Ex-Chef Raiffeisen Schweiz Pierre Vincenz aus U-Haft entlassen

Niederlassung von Raiffeisen Schweiz in Basel: Die die Causa Vincenz hatte die schlimmste Krise der Geschichte der Bank ausgelöst. | © Raiffeisen Schweiz

Niederlassung von Raiffeisen Schweiz in Basel: Die die Causa Vincenz hatte die schlimmste Krise der Geschichte der Bank ausgelöst. Foto: Raiffeisen Schweiz

Der ehemalige Chef der Raiffeisen Schweiz, Pierin Vincenz, ist nach 106 Tagen Untersuchungshaft wieder auf freiem Fuß. Der 62-Jährige war Ende Februar festgesetzt worden, wegen Verdunklungsgefahr hatten die Richter einem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Haftverlängerung zugestimmt. Nun folgte die Freilassung unter Auflagen, das Verfahren läuft aber weiter.

Unter Auflagen frei

„Die sehr aufwändige Untersuchung ist dank intensiver Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kantonspolizei bereits weit fortgeschritten, so dass die Beschuldigten unter Auflage verschiedener Ersatzmaßnahmen aus der Haft entlassen werden konnten“, hieß es von der Staatsanwaltschaft Zürich, „Die Ermittlungen gegen sämtliche Beschuldigten sind aber nach wie vor im Gange“.  

Der Verdacht lautet auf Untreue. So soll Vincenz als Verwaltungsratspräsident des Kreditkartenunternehmen Aduno in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Konkret geht es um die Übernahme des Unternehmens Comtrain durch das Kreditkartenunternehmen Aduno.

Vincenz habe sich in seiner Zeit als Verwaltungsratspräsident von Aduno vor dem Deal bei Comtrain eingekauft und auf diese Weise persönlich daran mitverdient. Ähnlich soll sich Vincenz bei der Raiffeisen-Beteiligung an Investnet verhalten haben.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma reagierte mit einem Aufsichtsverfahren gegen Vincenz und dessen Frau Nadja Ceregato, der damaligen Chefjuristin von Raiffeisen. Nur gegen Vincenz‘ kompletten Rückzug vom Bankgeschäft wurde das Verfahren Ende vergangenen Jahres eingestellt.

„U-Haft unverhältnismäßig“

Vincenz, der sich nun mit seiner Frau an einem geheimen Ort aufhält, erklärte: „Was ich in den letzten Wochen erlebt habe, wünsche ich niemandem“, die U-Haft sei unnötig und ihre Länge völlig unverhältnismäßig gewesen. Immerhin lägen die Themenkreise des Verfahrens Jahre zurück und seien bestens dokumentiert. „Die im Rahmen des Strafverfahrens gegen mich erhobenen Vorwürfe bestreite ich nach wie vor und ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren“, so Vincenz.

Der Fall hatte in der Schweiz für Aufsehen gesorgt. Unter dem 62-Jährigen war die Raiffeisenbank zunächst zum drittgrößten Institut der Alpenrepublik aufgestiegen, bevor die Causa Vincenz die schlimmste Krise der Geschichte der Bank ausgelöst hatte.