Fallende Marktwerte bei steigenden risikolosen Zinssätzen Nächster Stresstest für Pensionskassen

Felix Hufeld ist Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.  | © Bafin

Felix Hufeld ist Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Foto: Bafin

Nach Angaben der deutschen Finanzaufsicht Bafin hat die Aufsichtsbehörde Eiopa (European Insurance and Occupational Pensions Authority) am 2. April den Startschuss für ihren inzwischen dritten Stresstest von Pensionseinrichtungen gegeben und die dazugehörigen Spezifikationen veröffentlicht. Der aktuelle Test, an dem ein Teil der deutschen Pensionskassen und Pensionsfonds teilnehmen wird, solle zeigen, welche Auswirkungen ein bestimmtes Stress-Szenario auf die Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) hat, und ob es weitere, möglicherweise systemische Auswirkungen zum Beispiel auf die Unternehmen gibt, die EbAV finanzieren.

Das Stress-Szenario geht von fallenden Marktwerten der Kapitalanlagen bei steigenden risikolosen Zinssätzen aus. Letzteres senke tendenziell den Wert der Verpflichtungen der EbAV, erläutert die Bafin. Stress entstehe dadurch, dass die Marktwerte der Kapitalanlagen im Szenario in der Regel stärker zurückgehen dürften als der Wert der Verpflichtungen der EbAV.

In diesem Jahr betrachtet Eiopa erstmals auch die erwarteten Zahlungsströme aus Sicherheits- und Anpassungsmechanismen wie beispielsweise die Unterstützung durch die Unternehmen beziehungsweise Arbeitgeber, die die EbAV finanzieren. Zudem ist es das erste Mal, dass die EbAV Fragen im Zusammenhang mit Risiken, die sich aus Umweltfaktoren, sozialen Faktoren und die Unternehmensführung betreffenden Faktoren ergeben, beantworten sollen. 

Routine mit Stresstests

Die Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, zu denen in Deutschland Pensionskassen und Pensionsfonds zählen, haben inzwischen eine gewisse Routine im Umgang mit Stresstests der Eiopa. Der erste Test dieser Art fand 2015 statt. Zwei Jahre später kam es zu einer Neuauflage. 

Mit dem zweiten Test wollten die Aufseher herausfinden, ob der europäische EbAV-Sektor gegen mögliche negative Entwicklungen am Kapitalmarkt widerstandsfähig ist. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung, die Leistungszusagen anbieten, hätten bei aggregierter Betrachtung nicht genug Kapitalanlagen, um ihre Verpflichtungen bedecken zu können. Über die Ergebnisse des aktuellen Stresstest wollen die Aufseher im Dezember 2019 berichten.