Wealth-Management-Pläne von Henning Gebhardt „Wir wollen einen Sprung machen“

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Wie gehen Sie dann mit den Team-Abgängen um?

Gebhardt: Bisher waren der quantitative und der diskretionäre Bereich organisatorisch eher getrennt. Künftig bringen wir sie näher zusammen. 2017 haben wir 22 Investmententscheider neu eingestellt, dem stehen neun Abgänge gegenüber. Sie sehen also: wir investieren.

Zugegebenermaßen kränkelte vor Ihrer Zeit bei Berenberg die Vermögensverwaltung ein wenig. Ist das eine Baustelle?

Gebhardt: Eine Baustelle ist es nicht mehr. Über die Weiterentwicklung unserer Vermögensverwaltung machen wir uns stets Gedanken. Sie ist das Kernprodukt im Wealth Management. Beispielsweise stärken wir gerade das eigene Research im Bereich Asset Allocation. Wir wollen aber auch unsere Außenwahrnehmung schärfen und werden den Kunden künftig mehr Analysen und Marktmeinungen zur Verfügung stellen. Unter anderem erfordert auch die Mifid-2-Welt neue Antworten, weil Sie nicht mehr kostenfrei auf Research externer Dienstleister zurückgreifen können. Was zurückliegende Performance-Schwächen angeht, gab es mal vor zwei Jahren ein Zeitfenster, das nicht zufriedenstellend war. Darauf haben wir reagiert. Die Aktienmärkte sind damals gut gelaufen und die Vermögens-verwaltung war strukturell zu defensiv aufgestellt. Das wurde angepasst.

Agieren Sie nun künftig offensiver?

Gebhardt: Durchaus. Offensivere Entscheidungen sollte man aber nur auf der Basis von tief greifenden Marktkenntnissen treffen. Wir rüsten uns für die Zukunft der Kapitalmärkte, die ja mit einigen Fragezeichen versehen ist – Stichwort Zinswende. Da wird es auf die Investmentexpertise ankommen. Insofern wollen wir mit einer gestärkten Investmentplattform sowohl bei der Auswahl von Einzeltiteln als auch bei der Asset Allocation für ein schwieriger werdendes Marktumfeld vorbereitet sein.

Auf der Produktseite gab es jüngst die Auflegung einer ähnlichen Strategie wie die von Ihnen zuvor gemanagte DWS Aktien Strategie Deutschland. Weitere Produkte mit Europa-Fokus und solche im Micro- und Small-Cap-Bereich sollen folgen. Welche Vertriebswege wird man dabei beschreiten?

Gebhardt: Mit dem Start unserer Fonds 2017 sind wir sehr zufrieden. Im Oktober haben wir an einem Tag vier Fonds gelauncht, zwei Europa-Fonds von Matthias Born und zwei Nebenwerte-Fonds von Peter Kraus. Wir wenden uns an den Gesamtmarkt und werden diesbezüglich alle Vertriebswege nutzen. Die zunehmende Regulierung macht aber auch hier die Arbeit nicht einfacher. Um beispielsweise bei anderen Banken auf die Empfehlungsliste zu kommen, muss man den Investmentprozess gut erklären können. Darüber hinaus muss ein Produkt natürlich zur aktuellen Nachfrage der Kunden passen. Die Hürden sind höher geworden.

Bisher fallen die Berenberg-Fonds aber nicht sonderlich auf Fondsplattformen & Co. auf. Müssten Sie hier nicht auch über weiteres Personal nachdenken?

Gebhardt: Ja, wir werden unseren Vertrieb auf eine breitere Basis ausrichten. Und das geht mit einer größeren Vertriebsmannschaft einher. Hier werden wir uns verstärken. Sie werden uns künftig auch auf diesen Plattformen finden.

Gestatten Sie uns noch eine persönliche Frage: Was hat Sie gereizt, dass Sie nach 20 Jahren beim hiesigen Branchenprimus Deutsche Bank zu einer zwar mittelgroßen, aber deutlich kleineren Privatbank gewechselt sind?

Gebhardt: Da war zunächst einmal die unternehmerische Herausforderung. Berenberg hat gezeigt, dass auch in einer vermeintlich alten Industrie Wachstum möglich ist. Ich habe die Bank ja früher aus Kundensicht kennengelernt und das Wachstum intensiv beobachtet. Die Marke Berenberg ist sehr stark, und ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren für unsere Kunden auch auf der Anlageseite interessante Angebote schaffen werden. Die Platzhirsche haben zudem noch mehr als wir mit der Regulatorik zu kämpfen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Anbieter, die zwar kleiner, aber auch flexibler und schneller sind.

Über den Interviewten:
Henning Gebhardt lenkt seit Anfang 2017 den Zentralbereich Wealth und Asset Management der Berenberg Bank. Der Wechsel zu den Hamburgern war ein Coup, war der 49-Jährige zuvor doch 20 Jahre für die Deutsche Asset Management tätig und hatte dort unter anderem die Flaggschiff-Fonds DWS Aktien Strategie Deutschland und DWS Investa verantwortet.

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