Evolution der Asset Allocation Warum Markowitz und Sharpe nicht mehr funktionieren

 Markus Schuller, Gründer von Panthera Solutions

Markus Schuller, Gründer von Panthera Solutions

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Die Tätigkeit am Finanzmarkt ist komplex in ihrer Durchführung, jedoch nicht kompliziert in ihrer Aufgabenstellung zu fassen. Es geht darum, das Verhalten anderer Marktteilnehmer einzuschätzen, währenddessen man sich selbst einschätzen muss. Bereits in weniger globalisierten Lebensbereichen stellt das eine non-triviale Aufgabe in der Bewältigung von Komplexität dar.

Wie kann die Aufgabenstellung personenzentriert sein, bei all der am Finanzmarkt ausgeprägten Präferenz zur Mathematik und ihrer Möglichkeit der Modellbildung, respektive algorithmischen Umsetzung?

Es sollte uns nicht überraschen. Die Finanzwissenschaft ist Teil der Wirtschaftswissenschaften. Diese sind wiederum Teil der Sozialwissenschaften, also jenem Forschungsgebiet, das sich dem Verstehen der Interaktion von Individuum und Gruppe widmet. Quantitative Methoden können folglich sinnvolle Werkzeug darstellen, substituieren aber nicht die Letztverantwortung des Finanzmarktteilnehmers in seiner Markt- und Selbsteinschätzung.

Die leidenschaftlich geführte Debatte über effiziente Märkte und rationale Investoren ist nicht weiter notwendig. Sie ist entschieden. Weder sind Märkte effizient, noch sind Investoren rational (siehe „Über Markteffizienz“, Schuller, 2014). Im Umkehrschluss sind Märkte aber nicht vollständig ineffizient, sondern adaptiv. Menschen sind nicht vollständig irrational, sondern zwischen Emotion und Vernunft oszillierend (siehe „Unethische Asset Allocation Methoden“, Schuller, 2015).

Evolution der Asset Allocation

Alles begann mit dem Ein-Faktor/Ein-Perioden-Modell. Seinen Siegeszug trat es durch die Publikationen des US-Ökonomen und späteren Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz an. Sein willkommener Mittelwert-Varianz-Optimierer bildete den Ausgangspunkt für eine Reihe von Ein-Faktor/Ein-Perioden Anwendungen, wie William Sharpe´s Gleichgewichtsmodell, dem Capital Asset Pricing Model (CAPM).

Sie alle repräsentieren die erste Generation der Portfolio-Optimierung. Mit denen daraus abgeleiteten oder bestärkten Strategien wie dem Balanced Portfolio (60/40 Portfolio), Long-Only oder Home Bias und der Allokation in traditionelle Asset-Klassen begann sich die heute weltweit auf rund 30 Billionen US-Dollar taxierte Publikumsfonds-Industrie mit über 79.000 Fondsprodukten zu entwickeln.