PWC-Studie EU-Taxonomie: Berichtsdaten zeigen mangelnde Transparenz und Aussagekraft

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EU-Taxonomie: Berichtsdaten zeigen mangelnde Transparenz und Aussagekraft
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Bau einer Windenergieanlage in Nordrhein-Westfalen

Bau einer Windenergieanlage in Nordrhein-Westfalen: Mit der EU-Taxonomie will die Europäische Kommission die Finanzierung nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten fördern. Foto: Imago Images / Rupert Oberhäuser

Den Daten europäischer Industrieunternehmen und Finanzinstitute gemäß der EU-Taxonomie-Verordnung fehlt es noch an Aussagekraft und Vergleichbarkeit. Zu dem Ergebnis kommt eine Analyse, der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC Deutschland. 

Zum Hintergrund: Am 12. Juli 2020 trat die EU-Taxonomie-Verordnung in Kraft. Diese soll für Klarheit sorgen, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten als nachhaltig einzustufen sind. Seit Anfang 2022 müssen börsennotierte Industrieunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden darüber berichten, wie groß jeweils der Anteil ihrer taxonomiefähigen Wirtschaftstätigkeiten bei Umsätzen, Investitions- und Betriebsausgaben ist. Seit Anfang 2023 müssen sie über die Taxonomiekonformität ihrer Tätigkeiten vollständig berichten.

Finanzinstitute müssen ebenfalls angeben, in welchem Umfang ihre Asset- und Finanzierungsportfolios taxonomiefähig sind. Aber: Ihre Berichterstattung ist abhängig von den Industrieunternehmen in ihrem Portfolio. Deshalb müssen sie erst ab 2024 über die Taxonomiekonformität darlegen.

 

 

 

Mangelnde Transparenz und Einheitlichkeit bei Finanzunternehmen

Die Studie zeigt: Bei den Finanzinstituten veröffentlicht knapp die Hälfte die Taxonomieangaben im Geschäftsbericht, ein Drittel weist sie in einer separaten nichtfinanziellen Erklärung aus. Auffällig ist: Die berichteten taxonomiefähigen Kennzahlen haben eine große Spannbreite. Was laut der Studienautoren auf unterschiedliche Erhebungsmethoden schließen lasse.

Zudem bleibe häufig unklar, wie die Finanzinstitute ihre Taxonomiekennzahlen berechnen – manche veröffentlichen ausschließlich die Kennzahlen, andere erläutern sie.

Ein mögliches Problem der fehlenden Transparenz: Viele Finanzinstitute bemängeln die Taxonomieberichterstattung beziehungsweise die Qualität der Daten, die sie von den Industrieunternehmen erhalten.

„Langfristig werden die Taxonomieangaben von Industrieunternehmen aller Voraussicht nach zu einer wichtigen Kennzahl für Investoren werden, um den Nachhaltigkeitsgrad ihres Portfolios zu bestimmen“, so Christoph Schellhaas von PWC Deutschland.

 

 

Unternehmen ignorieren EU-Mustervorlage für die Berichterstattung

Etwa die Hälfte der Unternehmen berichtet über die Taxonomieangaben im Nachhaltigkeitsbericht, ein bisschen mehr als ein Viertel im Geschäftsbericht. 86 Prozent legen die Kennzahlen für jede Wirtschaftsaktivität offen.

Was es für Finanzdienstleister nicht einfacher macht: Lediglich 66 Prozent der Firmen nutzen die von der EU-Kommission herausgegebenen, verpflichtenden Mustertabellen für Umsatz, Investitions- und Betriebsausgaben („Templates“) – obwohl die EU-Taxonomie genau das fordert.

Über die Studie:

Die PWC-Experten haben die in Europa bis einschließlich zum 30. April 2023 veröffentlichten EU-Taxonomieangaben untersucht und dazu die Berichte von 706 Industrieunternehmen und 146 Finanzinstituten für das Geschäftsjahr 2022 analysiert.

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