Studie zum Erben und Vererben in Deutschland Erbschaften mit einem Wert über 100.000 Euro nehmen zu

Immobilien treiben den Wert der Erbschaften in die Höhe. | © Fotolia

Immobilien treiben den Wert der Erbschaften in die Höhe. Foto: Fotolia

Für die Studie hat die Postbank zum zweiten Mal zusammen mit dem Institut für Demoskopie Allensbach 1.613 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt. „Um gut 50 Prozent steigen die Erbschaften, die einen Wert von 100.000 Euro und mehr haben", sagt Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank. „Umgekehrt stehen Nachlässe im Wert unter 25.000 Euro, die bislang die Hälfte aller Erbfälle ausmachten, nur noch fast ein Viertel so häufig an.“

Wesentlicher Treiber für das drastisch steigende Erbvolumen sind Immobilien. Laut Postbank-Studie werden Häuser, Grundstücke oder Wohnungen künftig in zwei von drei Nachlässen enthalten sein. „Die Wahrscheinlichkeit, ein Eigenheim zu erben, wird sich in Deutschland glatt verdoppeln", so Meyer. Zahlen aus amtlichen Statistiken bestätigten das. So werde sich das Netto-Immobilienvermögen der ab 65-Jährigen Deutschen in den kommenden 18 Jahren verdoppeln.

Verheiratete, Beamte und Selbstständige vererben besonders gerne

Unter denen in Deutschland, die sich mit dem Vererben beschäftigen, sind überdurchschnittlich oft Verheiratete, Beamte, Selbstständige und Bewohner von Städten mit weniger als 20.000 Einwohnern. Erklärbar ist das durch den hohen Anteil von Immobilienbesitzern in diesen Bevölkerungsgruppen. So zeigen die Ergebnisse der Postbank-Studie, dass acht von zehn aller Immobilienbesitzer in Deutschland Vererbungspläne haben.
Drei Viertel aller Erbschaften werden für die Kinder der Erblasser geplant. An zweiter Stelle stehen Ehepartner mit 37 Prozent als Nachlass-Empfänger, gefolgt von Enkelkindern, Geschwistern und Lebenspartnern. Häufigstes Motiv für die Vergabe einer Erbschaft ist dabei, „Angehörige zu versorgen". Erst an zweiter Stelle steht die Absicht, bestimmten Menschen „eine Freude machen zu wollen".

Berliner Testament ist weit verbreitet

Genau 18 Prozent der Deutschen haben laut Postbank-Studie ein Testament. Unter denen, die sich mit dem Vererben schon beschäftigt haben, sind es 31 Prozent. Bemerkenswert ist hierbei: Jedes zweite Testament in Deutschland ist ein sogenanntes Berliner Testament. In diesem Fall wird der jeweils überlebende Ehegatte zum Alleinerben eingesetzt. Jeder Fünfte überprüft sein Testament regelmäßig und immerhin jeder Achte hat sein Testament auch schon mindestens einmal geändert.

Bei bisherigen Erbschaften in Deutschland kam es unter den Erben in 17 Prozent der Fälle zum Streit. Die neue Studie zeigt, dass die Deutschen mit Vererbungsplänen davon ausgehen, dass es unter den Erben nur etwa halb so oft zum Streit kommt. Das sehen die potenziellen Erben anders: 26 Prozent der anstehenden Erben rechnen mit einem Erbenstreit. Mehr als die Hälfte aller Menschen mit Vererbungsplänen hat noch nie mit den vorgesehenen Erben darüber gesprochen.