EZB-Präsidentin Spekulationen um vorzeitigen Abgang von Christine Lagarde

Christine Lagarde, Präsidentin der EZB, auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Münchener Sicherheitskonferenz Mitte Februar. Sie ist seit November 2019 im Amt. Bildquelle: Imago/Frank Turetzek

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäische Zentralbank (EZB), könnte ihr Amt vorzeitig niederlegen. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf eine Vertraute der früheren französischen Finanzministerin. Demnach erwäge Lagarde, ihre Position vor April kommenden Jahres aufzugeben, um dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ausreichend Zeit für die Nachfolgeplanung zu lassen.

Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. „Bitte beachten Sie, dass Präsidentin Lagarde sich voll und ganz auf ihre Aufgabe konzentriert und noch keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen hat“, teilt EZB-Sprecher Francisco García Feixas dem private banking magazin mit. Im Mai vergangenen Jahres hatte die EZB noch erklärt, Lagarde sei „entschlossen, ihre Amtszeit zu vollenden“.

Und nun dementierte Lagarde die Berichte: „Wenn ich auf all diese Jahre zurückblicke, denke ich, dass wir viel erreicht haben, dass ich viel erreicht habe“, ⁠sagte sie dem Wall Street Journal in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. „Wir müssen das konsolidieren und sicherstellen, dass es wirklich solide und verlässlich ist. Meine Grundannahme ist daher, dass dies bis ‌zum Ende meiner Amtszeit dauern ‌wird.“ 

 

Lagarde ist seit November 2019 im Amt und die erste Frau an der Spitze der EZB. Das reguläre Mandat der EZB-Präsidentin endet am 31. Oktober 2027. Die französischen Präsidentschaftswahlen sind für April 2027 angesetzt.

Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) liegt laut Daten der Umfrageplattform Polit Pro von Februar bei rund 35 Prozent und damit deutlich vorn. Auf Platz zwei folgt das linke Bündnis New Popular Front mit 24 Prozent. Das Bündnis Ensemble pour la République, zu dem auch Macrons Partei Renaissance zählt, kommt auf etwa 14 Prozent.

Einfluss der großen EU-Volkswirtschaften

Über die Besetzung der EZB-Spitze entscheiden die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Deutschland und Frankreich gelten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als besonders einflussreich. Deutschland stand 2024 für rund 24 Prozent der Wirtschaftsleistung der EU, Frankreich für etwa 16 Prozent.

Mögliche Nachfolger werden trotz Lagardes Demti dennoch gehandelt: Dazu gehören unter anderem der frühere spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos sowie der niederländische Zentralbankpräsident Klaas Knot. Ebenfalls genannt werden Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, sowie Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank. Auf Anfrage des private banking magazin äußerten sich die Genannten nicht.

Zentralbank-Erfahrung ist förderlich 

Hernández de Cos war rund neun Jahre Mitglied des EZB-Rates und arbeitete insgesamt 18 Jahre bei der spanischen Notenbank. Knot stand 14 Jahre an der Spitze der niederländischen Zentralbank und war dort insgesamt etwa 25 Jahre tätig. Schnabel gehört dem EZB-Direktorium seit 2020 an und war zuvor Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Nagel ist seit 2022 Präsident der Deutschen Bundesbank, für die er insgesamt rund 20 Jahre tätig war. 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen