Strukturelle Unterschiede (Teil 1) Was Wealth Manager bei Expansion in die Schweiz beachten müssen

Schweizer Geschäftszentrum vor dem stilisierten Matterhorn

Wer sein Geschäft auf die Schweiz ausdehnen möchte, muss sich auf einen anderen Regelrahmen einstellen. Bildquelle: Iris Bülow mit Canva

Die Rahmenbedingungen für Wealth Manager in Europa haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Vermögensverwaltung wird zum einen anspruchsvoller, zum anderen expandieren Vermögensverwalter zunehmend in europäische Nachbarländer, um neue Kundensegmente zu erschließen.

Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens EY können Wealth Manager, die ihre Präsenz ausbauen und gezielt Partnerschaften eingehen, ihre Wettbewerbsposition in einem zunehmend anspruchsvollen Marktumfeld stärken. Für Anbieter, die in Deutschland oder der Schweiz tätig sind und ein Office in einem der beiden Märkte in Erwägung ziehen, lohnt sich der genaue Blick auf nationale Besonderheiten.  

In der Praxis agieren viele Wealth Manager und Family Offices heute nicht mehr ausschließlich in einzelnen Märkten, sondern über mehrere Standorte hinweg – etwa in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Großbritannien oder im Nahen Osten. Der Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz steht daher exemplarisch für eine größere Fragestellung im internationalen Wealth Management. Er soll strukturelle Unterschiede aufzeigen, nicht nationale oder standortbezogene Geschäftsmodelle bewerten.

Deutsche Regulierungstiefe trifft auf Schweizer Stabilität

Der Ausgangspunkt für viele dieser Unterschiede liegt im politischen und wirtschaftlichen Umfeld. In Deutschland wird die öffentliche Debatte rund um Vermögen, Umverteilung und Steuern zunehmend intensiver geführt. Vermögensverwalter agieren in einem Umfeld, das stark von europäischer Regulierung geprägt ist. Richtlinien wie Mifid II, AIFMD, Priips oder die ESG-Regulatorik definieren weite Teile der Compliance-Anforderungen.

Hinzu kommen nationale Auslegungen, die die Komplexität weiter erhöhen. Für viele Marktteilnehmer bedeutet das: hoher Dokumentationsaufwand, detaillierte Berichtspflichten und ein regulatorisches Umfeld, das sich kontinuierlich vertieft. Der regulatorische Rahmen schafft zwar Vertrauen und Stabilität. Er verlangt den Häusern aber gleichzeitig ein hohes Maß an organisatorischer und operativer Disziplin ab.  

Die Schweiz präsentiert sich im Vergleich dazu wirtschaftspolitisch stabiler und international stärker positioniert als der deutsche Finanzstandort Frankfurt. Das Land gilt seit Jahrzehnten als globaler Wealth-Hub und zieht Kunden aus aller Welt an. Das schafft ein Umfeld, das international verständlich ist, gleichzeitig aber Raum für unternehmerische Gestaltung lässt.

Regulatorisch verfolgt die Schweiz einen selektiven Ansatz: Internationale Standards werden dort übernommen, wo sie sinnvoll erscheinen, ohne die regulatorische Autonomie vollständig aufzugeben. Dadurch bleibt der Standort flexibler und stärker marktorientiert.

 

Regulierung: Vertrauensanker oder operative Belastung?

In Deutschland unterliegen Vermögensverwalter häufig der Aufsicht durch die Bafin. Abhängig vom Geschäftsmodell sind Erlaubnis-, Anzeige- und umfangreiche Berichtspflichten zu erfüllen. Vorgaben wie die MaRisk verlangen eine systematische Erfassung und Steuerung von Risiken. Für Wealth Manager und ihre Kunden ist das ein wichtiges Signal von Sicherheit und Professionalität. Für die Vermögensverwalter selbst ist es jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden.

