Erben und Schenken Ab in den Familienpool

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Die Vorteile

Grundsätzlich bietet eine Familiengesellschaft folgende Vorteile:

  • Stimmrechte, Kapitalanteile und Gewinnanteile können unabhängig voneinander geregelt werden.
  • Der Vermögensinhaber und künftige Schenker kann durch entsprechende Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrags sicherstellen, dass er auch, nachdem er die Mehrheit am Kapital an seine Kinder oder sonstige Begünstigte übertragen hat, die Mehrheit der Stimmrechte und damit die Kontrolle sowie die alleinige Geschäftsführungsbefugnis behält. So würde im Beispiel Herr G. auch nach der Übertragung des größten Teils seines Vermögens die vollständige und alleinige Verfügungsmacht über das gesamte Familienvermögen behalten und könnte beispielsweise einzelne Immobilien oder andere Vermögensgegenstände innerhalb der Gesellschaft beliebig veräußern, renovieren, belasten und auch in neue investieren. Innerhalb der Gesellschaft kann er nach Belieben Darlehen aufnehmen und zurückzahlen oder in völlig neue Anlageklassen investieren. Der Familienpool ist die einzige Konstruktion, die eine steuerlich wirksame Übertragung von Vermögen auf die Kinder unter Beibehaltung der vollständigen Verfügungsmacht der Eltern zu Lebzeiten ermöglicht.
  • Im Gegensatz zur Bruchteils-, Eigentümer- oder Erbengemeinschaft schützt der Pool das Vermögen vor Zerschlagung und wirtschaftlicher Vernichtung durch einzelne Beteiligte. Anders als bei einer Erbengemeinschaft kann keiner der Gesellschafter eine Teilungsversteigerung erzwingen. Dem einzelnen Gesellschafter steht nur ein Kündigungsrecht zu, das aber im Gesellschaftsvertrag für bis zu 30 Jahre ausgeschlossen werden kann. Eine Kündigung führt dann nur zum Ausscheiden des Gesellschafters, der dann nach den Regeln des Gesellschaftsvertrags abgefunden werden muss. Der Abfindungsbetrag kann im Vertrag deutlich niedriger festgesetzt werden als der anteilige Verkehrswert. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Abfindungsbetrag zur Vermeidung „sittenwidriger Werte“ nicht zu gering angesetzt wird. Auch die Bereicherung der verbleibenden Gesellschafter bei Beträgen unter dem Verkehrswert ist zu berücksichtigen.
  • Das Vermögen kann vor den Folgen der Scheidung eines Gesellschafters geschützt werden. Deshalb sollte in den Gesellschaftsvertrag eine Ehevertragsklausel aufgenommen werden, die von jedem künftigen Gesellschafter den Abschluss eines genau geregelten Ehevertrags verlangt. Zuwiderhandlungen werden dann sanktioniert, beispielsweise durch Einziehung der Gesellschaftsanteile. In dieser Klausel kann auch festgelegt werden, dass im Ehevertrag das Gesellschaftsvermögen und die Gesellschaftsanteile bei einer Zugewinnberechnung nicht berücksichtigt werden oder alternativ Gütertrennung vereinbart wird. Darüber hinaus kann jeder Gesellschafter auch verpflichtet werden, mit seinem Ehepartner einen gegenständlich beschränkten Pflichtteilsverzicht zu vereinbaren. Die Gesellschaftsanteile bleiben bei einer eventuellen Pflichtteilsberechnung dann außen vor. Ebenso können durch geschickte Gestaltung des Gesellschaftsvertrags Pflichtteilsansprüche der nicht gewollten Erben gesenkt oder sogar ausgeschlossen werden.
  • Die Vererbbarkeit und Übertragbarkeit von Gesellschaftsanteilen kann im Gesellschaftsvertrag auf einen genau bestimmten Personenkreis beispielsweise die Abkömmlinge, beschränkt werden. Findet eine solche Beschränkung im Gesellschaftsvertrag statt, so geht sie einer abweichenden Regelung in einer letztwilligen Verfügung vor. In diesem Fall bricht Gesellschaftsrecht das Erbrecht. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass Vermögensteile an Familienfremde inklusive Ehegatten fallen. Da der Gesellschaftsvertrag genau regelt, wer beispielsweise die Kommanditanteile erbt, fallen die Gesellschaftsanteile nicht in den Nachlass, sondern durch Sonderrechtsnachfolge direkt an die vertraglich Begünstigten.
  • Der Familienpool schützt vor Gläubigern einzelner Erben. Durch die richtige Ausgestaltung der Gesellschaft und des Gesellschaftsvertrags haben die Gläubiger höchstens Zugriff auf die Beteiligung des Gesellschafters selbst beziehungsweise dessen Abfindungsanspruch im Falle des Ausscheidens. Bei entsprechender Ausgestaltung liegt der vertragliche Abfindungsanspruch deutlich unter dem Verkehrswert des jeweiligen Kapitalanteils. Außerdem kann man in den Gesellschaftsvertrag auch Klauseln aufnehmen, nach denen die Gesellschaftsanteile eingezogen werden, wenn ein Gesellschafter überschuldet ist oder ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde.
  • Nach einer Übertragung von Gesellschaftsanteilen kann man sich sämtliche oder den größten Teil der Erträge gesellschaftsvertraglich vorbehalten und so die eigene Altersversorgung absichern. Die Verteilung der Erträge lässt sich gesellschaftsvertraglich unabhängig von den jeweiligen Anteilen an der Gesellschaft regeln. Ebenso kann es auch sinnvoll sein, sich bei dieser Übertragung einfach den Nießbrauch vorzubehalten. Man sollte von Fall zu Fall entscheiden, ob man sich alle oder einen Teil der jeweiligen Erträge vorbehalten möchte. Nicht vergessen: Der Nießbrauchswert mindert den Schenkungsteuerwert.
  • Eine optimale Steuerplanung. Mit einer Familiengesellschaft kann alle zehn Jahre genau dosiert, beispielsweise im Rahmen der Freibeträge (oder auch darüber hinaus), Vermögen an die nächste Generation übertragen werden. So kann in erheblichem Umfang Schenkung und Erbschaftsteuer gespart werden. Auch die Einkommensteuerbelastung, die auf das Familienvermögen entfällt, kann bei einem Pool optimiert werden. Falls gewünscht, kann der Gewinnverteilungsschlüssel im Gesellschaftsvertrag so gewählt werden, dass die Erträge den Gesellschaftern mit dem geringsten Grenzsteuersatz zugerechnet werden.
  • Bei richtiger Ausgestaltung senkt ein Familienpool künftige Transaktionskosten. Werden Immobilien direkt übertragen, so benötigt man immer einen Notar und es fallen Grundbuchkosten an. Befinden sich die Immobilien jedoch in einer Kommanditgesellschaft, können die entsprechenden Kommanditanteile frei übertragen werden. Man braucht weder einen Notar noch das Grundbuchamt.
  • Auch Minderjährige können frühzeitig beteiligt werden. Dafür eignen sich insbesondere Kommanditanteile, Aktien und auch GmbH-Anteile. Denn sie können auch Minderjährigen geschenkt werden, beispielsweise zur Ausnutzung der Schenkungsteuerfreibeträge. Allerdings ist hier die Genehmigung durch das zuständige Familiengericht und die Bestellung eines Ergänzungspflegers notwendig. Bei richtiger Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrags wird diese Genehmigung jedoch problemlos erteilt.
  • Eine Familiengesellschaft eignet sich außerdem gut dazu, die nächste Generation schrittweise an die Verwaltung des Vermögens heranzuführen. Man kann dieser Schritt für Schritt bestimmte Aufgaben und Verantwortungsbereiche in der Familiengesellschaft übertragen.

Die Nachteile

Familienpools haben nur relativ wenige Nachteile: Die Gesellschaft verursacht einen gewissen Mindestaufwand für die Gründung und die laufende Verwaltung, etwa für Gesellschafterbeschlüsse und Steuererklärungen. Um die Gesamtkonzeption und damit den Gesellschaftsvertrag zu ändern, sind entsprechende Stimmenmehrheiten notwendig. Das kann je nach Perspektive ein Nachteil sein, ist aus Sicht des aktuellen Vermögensinhabers in der Regel aber ein Vorteil. Eine Familiengesellschaft kann langfristig auch zu Streit führen, wenn Familienmitglieder, die sich nicht verstehen und unterschiedliche Interessen haben, gezwungen werden zusammenzuarbeiten. Darum kann es in manchen Fällen auch sinnvoll sein, vertraglich zu regeln, dass der Pool zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgelöst werden kann.


Über die Autoren:
Mario Kuppe ist seit Anfang 2019 Steuerberater bei der Hamburger Kanzlei Müller Mahlmann. Zuvor war er jahrelang Steuerberater-Syndikus bei der Deutschen Oppenheim Family Office und im Wealth Management der Deutschen Bank.

Jörg Plesse ist Unternehmerberater sowie Financial und Estate Planner mit mehr als 20 Jahren Berufspraxis. Seine Schwerpunkte liegen in der Nachfolgeberatung für Unternehmer und sehr vermögende Mandanten sowie im Stiftungsmanagement. Er hat aus seiner Tätigkeit bei mehreren Banken langjährige Erfahrung in den Bereichen Family Office, Wealth Management und Unternehmernachfolgeberatung. Daneben arbeitet er als freiberuflicher Dozent und Fachautor.