Die Valora-Gruppe betreibt ein weitverzweigtes Kiosk-Netzwerk. Ist der Verkauf am Kiosk vergleichbar mit dem Verkauf von Finanzprodukten?
Ein Kiosk und eine Bank weisen durchaus Parallelen auf. Beide erfüllen Grundbedürfnisse, welche von einer Vielzahl der Bürgerinnen und Bürger praktisch täglich nachgefragt werden. Die persönliche und wiederkehrende Interaktion zum Kunden ist ein verbindendes Merkmal, das beim Kiosk und bei einer Bank ein zentrales Element zur Kundengewinnung, -entwicklung und letztlich nachhaltigen Kundenbindung.
In der Art und Komplexität der Produkte und der Abwicklung eines Verkaufsprozesses sind natürlich beträchtliche Unterschiede erkennbar. Im Kiosk müssen Produkte funktional selbsterklärend sein, auch emotional ansprechen, damit sie im Impulsgeschäft erfolgreich sind. Die Geschäftsabwicklung am sogenannten Point of Sale, also der Kasse, muss generell sehr rasch und einfach erfolgen. Bei der Bank gestaltet sich der Verkauf meist mehrstufig und bedarf einer intensiveren Auseinandersetzung des Kunden mit dem Produkt, was einen relativ höheren Beratungsanteil am Verkaufsprozess bedingt.
Mittlerweile verschwimmen aber auch Grenzen. Bereits heute verkaufen wir an unseren Kiosken Finanzprodukte, die vormals der Bankenbranche vorbehalten waren. Das können Valora-eigene Prepaid-Kreditkarte oder Geldüberweisungen ins Ausland sein. Beide Produkte sind sehr erfolgreich und sollen durch weitere Finanz- oder Kreditprodukte ergänzt werden. Wir bearbeiten die Märkte aktiv und werden die potentielle Konvergenz von Finanzbranche und Einzelhandel in gewissen Produkte und Service-Gruppen eng verfolgen.
Muss man als IT-Manager zwangsläufig zu den Technikaffinen gehören? Welche Technologien gehören in Ihrer Familie bereits zum Alltag?
Tatsächlich sind alle Familienmitglieder mit eigenem Smartphone ausgerüstet, sogar die 6-jährige Tochter. Allerdings ist der Anwendungszweck für die Tochter vorerst auf Fotografieren, Musikhören und Schauen einiger Zeichentrickfilme von Mickey Mouse begrenzt, obwohl sie andere Anwendungen durchaus bereits bedienen könnte. Für meine Frau und mich ist der IT-Park um Tablets und Notebooks erweitert. Es gesellen sich Server sowie zwei Desktop-PC dazu, die wir für unsere Website oder die Verwaltung unserer Daten verwenden, die wir nicht in die Cloud auslagern wollen.
Auch im Bereich Home Entertainment hat die multimediale Welt bei uns Einzug gehalten, wobei ich funktionelle Produkte den Alleskönnern im High End vorziehe. Stolz bin ich auf unsere synchrone 100-MBPS-Internetleitung (Anm. d. Redaktion: Megabit pro Sekunde). Gut möglich also, dass die IT oder die digitale Welt bei uns sichtbarer sind als bei anderen Familien und sich meine professionelle Affinität zur Informationstechnologie und die Freude an Neuheiten und Entwicklungen auch auf die Art und Weise des privaten IT-Einsatzes überträgt.
Über den Interviewten:
Roberto Fedele ist seit November vergangenen Jahres Chief Information Officer (CIO) der Schweizer Handelsgruppe Valora, die in Deutschland beispielsweise mit der Brezelbäckerei Ditsch am Markt vertreten ist. Vor seinem Wechsel war der 1972 Geborene CIO beim Kantinenbetreiber SV Group und Berater, und später Partner bei der Unternehmensberatung Exsigno (Deloitte Consulting). Seine Karriere begann Fedele bei der Credit Suisse im Retail- und Private Banking, wo er von 1989 bis 1998 tätig war.