Kreditausfälle in den USA, Kursrückgänge bei börsennotierten Private-Debt-Vehikeln und neue Risiken im Softwaresektor: Seit einigen Monaten berichten Wirtschaftsmedien verstärkt über Risiken und mögliche Verwerfungen im Markt für Private Debt. Die Berichterstattung wirft wichtige Fragen zur Stabilität und Transparenz der Assetklasse auf – bleibt in vielen Fällen jedoch zu undifferenziert und kann ein verzerrtes Bild erzeugen.
Das zentrale Problem liegt häufig nicht in der Qualität der zugrunde liegenden Darlehensstrukturen, der Kreditnehmer oder der Darlehensdokumentation. Spannungen entstehen dort, wo illiquide Vermögenswerte in vergleichsweise liquiden Fondsstrukturen auf Anleger mit kürzerem Anlagehorizont treffen. In solchen Konstellationen können kurzfristige Marktbewegungen und investorengetriebenes Verhalten eine Dynamik erzeugen, die eher an börsliche Aktienmärkte erinnert als an das institutionell geprägte Investitionssegment, das auf Stabilität und langfristige Kapitalanlage über viele Marktzyklen ausgelegt ist.
Strukturunterschiede ernst nehmen
Viele der derzeit diskutierten Kritikpunkte betreffen vor allem spezifische Strukturen einzelner Marktsegmente – etwa börsennotierte Business Development Companies in den USA – und lassen sich nur bedingt auf Fondsstrukturen übertragen, wie sie typischerweise in den Portfolios europäischer Investoren enthalten sind. Das verdeutlicht der Fall BlackRock TCP Capital Corp., die zuletzt einen deutlichen Rückgang des Nettoinventarwerts meldete und Auszahlungen einschränkte.
Er zeigt vor allem strukturelle Besonderheiten des BDC-Modells: höherer Leverage auf Fondsebene, börsliche Handelbarkeit mit entsprechend volatilen Kursreaktionen sowie eine stärkere Abhängigkeit von stabilen laufenden Erträgen zur Dividendenfinanzierung. Klassische Private-Debt-Fonds sind hier deutlich konservativer strukturiert – häufig ohne Leverage auf Fondsebene, mit langfristig gebundenem Kapital und einer Ausschüttungspolitik, die auf stabilen Zins- und Tilgungsströmen basiert.
Künstliche Intelligenz: Gefahr oder Chance?
Auch die Diskussion über Risiken im Technologie- und Softwaresektor wird zu pauschal auf Private Debt projiziert. Private-Equity-Investoren sind aufgrund der Bewertungsabhängigkeit ihrer Portfolios deutlich stärker von möglichen Wertkorrekturen betroffen. Private-Debt-Fonds hingegen vergeben überwiegend kurzfristigere Darlehen mit klaren Covenants und Senior-Stellung in der Kapitalstruktur – Faktoren, die die Rückzahlung in vielen Fällen wahrscheinlicher machen.
Die Warnung vor möglichen Disruptionswirkungen neuer KI-Anwendungen bezieht sich zudem auf sektorale Konzentrationsrisiken und weniger auf eine strukturelle Schwäche der Assetklasse. Technologische Transformation eröffnet auch neue Finanzierungsmöglichkeiten: Unternehmen investieren verstärkt in Automatisierung, Dateninfrastruktur und KI-Integration, was zusätzlichen Kapitalbedarf generiert. Für Private-Debt-Manager mit ausgeprägter Branchenexpertise kann die Fähigkeit, technologische Disruption differenziert zu bewerten, daher eher zu einer Quelle relativer Wettbewerbsvorteile werden als zu einem strukturellen Risiko für die Assetklasse insgesamt.
Blasengefahr: differenziert betrachten
In den vergangenen Monaten haben sich kritische Stimmen gemehrt, die vor Überhitzungstendenzen und potenziellen systemischen Risiken warnen. Das Wachstum von Private Debt ist in erster Linie eine Folge verschärfter Bankenregulierung nach der Finanzkrise: Während Banken sich aus Teilen des Mittelstands- und Sub-Investment-Grade-Kreditgeschäfts zurückgezogen haben, schließen Private-Debt-Fonds diese Finanzierungslücke. Gleichzeitig ist die Branche in den vergangenen Jahren deutlich transparenter und regulierter geworden – etwa durch Rahmenwerke wie AIFMD II oder Eltif 2.0.
Die zentrale Risikodimension liegt damit weniger in einer systemischen Gefahr der Assetklasse als vielmehr in der Qualität von Analyse, Strukturierung und aktivem Management. Private Debt erfordert ausgeprägtes Sektor-Know-how, stringente Underwriting-Disziplin und aktives Portfolio-Management. Für Investoren folgt daraus: Entscheidend ist nicht die pauschale Einschätzung der Assetklasse, sondern die sorgfältige Auswahl von Managern anhand ihrer Origination-Qualität, Covenant-Disziplin und Erfahrung über verschiedene Marktzyklen hinweg.
Über die Autoren:
Eugenio Sangermano ist Geschäftsführer von BF Capital, einem auf institutionelle Private-Debt-Investments spezialisierten Investmentmanager mit Fokus auf Real Estate Direct Lending und Multi-Segment-Strategien. Markus Faulhaber ist Senior Strategic Advisor der BF-Gruppe.
BF. Capital ist selbst als Private-Debt-Manager tätig und hat ein direktes Interesse an einer differenzierten Wahrnehmung der Assetklasse.