Erfahrungen aus der Praxis ALM-Studien schaffen Transparenz

Christoph Kiehn (li.) und Kamil Sander arbeiten bei den Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau).  | © Soka-Bau

Christoph Kiehn (li.) und Kamil Sander arbeiten bei den Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau). Foto: Soka-Bau

Die Motive, eine ALM-Studie anzufertigen, sind vielfältig. Mit ihrer Hilfe lässt sich etwa die Entwicklung von wesentlichen Positionen der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechung durchleuchten. Ein Ziel von ALM-Studien ist zunächst einmal die Analyse der künftigen Risikotragfähigkeit unter vorgegebenen Szenarien zur Unternehmens- und Kapitalmarktentwicklung. Pensionskassen haben entsprechende Risikotragfähigkeitskonzepte bereits entwickelt.

ALM-Studien können Unternehmen aber auch bei der strategischen Vermögensallokation unterstützen. Wenn die Anwender in der ALM-Studie anstelle von einzelnen vorher festgelegten Szenarien stochastische Marktszenarien verwenden, können sie ihre Vermögensallokation optimieren. Die Risikotragfähigkeit stellt dabei eine Nebenbedingung dar.

Zerlegung des Portfolios 

Das wesentliche Element einer ALM-Studie ist die Modellierung der Kapitalanlage und ihrer Erträge. So etwas sollte immer sowohl mit Markt- als auch mit Buchwerten erfolgen. Deshalb werden im Direktbestand gehaltene Anleihen als einzelne Anlagen abgebildet. Anderenfalls kann keine saubere Trennung zwischen ordentlichen und außerordentlichen Erträgen vorgenommen werden.

Innerhalb einer bilanziellen Einheit, wie zum Beispiel Fondsbeständen, reicht es indes aus, aggregierte Anlageklassen zu betrachten. Abgesehen von Vorteilen bei der Laufzeit der Modelle steigt durch die Modellierung einzelner Assets im Allgemeinen jedoch die Aussagekraft nicht.

Umgang mit Szenarien

Bei der Verwendung von Marktszenarien unterscheiden wir zwischen vorher festgelegten, also deterministischen Szenarien und stochastischen. Institutionelle Anleger sollten deterministische Szenarien eigenständig konstruieren können. Basis dafür sind die unternehmenseigenen Erwartungen, wie sich die Kapitalmärkte entwickeln.

Ausgehend von diesen Erwartungen können die Anleger Stressszenarien definieren, die sich gut erklären lassen. Typischerweise kann es sich dabei um Konstellationen handeln, in denen die Dauer der Niedrigzinsszenarien gegenüber dem Basisszenario verlängert wird (lower for longer), ein schneller Zinsanstieg unterstellt wird (sharp rise) oder ein langfristiges Rezessionsszenario mit anhaltend niedrigem Zinsniveau und rückläufigen Aktienmärkten kombiniert wird.

Mit deterministischen Szenarien lässt sich die Unternehmensplanung, wie sie auch für Pensionskassen von herausragender Bedeutung ist, gut entwickeln. Außerdem kann man die künftige Risikotragfähigkeit so besser einschätzen.