„For Professional Investors Only“ Was ein Dinner in Frankfurt mit einem 10-Milliarden-Deal zu tun hat

Malte Dreher und Christoph Fröhlich sprechen über den Nuveen-Schroders-Deal, die neue Studie von Scope und Maltes Reise nach Kolding zu Global Evolution. Dort begrüßte ihn der Bock in der Mitte.

Malte Dreher und Christoph Fröhlich sprechen über den Nuveen-Schroders-Deal, die neue Studie von Scope und Maltes Reise nach Kolding zu Global Evolution. Dort begrüßte ihn der Bock in der Mitte. Bildquelle: Edelstoff Media

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Es war keine gewöhnliche Nachricht, die am vergangenen Donnerstag durch die Finanzwelt ging. Nuveen, der US-Vermögensverwalter mit Sitz in Chicago, übernimmt Schroders für knapp 10 Milliarden Pfund – einen Aufschlag von 29 Prozent auf den Börsenkurs. Zusammen entsteht damit ein Gigant mit 2,5 Billionen Dollar Assets under Management. „War das für dich überraschend oder wusstest du das schon?“, fragt Christoph Fröhlich seinen Co-Host Malte Dreher im Podcast „For Professional Investors Only". „Das war für mich genauso überraschend“, antwortet der Herausgeber von DAS INVESTMENT und Chefredakteur des private banking magazins.

Doch was Dreher am Mittwochabend noch nicht wusste, während er mit Alexander Prawitz, dem Deutschland-Chef von Schroders, dinierte: Prawitz saß auf einer Nachricht, die die Branche aufmerksam verfolgen würde. „Er hat nichts gesagt“, schmunzelt Dreher rückblickend. „Das spricht für seine Professionalität.“

 

Ein Deal, der anders ist als alle anderen

Auf den ersten Blick mag die Übernahme wie eine weitere Transaktion in einer Branche wirken, die ohnehin von Konsolidierung geprägt ist. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Dieser Deal folgt einer anderen Logik als viele vorangegangene Fusionen. „Hier treffen sich zwei Systeme, die sich ganz trefflich ergänzen werden“, analysiert Dreher. „Ich glaube, das hat wirklich einen richtig strategischen Wert.“

Christoph Fröhlich hat sich die Zahlen genauer angeschaut und entdeckt eine interessante Besonderheit: „Nuveen zahlt auch mehr als bei vergleichbaren Deals. BNP Paribas hat im letzten Jahr Axa Investment Managers übernommen, und das war deutlich günstiger.“ Die Frage liegt auf der Hand: Warum also so viel?

Fröhlich hat eine These: „Ich glaube, Nuveen kauft hier drei Dinge, die sie selbst nicht haben.“ Erstens: Europäisches Wealth Management. Schroders verwaltet über 100 Milliarden Pfund für Privatkunden, Family Offices und Stiftungen. „Die haben ja auch einen Königsbezug“, ergänzt Dreher. „Bei Schroders fließt das Geld der Royals. Das ist quasi der direkte Draht auch zu den Vermögen der Europäer, den die haben und den Nuveen jetzt auch ihre US-Produkte anbieten kann.“

Zweitens: Eine starke Privatmarktsparte. Schroders Capital bringt erhebliche Expertise im Bereich Private Markets mit. Kombiniert mit Nuveens bestehenden Kapazitäten entsteht hier eine der führenden Plattformen für alternative Investments in Europa.

Drittens: Geografische Diversifikation. „Interessant fand ich die geografische Verteilung“, sagt Fröhlich. „Nuveen ist zu über 90 Prozent in den USA aktiv und Schroders bringt fast zwei Drittel Europa und ein Viertel Asien mit ein – die passen eigentlich perfekt zusammen.“

Kauf von Assets oder Kauf von Vertrieb?

