Europäische Bankaktien „4 Prozent Dividendenrendite sollte Interesse wecken, oder?“

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Bisher hat der Bankensektor den globalen Markt nicht geschlagen. Die Entwicklung des Sektors ist ernsthaft gedämpft: zum einen durch immer striktere Kapitalanforderungen, zum anderen durch den Druck, der von der Renditekurvenabflachung auf die Zinsmargen ausgeht. Doch der Investmentausblick für den europäischen Bankensektor verbessert sich langsam. Dafür sind unserer Meinung nach mindestens vier Faktoren ausschlaggebend.

Erstens erfasst die Konjunkturerholung in Europa inzwischen auch die Peripherieländer. Außerdem fallen die Makrodaten großteils besser aus, als erwartet. Dadurch sollte sich die Qualität des Kreditportfolios der Banken verbessern, denn die Zahl der notleidenden Kredite dürfte sinken – zumal der Immobilienmarkt eindeutig die Talsohle erreicht hat. Hinzu kommen Anzeichen für eine Erholung des Kreditwachstums und eine Lockerung der Kreditbedingungen.

Gewinnwachstum im zweistelligen Bereich

Zweitens dürfte sich das Gewinnwachstum 2015 sowie im kommenden Jahr auf zweistellige Werte beschleunigen und damit den Gesamtmarkt übertreffen. Nach den Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Finanzierungskosten im Rahmen gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) gesunken. Auch das trägt zur Gewinnerholung bei. Die Rentabilität wird wegen der regulatorischen Anforderungen auf lange Sicht zwar niedriger sein als in der Vergangenheit. Dies ist in der Bewertung des Sektors jedoch weitgehend eingepreist.

Drittens sind europäische Bankentitel nicht teuer. Sie handeln aktuell mit einem Abschlag von 25 Prozent gegenüber dem Markt und sind damit der preiswerteste Sektor in unserem Universum. Die Dividendenrendite beläuft sich auf beachtliche vier Prozent. Das sollte das Interesse der Anleger wecken, die auf der Suche nach Renditen sind.

Außerdem ist das Dividendenrisiko gering. Die Dividendenzahlungen dürften parallel zu den Gewinnen ansteigen, zumal die Ausschüttungsquoten niedrig sind. Die Rentabilität verbessert sich und die Bilanzen sind inzwischen solider. Nach der Rückzahlung der staatlichen Hilfsgelder dürfte zudem eine ganze Zahl an Banken auch wieder Dividenden ausschütten.

Hohe Transparenz – attraktive Bewertungen

Viertens hat sich das Risikoprofil des Sektors nach den zurückliegenden Stresstests verbessert und die Transparenz erhöht. Dadurch können Anleger besser zwischen soliden und schwächeren Instituten unterscheiden. Die von den Anlegern verlangte Risikoprämie dürfte also sinken. Anders ausgedrückt: Es besteht Spielraum für einen Anstieg der Bewertungen.

Wichtig ist auch die Anlegerpositionierung. Der Bankensektor ist seit langem unbeliebt. Die Anleger haben ihn untergewichtet. Den jüngsten Anlegerumfragen und Kapitalflussdaten zufolge schlägt dieser Trend allmählich zugunsten des Bankensektors um und diese positive Entwicklung wird sich unserer Meinung nach angesichts der erwähnten fundamentalen Verbesserungen weiter fortsetzen.

Eines der Hauptrisiken für den Sektor besteht in den Risiken hinsichtlich des Euroraums – beispielsweise in Form eines Grexit. Dem entgegen wirken allerdings verschiedene Sicherungssysteme zur Verhinderung von Ansteckungseffekten und zur Begrenzung der Risiken. Dazu gehören beispielsweise geldpolitische Outright-Geschäfte (Outright Monetary Transactions, OMT), Quantitative Lockerung (QE) und die europäische Bankenunion.

Insgesamt sind wir der Auffassung, dass der Bankensektor den Gesamtmarkt in den kommenden zwölf Monaten schlagen kann. Es ist davon auszugehen, dass er von einer Konjunkturerholung, attraktiven Bewertungen, einer hohen Dividendenrendite und einem günstigeren Risikoprofil profitieren wird.

*NNIP/NN Investment Partners ist der Markenname von ING Asset Management B.V. (ab 7. April NNIP Asset Management B.V.) Frankfurt Branch.