Erfahrungen aus der Praxis Wie sich illiquide Anlagen ins Portfolio einbetten lassen

Andreas Reichlin (links) und Romano Gruber arbeiten für das Beratungshaus PPC Metrics.  | © PPC Metrics

Andreas Reichlin (links) und Romano Gruber arbeiten für das Beratungshaus PPC Metrics. Foto: PPC Metrics

Illiquidität wird bei Anlagen häufig so definiert, dass diese Titel nicht unmittelbar gehandelt werden können oder aber, dass der Kauf oder Verkauf ihren Preis signifikant beeinflusst. Damit Investoren dieses Risiko übernehmen, fordern sie eine Zusatzentschädigung für das Halten von illiquiden Anlagen, die sogenannte Illiquiditätsprämie.

Dass Investoren für die Übernahme des Illiquiditätsrisikos eine Mehrrendite erwarten, ist intuitiv relativ einfach verständlich und in wissenschaftlichen Beiträgen wurde die Existenz einer Illiquiditätsprämie analysiert und auch nachgewiesen. Eine exakte Bestimmung dieser Prämie ist jedoch nicht möglich und die vorliegenden Schätzungen zur Höhe der Illiquiditätsprämie gehen weit auseinander.

Von verschiedener Seite wird zudem argumentiert, dass die Chance, dass ein Vermögensverwalter sogenanntes Alpha erzielt, bei illiquiden Anlagen aufgrund des weniger transparenten Marktes und der höheren Schwierigkeiten bei der Strukturierung einer Investition höher ist. Unter einem Alpha versteht man dabei eine Überrendite, die mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten des Vermögensverwalters und nicht mit höherem Risiko oder einfach mit Glück begründet werden kann. Im Gegensatz zur Illiquiditätsprämie ist dieses höhere Potenzial für ein Manager-Alpha jedoch umstritten. 

Anlagestrategie und -horizont

Die oben erwähnten Chancen, eine Mehrrendite zu erzielen, kommen jedoch nicht ohne zusätzliche Risiken beziehungsweise Herausforderungen im Vergleich zu liquiden Anlagen. So müssen illiquide Anlagen einerseits vor dem Hintergrund der Verpflichtungen beziehungsweise des Liquiditätsbedarfs eines Investors, andererseits unter Berücksichtigung der übrigen Vermögensanlagen betrachtet werden.

Bei der strategischen Positionierung gilt es zu berücksichtigen, dass Investitionen in illiquide Anlagen die strategische und taktische Flexibilität in der Zukunft reduzieren. Je höher der Anteil an illiquiden Anlagen, desto schwieriger wird es, die Asset-Allokation anzupassen. Erfahrungsgemäß werden strategische Anpassungen nach dem Auftreten unerwarteter Ereignisse wie zum Beispiel Markteinbrüchen oder veränderten Risikopräferenzen des Investors diskutiert.

Die Investition in illiquide Anlagen erfolgt zudem fast immer über kollektive Anlagevehikel. Diese Fonds sind häufig als closed-end funds strukturiert, welche eine im Voraus fixierte Laufzeit haben. Die Laufzeit kann von knapp zehn Jahren, beispielsweise bei Private Debt, bis zu 30 Jahren bei Investitionen in Infrastruktur reichen, wobei ein vorzeitiger Ausstieg nicht oder nur unter Hinnahme großer Preisabschläge möglich ist. Ein langfristiger Anlagehorizont ist somit unabdingbar.

Dies bedingt, dass bei der Festlegung der Anlagestrategie die Illiquidität von Anlageklassen explizit berücksichtigt werden sollte. Dabei müssen der Bedarf an Liquidität, die künftigen Verpflichtungen und allfällige negative Konsequenzen, wie Probleme beim Rebalancing oder das Verfolgen einer allenfalls unerwünschten Anlagestrategie, berücksichtigt werden. Anhand von Simulationen sollte eine maximale Quote an illiquiden Anlagen in der Strategie festgehalten werden, welche der Investor verkraften kann.