Europäische High Yields „Mangelnde Marktliquidität ist eine Herausforderung und eröffnet Chancen“

Die Insolvenz des britischen Mobilfunkanbieters Phones4u hat einige Anleihe-Investoren verschreckt | © Foto: Mtaylor848/Wikimedia

Die Insolvenz des britischen Mobilfunkanbieters Phones4u hat einige Anleihe-Investoren verschreckt Foto: Foto: Mtaylor848/Wikimedia

private banking magazin.de: Der NN (L) European High Yield hat in den vergangenen drei Jahren rund 48 Prozent (Stand: 21. Oktober 2014) zugelegt. Gibt es noch Luft nach oben?

Sjors Haverkamp: Wir freuen uns, dass wir den Anlegern eine so gute Performance liefern konnten. Wir sind zuversichtlich, dass die Asset-Klasse auch in den kommenden Jahren positive Erträge liefern wird, allerdings wird es künftig sicherlich nicht mehr so schnurgerade nach oben gehen. Seit Jahresanfang haben europäische Hochzinsanleihen solide 4 Prozent abgeworfen. In den vergangenen Wochen haben die Schwankungen am Markt jedoch stark zugenommen. Geopolitische und makroökonomische Probleme sind wieder hochgekommen. Zudem hat der Zahlungsausfall des britischen Mobiltelefon-Händlers Phones 4U im September für Unruhe gesorgt und Investoren in den Risk-off-Modus zurückversetzt.

Was erwarten Sie fürs nächste Jahr?

Erträge von 4 bis 5 Prozent dürften im kommenden Jahr durchaus möglich sein. Die Unternehmen sind finanziell gut aufgestellt, und die Ausfallraten sollten daher in nächster Zeit niedrig bleiben. Mit unserem Fonds versuchen wir natürlich, die Markterwartungen zu übertrumpfen.

Welches sind die Hauptmotoren für die Performance von europäischen Hochzinsanleihen?

Langfristig sind die fundamentalen Daten der Anleihe entscheidend. Daher ist es wichtig, kurzfristige Schwankungen, wie wir sie zurzeit erleben, durchzustehen. Wir glauben, dass die europäische Wirtschaft auf Erholungskurs bleibt, auch wenn die jüngst veröffentlichten Wirtschaftsdaten schwach sind und der Internationale Währungsfonds sich besorgt zeigt. Dieses nicht ganz klare Umfeld ist sogar gut für den Hochzinsmarkt. Die Emittenten sind gezwungen, vorsichtige finanzielle Strategien zu fahren. Cash-Generierung und Entschuldung sollten im Vordergrund stehen. Im Fonds meiden wir potenziell gefährdete Anleihen, etwa Papiere von Unternehmen, die Wirtschaftswachstum benötigen, um ihre ausufernden Schuldenstände abzubauen. Wir suchen vielmehr Emittenten, die widerstandsfähig sind und positive Katalysatoren aufweisen.

Was sind die größten Herausforderungen im Markt?

Die mangelnde Marktliquidität ist sicherlich eine Herausforderung. In den vergangenen Jahren hat der regulatorische Druck die Risikolimits der Sell-Side-Trader schrumpfen lassen. Die niedrige Liquidität kann Marktbewegungen verstärken – vor allem, wenn man bedenkt, dass eine ganze Reihe der Investoren erst seit Kurzem in der Asset-Klasse unterwegs sind und sich von Ereignissen wie dem Phones 4U-Ausfall noch schnell verschrecken lassen. Dadurch können die Anleihepreise sehr volatil werden, was auf der anderen Seite viele Chancen eröffnet. Um diese optimal zu nutzen, gilt es, unterscheiden zu können, ob die Preisentwicklung fundamental oder nur technisch begründet ist. Unser fundamentaler Research-Prozess ermöglicht uns, genau dies zu erkennen.

Kritiker befürchten, dass die niedrige Liquidität ein gefährlicher Engpass werden kann, wenn eine Verkaufswelle einsetzt. Wie stellen Sie den Fonds dafür auf?

Wir halten in der Regel überdurchschnittlich viel Cash, so dass wir potenzielle Anteilsverkäufe bedienen könnten. Die hohe Cash-Position erleichtert es zudem, bei Neuemissionen dabei zu sein und Chancen im Sekundärmarkt zu ergreifen. Neben Cash halten wir auch kurzfristige Positionen, zum Beispiel Anleihen mit hohem Zinskupon, die wahrscheinlich in den nächsten ein bis zwei Jahren umfinanziert werden. Solche Anleihen helfen uns, über die Zeit den Cash-Anteil mit kalkulierbaren und attraktiven Erträgen aufzustocken.

Welche Sektoren und Länder halten Sie zurzeit für besonders interessant?

Wir treffen grundsätzlich keine Länder- oder Sektorenauswahl, oder anders gesagt: Sie spielt keine Rolle bei unserer Titelauswahl. Wir glauben, dass bei europäischen Hochzinsanleihen der Emittent entscheidender ist als Sektorentrends. Die Bond-Performance ist meist stark vom speziellen Geschäftsmodell abhängig.

Welche Geschäftsmodelle mögen Sie?

Wir mögen vor allem Firmen, zu denen es wenig Research gibt. Diese werden vom Markt oft übersehen und bieten bessere Chancen. Weniger angetan sind wir hingegen zum Beispiel von Anleihen, die auf Retail-Investoren abzielen und im Fokus der Analysten stehen.

Was unterscheidet Ihren Fonds von anderen europäischen Hochzinsfonds?

Wir verfolgen eine extrem konzentrierte Strategie, die auf einem fundamentalen Bottom-up-Stockpicking basiert. Wir bieten keine Top-down orientierte Strategie, die schwerpunktmäßig ein typisches Markt-Exposure darstellt. Vielmehr erfolgt unsere Portfoliokonstruktion weitgehend auf Grundlage unserer eigenen Anlageentscheidungen, die völlig losgelöst vom Index sind. Wir glauben, dass dieser Ansatz – natürlich in Kombination wie einer überlegten Top-down Positionierung und einem ausgefeilten Risikomanagement - hohes Alpha-Potenzial bietet und eine Outperformance des Index ermöglicht.