EU-weite Steuerermittlungen Credit Suisse leitet interne Untersuchung ein

Seit September 2015 Chef der Vermögensverwaltung der Credit Suisse: Iqbal Khan

Seit September 2015 Chef der Vermögensverwaltung der Credit Suisse: Iqbal Khan

„Die Credit Suisse hat ihr Europageschäft ab 2011 überprüft und die Kunden aufgefordert, ihre Steuerkonformität nachzuweisen“, heißt es in einer Stellungnahme auf der Webseite der Schweizer Bank zu dem seit vergangener Woche laufendem Verfahren gegen mögliche Steuersünder. Nach einem Bericht des Schweizer Finanzportals „Cash“ hat das Institut zusätzlich eine interne Untersuchung angeordnet, um möglicherweise noch bestehende Kunden mit unversteuerten Vermögen ausfindig zu machen.

Derlei Fälle könnten nur übersehen worden seien, wenn Mitarbeiter der Bank die internen Kontrollsysteme unterlaufen hätten, so Iqbal Khan, Chef der Vermögensverwaltung der Credit Suisse. Behörden mehrerer europäischer Ländern hatten kürzlich in einer gemeinsamen Aktion die Büros der Credit Suisse in London, Paris und Amsterdam durchsucht. Die Ermittler hatten dem Bericht zufolge zuvor einen Hinweis auf 55.000 verdächtige Konten einer Schweizer Bank erhalten.

Khan reagierte mit Erstaunen auf die Angabe, da „die gesamte Zahl der Konten in unserem Vermögensverwaltungsgeschäft in Europa tiefer als 55.000 ist.“ Laut Stellungnahme hat die Bank Beziehungen mit Kunden beendet, die keinen Nachweis erbrachten, dass sie ihre Steuern bezahlt haben.

Das hat den Angaben zufolge zu bedeutenden Abflüssen von Kundengeldern geführt, „da wir keine Geschäftsbeziehung mit Kunden unterhalten wollen, die nicht bereit sind, den geforderten Nachweis zu erbringen.“ Dem „Cash“-Bericht zufolge sind der Credit Suisse in den vergangenen Jahren Kundengelder von mehr als 40 Milliarden Franken im Zusammenhang mit fehlenden Steuernachweisen verlorengegangen.

Zudem soll eine dreistellige Zahl der Verdächtigen in Deutschland beheimatet sein, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus Ermittlerkreisen erfahren hat. Während sich die Kölner Staatsanwaltschaft dazu nicht äußern wollte, hat die Schweizer Bundesanwaltschaft laut „Handelsblatt“ Kontakt zu den niederländischen Behörden aufgenommen, die die Ermittlungen federführend leiten.