In der Schweiz hat sich die regulatorische Landschaft in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Mit der Einführung des Financial Institutions Act (FinIA) und des Financial Services Act (FinSA) mussten sich viele Vermögensverwalter neu lizenzieren, organisatorisch aufstellen (zum Beispiel bei Governance, Risikomanagement, Compliance) und Kundenverhaltensregeln wie Transparenzpflichten umsetzen. Dennoch bleibt das System insgesamt marktnäher als in Deutschland.

Die Regulierung in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren deutlich anspruchsvoller geworden. Gleichzeitig wird sie von vielen Marktteilnehmern als vergleichsweise klar strukturiert und pragmatisch in der Umsetzung wahrgenommen, auch wenn die Anforderungen je nach Geschäftsmodell und Ausgestaltung erheblich variieren können.

Deutschland und die Schweiz nähern sich regulatorisch zunehmend an, das macht es auch für deutsche Wealth Manager einfacher, die den Sprung in den Schweizer Markt wagen wollen. In der Schweiz wird Regulierung zunehmend als Qualitätssiegel verstanden, allerdings mit dem Anspruch, sie praktikabel zu halten – ein Balanceakt, der insbesondere für international tätige Wealth Manager relevant ist. 

Steuern: Unterschiedliche Logiken, unterschiedliche Steuerungsimpulse

Weitere strukturelle Unterschiede ergeben sich im steuerlichen Umfeld. Deutschland erhebt keine klassische Vermögenssteuer, was das Land für Kunden von Vermögensverwaltern grundsätzlich attraktiv macht. Gleichzeitig sind Erträge aus Kapitalanlagen – etwa Zinsen und Dividenden – steuerlich relevant und haben direkten Einfluss auf die Portfoliostrukturierung. Steuerliche Aspekte fließen damit in Deutschland vor allem indirekt in das Portfoliomanagement ein, etwa über Ausschüttungsstrategien oder Asset-Allokationen.

In der Schweiz ist die Logik eine andere. Dort existiert eine Vermögenssteuer, deren Höhe je nach Kanton stark variiert. Freibeträge, Steuersätze und Progression unterscheiden sich teils erheblich, sodass der Wohnsitz einen maßgeblichen Einfluss auf die Nettobelastung hat. Hinzu kommt die Verrechnungssteuer auf Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden. In der Schweiz ist das Zusammenspiel von Vermögensverwaltung und Steuerplanung deutlich enger. Portfoliostrukturen werden häufig vor dem Hintergrund der Vermögens- und Verrechnungssteuer gedacht. Das prägt die Beratung und die Erwartungen der Kunden. 

Schweiz und Deutschland: Ähnliche Ziele, unterschiedliche Wege

Vermögensverwalter, die jeweils in die Schweiz oder nach Deutschland expandieren wollen, sehen sich mit unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen konfrontiert. Während Deutschland von hoher regulatorischer Dichte und europäischer Einbindung geprägt ist, setzt die Schweiz auf politische Stabilität, internationale Ausstrahlung und einen selektiven Regulierungsansatz.

Für Wealth Manager bedeutet das: Geschäftsmodelle, Prozesse und Beratungskonzepte sind nicht ohne Weiteres übertragbar. Wer in beiden Märkten tätig werden will, muss die Unterschiede aktiv berücksichtigen.

Die strukturellen Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz enden nicht bei Regulierung oder Steuern. Lesen Sie im zweiten Beitrag unserer Mini-Serie, wo sich beide Länder in Marktstruktur, Geschäftsrisiken, Anlageklassen und strategischen Trends unterscheiden und warum das direkte Auswirkungen auf Positionierung, Skalierbarkeit und Risikomanagement im Wealth Management hat.

Wenn Vermögensverwalter in die Schweiz expandieren wollen – hier geht es zu Teil 2 >> 


Über die Autoren: 

Christoph Wendel und Sener Arslan sind Managing Director Sales (Wendel) und Regional Director Schweiz (Arslan) bei Qplix. Die Wealthtech-Plattform bietet Software-Lösungen für die digitale Vermögensverwaltung an und richtet sich damit an Vermögensverwalter, Family Offices, Stiftungen, Fonds und institutionelle Investoren. Am Standort München sind 140 Software-Entwickler und Finanzexperten für Qplix tätig.

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