Private Equity bei Neuberger
Das Wachstum und die Nachfrage nach sogenannten Evergreen-Private-Equity-Fonds haben sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt – getrieben unter anderem durch regulatorische Reformen und Produktinnovationen weltweit. Diese Vehikel ermöglichen Anlegern einen kontinuierlichen Zugang zu Private Equity und werden zunehmend von einem breiten Spektrum an Investoren genutzt: von Wealth- und Retail-Kunden, die erstmals Zugang zu dieser Anlageklasse erhalten möchten, bis hin zu institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen, die Evergreen-Strategien als Ergänzung zu bestehenden Private-Markets-Programmen einsetzen.
Effiziente Kapitalallokation, schnelleres Zinseszinspotenzial sowie ein verbessertes Cash-Management zählen zu den Vorteilen, die insbesondere institutionellen Investoren dabei helfen, vollständig investiert zu bleiben, operative Prozesse zu vereinfachen und Allokationen über Marktzyklen hinweg effizienter zu steuern. Diese Vorteile tragen wesentlich zur fortgesetzten Verbreitung bei.
Evergreen-Fonds können zentrale Vorteile gegenüber typischen Schwachstellen traditioneller Private-Equity-Strukturen bieten:
Effiziente Kapitalallokation
Senior-Mitglied des
Private-Equity-Investmentteams
bei Neuberger
Im Gegensatz zu geschlossenen Fonds mit Abrufstruktur, bei denen Kapital über die Zeit hinweg eingezahlt wird und Investoren typischerweise den sogenannten „J-Curve-Effekt“ erleben, ermöglichen Evergreen-Fonds eine sofortige Kapitalallokation.1 Dadurch kann das Kapital innerhalb eines einzigen Vehikels durchgehend investiert bleiben. Anleger erreichen und halten ihre Zielquote von Beginn an, ohne Überzeichnung einplanen zu müssen, und profitieren von potenziell stärkeren Private-Equity-Renditen ohne Anlaufphase, Unsicherheit bei Kapitalabrufen und Ausschüttungen oder den administrativen Aufwand, rückgeflossenes Kapital erneut zu allokieren.
Geeignete Diversifikation
Darüber hinaus können Evergreen-Fonds unmittelbar nach Zeichnung eine breite Diversifikation über Regionen, Branchen und teilweise auch Lead-Sponsoren bieten. Aufgrund der Struktur, bei der realisierte Erlöse innerhalb des Fonds reinvestiert werden, ermöglichen sie zudem eine Diversifikation über verschiedene Jahrgänge („Vintage Years“) hinweg – und damit eine kontinuierliche Private-Equity-Exponierung unabhängig vom Zeitpunkt neuer Kapitalzusagen.
Potenzielle Möglichkeit zur Rebalancierung
Über die Vereinfachung der Implementierung und laufenden Verwaltung hinaus bietet die Flexibilität der Evergreen-Struktur, Private-Equity-Allokationen über regelmäßige Zeichnungs- sowie Rücknahme- bzw. Tenderfenster (abhängig von den Fondsbedingungen) anzupassen, einen weiteren Attraktivitätsfaktor. Diese potenzielle Liquiditätskomponente unterstützt ein dynamisches Portfoliomanagement und ermöglicht es Investoren, Zielallokationen effizienter und präziser einzuhalten.
Operative Einfachheit
Investoren schätzen Evergreen-Strukturen zudem aufgrund ihrer operativen Einfachheit – etwa durch eine Einmalzeichnung („Single Ticket“) und sofortige Exponierung gegenüber einem bereits diversifizierten Portfolio. Im Zeitverlauf reduziert dies Governance- und Verwaltungsaufwand, der sonst mit der Steuerung mehrerer überlappender Fonds, der Planung unregelmäßiger Cashflows und der kontinuierlichen Auswahl neuer Manager verbunden ist.
Es ist zu erwarten, dass dieser Trend weiter an Bedeutung gewinnt, da Investoren zunehmend Vertrauen in die Struktur gewinnen und deren Ausrichtung auf langfristige Portfoliosteuerung erkennen. Die Weiterentwicklung von Evergreen-Produkten – einschließlich höherer Transparenz, robuster Governance und institutioneller Reporting-Standards – hat ihre Akzeptanz zusätzlich gestärkt.
Performance-Aspekte: Zinseszinseffekt bei Evergreen-Fonds
Eine zentrale Frage lautet, ob diese strukturellen Vorteile zulasten der Performance gehen, insbesondere wenn ein Fonds Liquidität vorhalten muss, um Rücknahmen oder Tender zu bedienen. Evergreen-Fonds ermöglichen einen sofortigen Kapitaleinsatz, wodurch der Zinseszinseffekt früher einsetzen kann. Zusätzlich kann die Reinvestition von Erlösen innerhalb des Fonds den Compounding-Effekt verstärken und potenziell zu höheren Renditen auf das eingesetzte Kapital führen als Programme, die über mehrere aufeinanderfolgende Commitments in klassischen Drawdown-Strukturen aufgebaut werden.
Die Evergreen-Struktur verändert dabei nicht die Illiquidität der Private-Equity-Assets selbst – Liquidität ist eine Strukturkomponente, keine Eigenschaft des Portfolios. Einige Manager bieten Liquiditätsmechanismen an, die in Stressphasen schwer aufrechtzuerhalten sein können, während sorgfältig gesteuerte Manager den Kapitalerhalt priorisieren und Rücknahme- bzw. Tendermechanismen so gestalten, dass Zwangsverkäufe hochwertiger Assets zu ungünstigen Zeitpunkten oder Bewertungsniveaus vermieden werden.
In der Praxis verfolgen Investoren unterschiedliche Ziele und Restriktionen. Neuberger verfügt über umfangreiche Erfahrung beim Aufbau von Evergreen-Programmen für verschiedene Investorentypen, darunter institutionelle Anleger, die sogenannte „Cash Drag“-Effekte minimieren möchten. Es wurden Lösungen für eine Vielzahl von Kunden entwickelt, die die Vorteile einer Evergreen-Struktur nutzen, ohne eine eingebaute Liquiditätskomponente – im Einklang mit Portfoliozielen, die auf reine Private-Equity-Renditen ausgerichtet sind.
Fazit
Aus unserer Sicht eignen sich Evergreen-Fonds aufgrund ihrer Fähigkeit, Kapitalallokation zu vereinfachen, administrativen Aufwand zu reduzieren, Exponierung flexibel anzupassen und potenziell die Rendite zu verbessern, sowohl als Kernlösung im Private-Equity-Bereich als auch als ergänzendes Element neben klassischen Drawdown-Strukturen. Mit der weiteren Marktentwicklung dürften Evergreen-Strukturen eine zunehmend wichtige Rolle dabei spielen, Investoren bei der Erreichung ihrer langfristigen Anlageziele zu unterstützen.
1 Private-Equity-Fonds unterliegen dem sogenannten „J-Curve-Effekt“, wonach die Renditen in den ersten Jahren häufig niedrig oder negativ sind, da Kapital erst investiert wird, und sich erst in den späteren Jahren eines Fonds durch Ausschüttungen die erwartete Performance vollständig zeigt.