Anleihen Eurozone interessanter als die USA

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt: Die Candriam-Experten rechnen mit einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms im Dezember Foto: imago images / Hannelore Förster

Obwohl sich die finanziellen Rahmenbedingungen in den vergangenen Monaten weltweit entspannt haben, bleiben Anleihe-Investoren in Alarmbereitschaft. Der Grund sind Unsicherheitsfaktoren wie der weitere Verlauf der Covid-19-Pandemie, die Brexit-Verhandlungen und die bevorstehende US-Wahl sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Angesichts des volatilen makroökonomischen Umfelds sind verschiedene Anleihesegmente jüngst unter Druck geraten. Sowohl europäische als auch US-amerikanische Hochzinsanleihen verzeichneten im September negative Renditen. Bonitätsstarke Anleihen aus der Eurozone (Investment Grade) zeigten hingegen eine positive Performance. Die großen Gewinner waren die Peripheriestaaten: Die Renditen ihrer Papiere sanken aufgrund des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank. Die Erholung der Anleihemärkte in den Schwellenländern geriet in der zweiten Septemberhälfte ins Stocken, da die Sorgen bezüglich einer weiteren Covid-19-Welle in Europa und die Unsicherheit im Hinblick auf die US-Wahl stark zunahmen.

USA: Renditen könnten steigen – aber nur begrenzt

Für die USA rechnen wird damit, dass die jüngsten Maßnahmen der US-Notenbank – einschließlich des Wunsches, das durchschnittliche Inflationsziel anzuheben – zu einer Versteilerung der Renditekurve führen werden. Darüber hinaus dürfte ein Wahlsieg von Joe Biden die wirtschaftliche Erholung stützen, da die Chancen auf ein Konjunkturpaket steigen würden. Dadurch könnten die Renditen anziehen, weshalb wir zu einer neutraleren Haltung gegenüber US-Anleihen übergegangen sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Status von US-Staatsanleihen als „sicherer Hafen“ im aktuell unsicheren Marktumfeld einen möglichen Renditeanstieg begrenzen wird.

Eurozone: EZB dürfte Anleihekäufe ausweiten

In Europa breitet sich die zweite Covid-19-Welle in einigen Regionen weiter aus. In den kommenden Wochen werden wahrscheinlich in vielen Ländern neue Restriktionen angekündigt, die die ohnehin schon langsame und fragile wirtschaftliche Erholung weiter belasten. Die Inflationsrate und damit verbunden die Inflationserwartungen sind in den vergangenen Monaten gesunken und die Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Maßnahmen seitens der EZB, um die Teuerung zu stützen. Wir gehen davon aus, dass im Dezember eine Erhöhung und Ausweitung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) angekündigt wird, um die negativen Auswirkungen der zweiten Corona-Welle zu dämpfen und die schwache Inflationsdynamik anzukurbeln.

In den Kernländern der Eurozone befinden sich die Renditen nach wie vor auf einem extrem niedrigen Niveau und dürften in naher Zukunft auch nicht steigen. In der Peripherie werden sie weiterhin sowohl durch die Geldpolitik der EZB als auch durch die verstärkte europäische Solidarität unterstützt. Zwar bestehen nach wie vor große wirtschaftliche Risiken, doch der europäische Konjunkturfonds mit seinen umfangreichen Zuschüssen wirkt für Nicht-Kernländer eindeutig positiv. Insgesamt halten wir an unserer positiven Einschätzung Italiens und Portugals fest, während wir Spanien wieder neutral betrachten. Dort sind die Bewertungen weniger attraktiv und ein weiteres Aufflammen der Covid-19-Pandemie könnte das Land wirtschaftlich besonders stark treffen.