oder Crémant, in Spanien Cava, in Deutschland Winzersekt und in Italien Spumante Metodo Classico.