Monaco Ex-Vermögensverwalter rechnet mit Fürst Albert ab

Fürst Albert und seine Frau Charlene feierten das 25-jährige Jubiläum des Grimaldi Forums.

Fürst Albert und seine Frau Charlene feierten das 25-jährige Jubiläum des Grimaldi Forums. „Er hat eine natürliche Neigung zur Bequemlichkeit, er ist kein besonders fleißiger Mensch“, sagt Palmero über Albert. Bildquelle: Imago Images / Starface

Claude Palmero, von 2001 bis 2023 Vermögensverwalter der Herrscherfamilie von Monaco, sorgt mit seinem im Februar erschienenen Buch „Monaco Interdit: Main basse sur la Principauté" (Nouveau Monde, 336 Seiten, 21,90 Euro) für internationales Aufsehen. Der Steuerexperte, der in die Fußstapfen seines Vaters trat – der bereits Fürst Rainier III. beraten hatte –, wurde im Juni 2023 im Zuge eines Korruptionsskandals von Fürst Albert entlassen. Die gegen ihn erhobenen Bereicherungsvorwürfe weist er zurück: Ermittler hätten nichts gefunden, sagt er, weil es nichts zu finden gebe.

Vorwurf: strukturelles Governance-Versagen 

Palmeros Buch entwickelt sich zum Bestseller: Laut dem Branchendienst Livres Hebdo wurden bereits zwei Tage nach Erscheinen am 12. Februar mehr als 1.000 Exemplare abgesetzt, der Erstauflage folgte noch am Veröffentlichungstag eine Nachdruckbestellung. Internationale Medien – darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Daily Telegraph und Il Sole 24 Ore – berichteten.

 

Palmero hatte zudem bereits 2024 zwei französischen Journalisten Einblick in fünf Notizbücher gewährt, wie das private banking magazin seinerzeit berichtete, in denen er während seiner Arbeit Vorgänge dokumentiert hatte. Darunter: angebliche Verflechtungen zwischen dem Privatvermögen der Fürstenfamilie und Staatsbudgets, Offshore-Firmen in Steuerparadiesen sowie Ausgaben von Fürstin Charlène, die das vereinbarte Budget von 7,5 Millionen Euro mit 15 Millionen Euro erheblich überschritten hätten.

Im Kern seiner Kritik steht ein strukturelles Governance-Versagen. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beschreibt Palmero, wie Albert zunächst Reformwillen gezeigt habe – doch dann sei er gescheitert: „Er hat sich in ein System gefügt, das ihm eine gewisse Ruhe verschaffte. Er hat eine natürliche Neigung zur Bequemlichkeit, er ist kein besonders fleißiger Mensch." Statt den Immobilienmarkt zu öffnen und das Quasimonopol eines einflussreichen Magnaten aufzubrechen, habe der Fürst den Kurs aufgegeben. Immobilien seien für Monaco das, was Erdölreserven für Saudi-Arabien seien: die wichtigste Einnahmequelle und zugleich der größte Angriffspunkt für Korruption und Geldwäsche.

Was an Palmeros Aussagen stimmt und was nicht, könnte zukünftig Gerichte beschäftigen. Fakt ist: Monaco steht seit Juli 2025 erneut auf der Schwarzen Liste der EU-Kommission. Für Palmero das Ergebnis fehlender rechtsstaatlicher Strukturen. Ein Rechtsstaat ziehe seriöses Kapital an, ein Land ohne unabhängige Justiz hingegen schmutziges Geld. Auch eine freie Presse fehle, um Missstände aufzudecken.

 

Palmeros Glaubwürdigkeit ist indes nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm vor, selbst Teil des Systems gewesen zu sein, das er nun anprangert – und stellen die Frage, warum er zwei Jahrzehnte lang an dessen Spitze verblieb.

Für Vermögensverwalter und Family Offices, die Monaco als Buchungsplatz oder Domizil für vermögende Kunden nutzen, sind Palmeros Aussagen dennoch eher negativ zu bewerten: Die Governance-Risiken im Fürstentum sind real – und die Europäische Kommission hat das erkannt. 

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