Erfolg wird bestraft Start-ups schimpfen gegen Schäubles Steuerpläne

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant, den Verkauf von Anteilen an jungen Start-up-Firmen höher zu besteuern. Das sorgt für Widerstand in der Start-up-Szene. "Die Welle der Empörung in der Gründerszene ist riesig", zitiert die Zeitung  „Die Welt“ den Vorsitzenden des Start-up-Verbands, Florian Nöll.

Das Finanzministerium hatte jüngst einen Diskussionsentwurf zur Reform der Investmentbesteuerung vorgelegt. Demnach können Risikokapitalgeber, die sogenannten Business Angels, beim Verkauf von Start-up-Firmenanteilen auf steuerliche Erleichterungen hoffen. Zugleich ist allerdings eine Steuerpflicht für Veräußerungsgewinne aus Streubesitzanteilen an Kapitalgesellschaften vorgesehen.

Gesetz entzieht Start-ups nötiges Kapital

Der letztgenannte Aspekt löst bei den Unternehmensgründern Ärger aus. "Die Bundesregierung betont bei jeder Gelegenheit, dass sie die Finanzierungsbedingungen für Start-ups nicht verschlechtern wird", sagte Nöll. Weiter hieß es, der Gesetzesentwurf breche dieses Versprechen und entziehe Start-ups dringend benötigtes Kapital.

Bislang müssen beim Verkauf von Streubesitz auf die Gewinne kaum Steuern gezahlt werden, solange der Business Angel das erlöste Kapital reinvestiert. Der Bundesrat hatte allerdings darauf gepocht, dass die Steuerfreiheit gestrichen wird.

Rahmenbedingungen für Wagniskapital am schlechtesten in Deutschland

Die Start-ups halten das für einen schweren Fehler. "Erfolg wird durch das neue Gesetz bestraft", so Nöll. Gelingt einem Start-up beispielsweise ein Börsengang, erhalte der Investor die Steuerermäßigung nicht. "Dadurch werden wir noch weniger Business-Angel-Investments haben als jetzt."

Laut Nöll liegt Deutschland bei den steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Wagniskapital auf dem letzten Platz in Europa. 38 Prozent der befragten Gründer im Deutschen Start-up-Monitor 2014 betrachteten den Zugang zu frischem Kapital als "schweres" oder "äußerst schweres" Hemmnis.