Schwellenländeranleihen ziehen wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich. Nach schwierigen Jahren geprägt von Pandemie, höheren globalen Zinsen und vermehrten Ausfällen hat sich das makroökonomische Umfeld aufgehellt. Der Kreditstress ist zurückgegangen, die Kapitalflüsse haben sich erholt, und viele Schwellenländer zeigen mehr Widerstandskraft als in früheren Zyklusphasen.
Die Verbesserung zeigt sich in mehreren Bereichen. Die Rating-Trends bei Staatsanleihen haben sich gedreht – laut Moody's gab es 2024 und 2025 mehr Herauf- als Herabstufungen. Auch die Unternehmensausfallraten sind nach dem Anstieg zwischen 2020 und 2022 wieder unter ihre langfristigen Durchschnitte gefallen. Gleichzeitig hat sich die Anlegerpositionierung verändert: Nach längeren Abflüssen sind die Zuflüsse zurückgekehrt – mit einer kurzen Unterbrechung im März 2026, bevor sie im April wieder anzogen.
Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, die Anlageklasse neu zu bewerten. Die Renditen bleiben attraktiv, viele Emittenten haben sich an strengere Finanzierungsbedingungen angepasst, und das Ende der akuten Ausfallphase dürfte ein ausgewogeneres Chance-Risiko-Profil stützen. Der Reiz liegt nicht allein im Ertrag, sondern im Zugang zu einem breiten Spektrum an Chancen – in einem Umfeld, in dem sich die Marktstimmung zunehmend verbessert.
Allerdings sind die Chancen nicht gleich verteilt. Entscheidend ist die zunehmende Dispersion. Unsere Analysen zeigen, dass der Anteil der Länder mit positivem Reformmomentum steigt, gleichzeitig aber auch der Anteil mit schwacher politischer Ausrichtung zunimmt. Schwellenländer entwickeln sich nicht länger im Gleichschritt. Einige stärken ihre fiskalische Rahmen, verbessern Institutionen und festigen die Glaubwürdigkeit ihrer Wirtschaftspolitik. Andere hingegen bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung.
Für Anleger ergeben sich daraus sowohl Risiken als auch Chancen. Geopolitische Schocks, höhere globale Zinsen und veränderte Handelsbeziehungen wirken sich unterschiedlich aus. Entscheidend ist dabei nicht nur der externe Schock selbst, sondern vor allem die wirtschaftspolitische Reaktion. Länder auf glaubwürdigen Reformpfaden können auch in volatilen Phasen das Vertrauen der Investoren bewahren. Länder mit schwächeren Rahmenbedingungen hingegen sehen sich häufig höheren Finanzierungskosten, Währungsdruck oder einem eingeschränktem Marktzugang gegenüber.
Dieses Umfeld spricht klar für aktives Management. Eine zu breite Exponierung greift zu kurz: Schwellenländeranleihen umfassen Staats- und Unternehmensanleihen sowie Lokal- und Hartwährungsanlagen in mehr als 100 Ländern. Diese Vielfalt erfolgreich zu erschließen erfordert Breite, Tiefe und Umsetzungsstärke – Breite für globale Ländervergleiche, Tiefe für Analysen auf Länder- und Unternehmensebene und lokale Markterfahrung für ein effizientes Liquiditäts- und Chancenmanagement.
Schwellenländeranleihen sind heute keine einheitliche Anlageklasse mehr. Die makroökonomische Lage hat sich verbessert, doch die Entwicklung der einzelnen Länder geht zunehmend auseinander. Wer zwischen Reform-Momentum und politischer Verschlechterung unterscheidet, findet darin die nächste Generation von Chancen.
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Matthew Murphy Emerging Markets Debt Team
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VERWENDUNG: 02/06/2027