Michael Reichstein Ex-UBS-Banker erfüllt sich Pferde-Traum

Der 46-Jährige gab seine Arbeitsstelle im Private Banking der UBS AG in Zürich auf, wo er reiche Kunden in Ländern von Jordanien bis zum Libanon beriet. Im Jahr 2011 begann er damit, Wetten auf britische Pferderennen anzubieten. Sein in Gibraltar angesiedelter Dienst konzentriert sich dabei auf Wetten, dass ein Pferd ein Rennen nicht gewinnt.

“Sehr reiche Privatkunden mögen den Ansatz. Sie sagen, die Sache steht in keiner Korrelation zu irgendetwas anderem”, sagt er im Interview mit Bloomberg News, bei einem er sportliche Hosen und einen Kapuzenpulli trägt. Er verbringt seine Nachmittage damit, Geld auf Verlierer-Pferde bei begehrten britischen Rennbahnen wie Kempton Park oder Wolverhampton zu platzieren.

Sein Wett-Service gehört zu einer Reihe von neuen Geschäftsmodellen, die mit Pferderennen in Verbindung stehen. So gibt es unter anderem auch Fonds, die Pferde kaufen oder verkaufen. Investoren wird so eine Alternativen zu traditionellen Anlagen wie Aktien, Anleihen oder Gold geboten. Das gelbe Edelmetall war vergangenes Jahr im Preis um 28 Prozent eingebrochen.

Reichstein, der um 5 Uhr zum Ausritt mit einem seiner sechs Pferde aufsteht, hat nach eigenen Angaben mit den Wetten in 2013 einen Ertrag von 6 Prozent erzielt.

Für Pferde-Investoren gibt es derzeit nach einer langen Durststrecke erstmals wieder eine Rally. In den USA ist der Verkauf von Vollblütern vergangenes Jahr erstmals seit 2008 über 900 Mio. Dollar gestiegen, wie Daten des Marktbeobachters Bloodhorse.com belegen.

Davon will auch Reichstein, ein Schweizer Staatsbürger, profitieren. Zusammen mit zwei Partnern plant er, einen Handel von Vollblütern aufzubauen.

Doch im Pferde-Geschäft geht es offenbar nicht nur darum, Geld zu verdienen. Für einige spielt das Prestige eine Rolle, sagt William Sporborg, Managing Director des Fonds Breeding Capital aus Großbritannien, der junge Vollblüter verkauft: “Mit dem Erwerb eines Pferdes kommt man sehr viel dichter an die High-Society heran als mit dem Kauf eines Fußball-Clubs.”

Dass es nicht nur um Geld gehen kann, zeigt auch ein Blick auf die Wertentwicklung. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Vollblüters bei US-Auktionen kletterte 2013 nach Daten von Bloodhorse.com um 20,7 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr. Der US-Aktien-Leitindex S&P 500 schaffte im selben Zeitraum ein größeres Plus.

“Das größte Risiko ist letztlich, dass man es mit Mutter Natur zu tun habt”, sagt Sporborg. Sein erster Fonds fuhr einen Verlust von 8 Prozent ein, nachdem die Pferde-Bewertungen um bis zu 70 Prozent während der Finanzkrise eingebrochen waren. Der zweite schaffte den Break-Even, und der dritte Fonds befindet sich in guter Verfassung.

Ganz gelöst hat sich Reichstein vom Finanzsektor bislang nicht. Er verfügt über Immobilieninvestments und kümmert sich noch immer um das Private Banking einiger eigenen Kunden.

Angetrieben von seinen bisherigen Pferde-Erfolgen plant Reichstein derzeit aber keine Rückkehr zum Vollzeit-Banking. Eigenen Angaben zufolge hat er auf diese Weise mehr Zeit, sich seiner Leidenschaft zu widmen. Zudem sei er nicht an ein Büro oder Vorgesetzte gebunden. Oftmals platziert er am Nachmittag Pferdewetten - mit seinem iPhone.

Einige seiner alten Kunden bei der UBS nutzen heutzutage auch seinen Pferdewetten-Dienst.

Mit Blick auf den Handel von Pferden meint Reichstein: “Pferdehandel ist wie der Handel von Wein - er wächst immer mehr.”