„Wenn man das so sieht, was würdest du eigentlich sagen?“, fragt Fröhlich. „Ist das ein Kauf von Assets oder ist das ein Kauf von Vertrieb?“

Dreher sieht beides: „Das ist meiner Wahrnehmung nach ein Kauf von beiden, oder es sind zumindest zwei Puzzleteile, die ganz hervorragend zueinander passen.“ Anders als bei Fusionen unter etwa gleich großen Häusern, bei denen es primär um Kostensenkung geht, habe dieser Deal echten strategischen Wert. „Hier bei dieser Übernahme, glaube ich, da treffen sich zwei Systeme, die sich ganz trefflich ergänzen werden.“

Fröhlich wirft noch eine interessante Frage auf: „Schroders war ja gar nicht in Not, die hatten ja auch ein Transformationsprogramm schon durchgezogen, waren schon weit gekommen, hatten die Kosten gesenkt und aufgeräumt. Was denkst du, war das clever geplant langfristig oder war das jetzt eher ein Zufall und es wurde ein bisschen hübscher gemacht, die Braut?“ Malte Dreher: „Die London City hat darüber immer spekuliert und gesagt, die Familie verkauft das irgendwann“, erinnert sich Dreher. Die Familie Schroders, die dem Unternehmen seit über 200 Jahren verbunden ist, sei zwar älter geworden und nicht mehr operativ eingebunden – dennoch kam die Ankündigung selbst für Insider überraschend.

Was entsteht, ist das, was Fröhlich eine „Public-to-Private-Plattform“ nennt: ein Anbieter, der das gesamte Spektrum abdeckt – von klassischen Aktienfonds über Anleihen bis hin zu illiquiden Privatmarkt-Investments. „Die haben klassische Aktienfonds, die haben illiquide Privatmarkt-Investments, das ist ja auch das, was viele Instis heute wollen“, erklärt Fröhlich. „Also nicht mehr nur Aktien oder Bonds, sondern alles unter einem Dach.“

Fröhlich spricht noch ein interessantes Detail an: „Nuveen ist ja jetzt seit Januar auch Sponsor beim Williams-Formel-1-Team. Das Logo klebt dann jetzt prominent auf dem Rennwagen. Das zeigt natürlich auch, die wollen einfach noch mehr Sichtbarkeit haben, auch in Europa, wo ja Formel 1 nach wie vor noch ein großes Thema ist.“

Die tektonische Verschiebung im Assetmanagement

Der Nuveen-Schroders-Deal ist für Dreher symptomatisch für eine größere Entwicklung: „Ich glaube, wir werden die nächsten zehn Jahre eine unglaubliche Konsolidierungswelle erleben. Wir werden das bei Banken sehen, wir werden das bei Börsen sehen, wir werden das im Asset Management sehen, weil es einfach viel zu kleinteilig ist.“

Die Zahlen sprechen für sich. JP Morgan investiert jährlich 500 Millionen Dollar in IT und Technologie – und das ist nur das laufende Budget, ohne die Milliarden, die zusätzlich in KI-Projekte fließen. „Jetzt musst du dir mal überlegen, du bist ein kleiner Asset Manager und du musst dich den Herausforderungen der Digitalisierung und der Technik stellen“, sagt Dreher. „Da gibt es kleine Asset-Manager, die haben zwei, drei Millionen im Jahr an Budget für Technik. Und JP Morgan hat 500 Millionen.“

Diese Kräfteverhältnisse führen zu dem, was Dreher als „mehr als tektonische“ Verschiebungen beschreibt. „Am Ende wird es die kleinen Spezialisten drum herum geben“, prognostiziert er. Doch diese müssen echten Mehrwert liefern.

Fröhlich hakt nach: „Solche Megafusionen, ist das jetzt die Zukunft oder was heißt das jetzt für die anderen Player? Das klingt ja so hart, mittelklassiges Spektrum mit ein paar hundert Milliarden, aber wie lange können die noch so spezialisierte Häuser bleiben?“

Ausflug nach Dänemark: Wenn Nischen sich auszahlen

Ein Beispiel für solche erfolgreichen Spezialisten fand Dreher kürzlich in Kolding, einer 60.000-Einwohner-Stadt eine Stunde hinter der dänischen Grenze. Dort sitzt Global Evolution, eine Rentenfonds-Boutique, die sich auf Emerging Markets spezialisiert hat. „Ich bin erst mal mit dem Zug über Flensburg und Schleswig. Das hatte fast was Meditatives, da durch den Schnee getüdelt“, erzählt Dreher schmunzelnd.

In Kolding traf er Witold Bahrke, ehemals Senior Economist bei Nordea, der seit zwei Jahren bei Global Evolution im Portfolio-Management-Team arbeitet. Das Gespräch drehte sich um Frontier Markets – jene 103 Länder, die noch nicht den Status von Schwellenländern erreicht haben, aber auf dem Weg dorthin sind.

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