Expansive Geldpolitik Finanzbranche rechnet geschlossen mit Blasenbildung

CFS Index: Die Hälfte der Umfrageteilnehmer halten die expansive Geldpolitik der EZB zum Teil für wirksam. | © CFS

CFS Index: Die Hälfte der Umfrageteilnehmer halten die expansive Geldpolitik der EZB zum Teil für wirksam. Foto: CFS

Einer Umfrage des Center for Financial Studies zufolge besteht in der deutschen Finanzbranche nahezu geschlossen Einigkeit darüber (92 Prozent), dass sich Blasen auf den europäischen Finanzmärkten durch die expansive Geldpolitik der EZB gebildet haben oder sich bilden werden, wenn diese Politik fortgesetzt wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt die Politik des Quantitative Easing (QE) bereits seit 2015. Zudem belassen die Verantwortlichen den Leitzins der Eurozone – also der Hauptrefinanzierungssatz, den die Banken zahlen, wenn sie von der EZB Geld leihen - seit März 2016 bei null Prozent.

Ob mit diesen Maßnahmen, abgesehen von den befürchteten negativen Auswirkungen, die gesetzten Ziele mit Blick auf die Erhöhung der Inflationsrate und die Förderung des Wirtschaftswachstums erreicht worden sind, wird von der Finanzindustrie differenziert betrachtet.

Die Hälfte der Umfrageteilnehmer (49 Prozent) halten die expansive Geldpolitik der EZB zum Teil für wirksam. 38 Prozent hingegen sind der Meinung, dass die Ziele nicht erreicht wurden. Lediglich 12 Prozent der Befragten halten die expansive Geldpolitik klar für wirksam.

„Die Umfrage verdeutlicht die Skepsis der Marktteilnehmer gegenüber der Wirksamkeit der geldpolitischen Strategie der EZB. Insbesondere die Befürchtung einer Blasenbildung in bestimmten Assetklassen sollte die EZB sehr ernst nehmen“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies.

„Alarmierend ist auch die überwiegende Einschätzung der Marktteilnehmer, dass zwar ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik geboten ist, aber nicht erwartet wird. Denn dies kann bedeuten, dass die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn die EZB entgegen den Markterwartungen doch eine Kehrtwende einleitet. Hier ist eine klare, rechtzeitige Kommunikation seitens der EZB wesentlich,“ so Brühl weiter.

Am 26. Oktober 2017 wird Mario Draghi die nächste Leitzinsentscheidung bekanntgeben, mit der die zukünftige Richtung in der Geldpolitik für 2018 festgelegt wird. Die Finanzbranche befürwortet dabei mehrheitlich (78 Prozent) einen Beschluss zu einem raschen Ausstieg (spätestens Q1 2018) aus der expansiven Geldpolitik. Jedoch rechnet kaum jemand damit (2 Prozent), dass es dazu kommen wird.

„Die Differenz zwischen dem Wunsch nach einem Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik und der niedrigen Erwartung, dass dieser Wunsch erfüllt werden wird, ist für sich genommen ein deutliches Warnsignal. Seit geraumer Zeit fehlen echte Marktpreise“, so Lutz Raettig, Präsident des Vereins Frankfurt Main Finance.