Exklusiv Manager des Kenfo wehren sich gegen Kritik von Greenpeace

Sprengung der Kühltürme des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld in Bayern: Die Kosten für den Rückbau erwirtschaften die Verantwortlichen des Kenfo.

Sprengung der Kühltürme des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld in Bayern: Die Kosten für den Rückbau erwirtschaften die Verantwortlichen des Kenfo. Greenpeace kritisierte, dass die Manager dafür in ESG-untaugliche Unternehmen investiert würden. Bildquelle: Imago Images / Panama Pictures

Greenpeace hatte kürzlich den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo) kritisiert. Die Investments seien weder nachhaltig noch transparent. Grundlage der Kritik war eine von der Umweltorganisation durchgeführte Analyse des Fonds.

Nun meldeten die Verantwortlichen des Kenfo sich zu Wort. „Offenkundig haben Kenfo und Greenpeace gegensätzliche Sichtweisen zu Investitionen in Öl- und Gasunternehmen“, heißt es in einer Stellungnahme, die exklusiv diesem Medium vorliegt. Die Studie enthalte viele Aussagen, die der Kenfo inhaltlich nicht teile beziehungsweise fachlich nicht nachvollziehen könne. „Insbesondere problematisch ist, dass in der gesamten Studie die Frage unbeachtet bleibt, wie sich Nachhaltigkeitsansätze und -mechanismen auf Portfoliozusammensetzungen, potenzielle Konflikte mit Renditezielen und Risikoparametern auswirken“, sagt ein Sprecher des Fonds.

Es sei laut Aussage des Sprechers Aufgabe und Herausforderung des Kenfo, die vom Gesetzgeber anvertrauten Gelder mit den gesetzlich verankerten Renditezielen und effektiven Nachhaltigkeitskriterien zu vereinbaren. „Die Verantwortlichen des Kenfo würden regelmäßig überprüfen, wie Nachhaltigkeitskriterien effizient und renditeorientiert umgesetzt werden könnten und hätten in der Vergangenheit bewiesen, dass diese Balance erfolgreich erreicht werden kann“, betont der Sprecher und erläutert folgende Punkte:

  1. Der Kenfo ist aus eigener Initiative als erster Staatsfonds weltweit 2020 der UN-unterstützten Net Zero Asset Owner Alliance (NZAOA) beigetreten und verfolgt eine ambitionierte Klima-Zielsetzung sowie einen transformativen Ansatz, der einen größeren klimarelevanten Einfluss als ein reiner Ausschlussansatz ermöglichen soll. Die Verantwortlichen des Kenfo haben sich verpflichtet, das Portfolio bis spätestens 2050 auf Netto-Null-Emissionen zu reduzieren und dafür Fünf-Jahres Zwischenziele zu setzen. Hierfür lassen sie den Fonds regelmäßig im Rahmen der Mitgliedschaft bei der NZAOA kontrollieren und berichtet einmal im Jahr gegenüber der NZAOA über die Fortschritte.
  2. In ihrer 2023 erstmalig veröffentlichten DNK-Erklärung (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) haben die Verantwortlichen des Kenfo die Emissionsintensität des Aktien- und Unternehmensanleiheportfolios veröffentlicht. Des Weiteren werde jährlich die Bestandsliste Portfolios veröffentlicht. Vor diesem Hintergrund können die Verantwortlichen des Kenfo den Vorwurf mangelnder Transparenz nicht nachvollziehen.
  3. Der Nachhaltigkeitsansatz des Fonds wird kontinuierlich mit anderen internationalen Asset Ownern verglichen und liege hierbei laut dem Sprecher auf Augenhöhe – insbesondere in Bezug auf Kennzahlen wie Emissionsintensität, den Anteil von Unternehmen mit Science based Targets und ESG-Ratingscores.

„Anders als die Verantwortlichen des Kenfo und die ganz überwiegende Mehrheit der institutionellen Anleger vertritt Greenpeace die Position, dass Investitionen auch in die besten Unternehmen des Öl- und Gassektors kategorisch nicht erlaubt sein sollten“, sagt der Sprecher und ergänzt: „Hingewiesen sei darauf, dass die frühere Greenpeace-Vorstandsvorsitzende Jennifer Morgan in ihrer jetzigen Funktion als Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik gerade in der globalen Energiewirtschaft für eine klimaneutrale Transformation eintritt.“ Genau dies sei auch die Position des Kenfo.

 

Der Verweis von Greenpeace auf Kontroversenlisten ist „unseriös“

  1. Zu diesen Kontroversenlisten gehören Listen mit Öl- und Gasunternehmen, die der Kenfo als Branche explizit nicht ausschließt und dies auch transparent so kommuniziert
  2. An erster Stelle der von Greenpeace kritisierten Investitionen steht, dass der Kenfo Anteile an der Volkswagen AG hält – insbesondere wegen der Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren, was der Fonds explizit nicht ausschließt.
  3. Ebenso kritisiert wird die Investition bei dem Lebensmittelkonzern Nestlé.
  4. Der Fonds hält keine Aktien oder Anleihen des südamerikanischen Fleischproduzenten JBS mehr. Der Kenfo hielt zum 31.12.2023 Anleihen im Wert von 2,2 Millionen Euro an dem Fleischproduzenten, hat diese 2024 jedoch veräußert. (Anmerkung der Redaktion: Greenpeace gab als Stichtag für die Analyse ebenfalls den 31.12.2023 an, weshalb der Besitz der Aktien seitens der Umweltorganisation kritisiert wurde.)

Zum Investment des Kenfo in Öl- und Gasunternehmen:

Die Fondsmanager investieren laut Sprecher in Öl- und Gasunternehmen, um die notwendige klimaneutrale Transformation zu begleiten und um das Portfolio bei geopolitischen Spannungen und hoher Inflation zu stabilisieren.  

 

Die historische Entwicklung zeige laut dem Sprecher, dass Öl- und Gasunternehmen dann deutlich besser performen als der Gesamtmarkt: „Der Anteil von Öl- und Gasunternehmen im Kenfo-Portfolio ist aktuell jedoch nur rund halb so hoch wie der gängiger Marktindizes.“

Einen Ausschluss von Aktien oder Anleihen von Öl- oder Gasunternehmen halten die Verantwortlichen des Kenfo aus den folgenden Gründen nicht für sinnvoll:

  1. Mit einem Ausschluss würde keinerlei CO2 eingespart. Der Kenfo würde seine Aktien lediglich an einen anderen Aktionär verkaufen. Dem Öl- oder Gasunternehmen würde dadurch kein Kapital entzogen; es würde weiterhin den gleichen CO2-Ausstoß haben.
  2. Die Erwartung, dass ein Ausschluss durch den Kenfo oder das Generationenkapital andere institutionelle Investoren veranlassen würde, diesem Beispiel zu folgen, halten wir für unrealistisch. Selbst als 2021 der Stichting Pensioenfonds ABP aus den Niederlanden, mit 500 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen einer der weltweit größten Pensionsfonds, den Ausschluss von fossiler Energie angekündigt hat, fand dies so gut wie keine Nachahmer. Der weitaus größte Teil der institutionellen Investoren – wie unter anderem auch der Norwegische Staatsfonds – investiert weiterhin in Öl- und Gasunternehmen.
  3. Die großen Öl- und Gasunternehmen haben eine wichtige Rolle bei der Energiewende, insbesonder bei Offshore-Windparks.
  4. Öl und Gas sind auch in der Energiewendestrategie der Bundesregierung wesentliche Eckpfeiler der Energiesicherheit.
Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen