Ex-Banker von UBS Berater wirbeln mit Mini-Firmen die Finanzwelt auf

Das kleine Stadthaus im Londoner Stadtteil Mayfair, wo Michael und Yoel Zaoui ihre Büros haben, ist viel bescheidender als die glitzernden Banken-Zentralen in den Finanzbezirken. Dort haben die beiden Brüder einen Großteil ihrer Karriere verbracht.

Die früheren Berater für Fusionen und Übernahmen bei Morgan Stanley und Goldman Sachs Group entwickeln sich zu einer großen Nummer bei einigen der wichtigsten Übernahmen. Erst in diesem Monat haben sie mit GlaxoSmithKline an einer 23 Milliarden Dollar schweren und recht komplexen Vereinbarung mit der Novartis gearbeitet. Und sie berieten Lafarge bei der 40 Milliarden Dollar schweren Fusion mit Holcim.

Die Zaouis sind nicht die einzigen, die darauf wetten, dass ihre Erfahrungen und Beziehungen mit großen Unternehmenskunden sie zu geschätzten Beratern machen - auch ohne die Ressourcen einer großen Investmentbank im Rücken.

Gleich eine ganze Reihe von winzigen Firmen von Ex-Bankern, deren gesamte Mitarbeiter wohl leicht in einen Kleinbus passen, dämpfen in diesen Tagen die Aussichten für die führenden Banken, lukrative Beratungsgebühren zu verdienen.

„Falls uns ein Kunde engagiert, dann kriegen sie Michael und mich. Unser Name ist an der Tür. Und wir können Konflikte auf der Stelle aus den Weg räumen”, sagt Yoel Zaoui in einem Interview mit Bloomberg News. Die Brüder hatten ihre Firma im vergangenen Jahr gegründet.

Eine andere winzige Firma ist die von Simon Robey und Simon Warshaw, einst Banker bei Morgan Stanley und UBS. Sie haben mit Vodafone Group an der 10 Milliarden Dollar schweren Übernahme des spanischen Kabelnetzbetreibers Grupo Corporativo Ono gearbeitet. Die Transaktion war im vergangenen Monat bekannt gegeben worden.

Die Vorteile in der Zusammenarbeit mit winzigen Firmen sind für Unternehmen auf den ersten Blick nicht immer erkennbar, sagt Jorge Lucaya. Der Ex-Mitarbeiter von Morgan Stanley ist ein Managing Partner bei AZ Capital - einem 15-Mann-Unternehmen in Madrid, das bereits mit Konzernen wie Telefonica und Abertis Infraestructuras gearbeitet hat.
„Der erste Deal mit jedem Kunden ist der schwierigste”, erklärt er im Gespräch mit Bloomberg. „Es braucht manchmal einiges an Überzeugungsarbeit, weil sie einige Risiken darin sehen, keine große Bank zu engagieren.”

Der Gang in die Selbstständigkeit kann sich für Banker als sehr lukrativ erweisen. Bei einer Fusion im Volumen von 25 Milliarden Dollar können sich die Beratungsgebühren auf bis zu 100 Millionen Dollar belaufen. Das geht aus Daten der Beratungsfirma Freeman & Co. hervor. Und weil sie kaum Mitarbeiter haben, bleibt den Ex- Bankern ein Großteil des Geldes.

„Wenn wir einen Deal pro Jahr machen, dann ist das fantastisch”, bestätigt Lucaya.

Eines der beeindruckendsten Beispiele ist wohl das von Paul Taubman. Der Ex-Banker von Morgan Stanley beriet Comcast bei der 45,2-Milliarden-Dollar-Übernahme von Time Warner Cable von einem Büro im New Yorker General-Motors-Gebäude aus, das er als Untermieter der Kanzlei Weil Gotshal & Manges nutzte.

Taubman, der keinerlei Angestellten hat, rückte in der Liste der weltweit führenden Fusionsberater kurzzeitig auf Platz 7 auf - noch vor Credit Suisse Group und Deutsche Bank. Zuvor hatte er Verizon Communications beim 130 Milliarden Dollar schweren Kauf des Anteils von Vodafone am gemeinsamen US- Mobilfunk-Venture beraten. Derzeit steht er im Ranking für 2014 auf Platz 16, vor der UBS.

Bei sehr großen Deals haben die Mini-Firmen der Ex-Banker allerdings in aller Regel Seite an Seite mit traditionellen Investmentbanken gearbeitet. Denn in gewissen Bereichen von Fusionen und Übernahmen sind die Banken oft unverzichtbar - etwa wenn es um die Finanzierung von Deals geht.

In Zukunft könnten noch mehr führende Banker den Weg in die Selbstständigkeit wagen. Große globale Banken haben mit neuen Regulierungen und schwachen Geschäftsverläufen zu kämpfen. Das übt Druck auf die Vergütungspakete aus.

Deutsche Bank und Bank of America sind dabei, in ihrem Investmentbanking zu kürzen, wie Bloomberg News aus informierten Kreisen erfuhr. Barclays könnte sogar rund 7500 Stellen im Investmentbanking streichen, wie es in einer Analyse von Sanford C. Bernstein in dieser Woche hieß.