Erste Aussage im Sal. Oppenheim Prozess „Wir wurden eher informiert“

Die zuständige Richterin Sabine Grobecker, Vorsitzende der 16. großen Strafkammer des Landgerichts Köln, hatte bereits den ersten Prozess gegen die Sal. Oppenheim-Verantwortlichen vor zwei Jahren geleitet.  | © Getty Images, Patrik Stollarz

Die zuständige Richterin Sabine Grobecker, Vorsitzende der 16. großen Strafkammer des Landgerichts Köln, hatte bereits den ersten Prozess gegen die Sal. Oppenheim-Verantwortlichen vor zwei Jahren geleitet. Foto: Getty Images, Patrik Stollarz

Im Prozess gegen den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden von Sal. Oppenheim, Georg Baron von Ullmann, hat als erster Zeuge Peter Marx ausgesagt. Das berichtet das „Handelsblatt“. Marx saß im Aufsichtsrat, im Aktionärsausschuss sowie im Kredit- und Prüfungsausschuss der Bank, als der Immobiliendeal über die Bühne ging, den die Staatsanwaltschaft von Ullmann nun zur Last legt.

Der damalige Chef des obersten Kontrollgremiums der Bank soll für das Immobiliengeschäft entscheidende Informationen verschwiegen haben, wodurch der Bank ein Schaden von 23,5 Milliarden Euro entstand.

Marx‘ Aussage zeichnet ein ernüchterndes Bild von den Zuständen in den Aufsichtsgremien zu einem Zeitpunkt, als sich das Institut bereits in Schieflage befand. Dort sei nur selten und dann unkritisch diskutiert worden, zitiert das „Handelsblatt“ den Zeugen. Auf Nachfrage von Richterin Sabine Grobecker schiebt Marx nach, er habe nie den Anlass gesehen, bei etwas genauer nachzuforschen.

Auch sonst ging man offenbar äußerst lax mit der Aufsichtspflicht um: Im Kredit- und Prüfungsausschuss hatten Ausschussteilnehmer teils eigene Kredite abgesegnet. Die in solchen Situationen erforderlichen Ersatzmitglieder habe es schlicht nicht gegeben, er sei auch nicht über diese Notwendigkeit informiert worden, so Marx.

Marx‘ Darstellung dürfte Wasser auf die Mühlen der Verteidigung von Ullmanns sein. Sie argumentiert, der Ex-Chefaufseher sei nicht zu belangen, da die Gremien ohnehin nichts hätten ausrichten können, selbst wenn er sie voll umfassend informiert hätte, schreibt das „Handelsblatt“.