Die Finanz- und Versicherungsbranche zahlt in Deutschland die höchsten Gehälter: Mit einem Medianentgelt von 6.140 Euro im Monat führt der Wirtschaftszweig „Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen" die neue Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2025 an. Das sind 280 Euro oder 4,8 Prozent mehr als 2024 – und rund 1.900 Euro über dem gesamtdeutschen Median.
Die Statistik erfasst die Bruttomonatsentgelte von rund 21,63 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten zum Stichtag 31. Dezember 2025. Grundlage sind die Meldungen der Arbeitgeber an die Sozialversicherung. Weil diese nur zwischen Voll- und Teilzeit unterscheiden, nicht aber die geleisteten Stunden ausweisen, beschränkt die Bundesagentur die Auswertung auf Vollzeitkräfte. Nur so lasse sich ein aussagekräftiger Vergleich ziehen, bei dem Unterschiede in der Arbeitszeit kaum ins Gewicht fielen.
Als Maßstab dient der Median – der Wert, unter- und oberhalb dessen jeweils die Hälfte der Beschäftigten liegt. Anders als den Durchschnitt verzerren ihn einzelne Spitzen- oder Niedriggehälter nicht. Erfasst werden die Entgelte allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, die 2025 bundeseinheitlich bei 8.050 Euro lag.
Finanz und Versicherung führen das Branchen-Ranking klar an
Hinter der Finanzbranche folgt der Wirtschaftszweig „Information und Kommunikation" mit 5.795 Euro, danach „Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen" mit 5.018 Euro. Beide legten gegenüber 2024 zu – um 4,1 beziehungsweise 4,3 Prozent. Das Spitzentrio bleibt damit unverändert: Schon 2024 belegten dieselben drei Zweige die vorderen Plätze. Dahinter reiht sich „Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie Entsorgungswirtschaft" mit 4.973 Euro ein.
Am unteren Ende steht die Arbeitnehmerüberlassung, also die Leiharbeit, mit 2.623 Euro, gefolgt vom Gastgewerbe (2.727 Euro) und der Land- und Forstwirtschaft samt Fischerei (2.940 Euro) – den drei einzigen Zweigen unterhalb der 3.000-Euro-Marke.
Die bestbezahlten Wirtschaftszweige 2025 (Medianentgelt pro Monat)
- Finanz- und Versicherungsdienstleistungen: 6.140 Euro
- Information und Kommunikation: 5.795 Euro
- Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen: 5.018 Euro
- Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgungswirtschaft: 4.973 Euro
Nach Berufen sortiert reicht es nur für Rang zehn
So klar die Branche vorn liegt – ordnet man die Gehälter nicht nach Wirtschaftszweigen, sondern nach einzelnen Berufen, verschiebt sich das Bild. In der Berufe-Auswertung der Bundesagentur landet die Gruppe „Versicherungs- und Finanzdienstleistungen" mit 6.088 Euro nur auf Platz zehn. Davor liegen Managementfunktionen, Medizin, Forschung und gleich mehrere IT-Berufe.
Die zehn bestbezahlten Berufsgruppen 2025 (Median, alle Anforderungsniveaus):
- Geschäftsführung und Vorstand: über 8.050 Euro
- Fahrzeugführung im Flugverkehr: über 8.050 Euro
- Human- und Zahnmedizin: 7.846 Euro
- Technische Forschung und Entwicklung: 7.196 Euro
- Wirtschaftswissenschaften: 6.841 Euro
- Angehörige gesetzgebender Körperschaften und Interessenorganisationen: 6.533 Euro
- Mathematik und Statistik: 6.504 Euro
- Softwareentwicklung und Programmierung: 6.232 Euro
- IT-Systemanalyse, Anwenderberatung und IT-Vertrieb: 6.225 Euro
- Versicherungs- und Finanzdienstleistungen: 6.088 Euro
Der Vergleich hat allerdings einen Haken: Die Berufe-Statistik ordnet nach ausgeübter Tätigkeit, nicht nach Branche. Vorstände, Volkswirte oder IT-Fachleute einer Bank zählen zu ihren jeweiligen Berufsgruppen – und nicht zu den „Versicherungs- und Finanzdienstleistungen". Die 6.088 Euro erfassen damit vor allem die fachspezifischen Rollen der Branche, während ihre bestbezahlten Köpfe anderswo auftauchen, etwa bei Geschäftsführung und Vorstand auf Rang eins. Die Finanzbranche zahlt oben also nicht schlechter – ihre Topverdiener verteilen sich nur über mehrere Berufsgruppen.
Männer, Ältere und ein kleiner gewordener Gender-Gap
Über alle Branchen hinweg lag das Medianentgelt 2025 bei 4.217 Euro im Monat – 203 Euro oder 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Männer kamen dabei auf 4.328 Euro, Frauen auf 4.019 Euro. Die Differenz von 309 Euro fiel damit um 37 Euro geringer aus als 2024. Mit dem Alter steigt der Verdienst: Beschäftigte ab 55 Jahren verdienten im Median 4.362 Euro, die 25- bis unter 55-Jährigen mit 4.286 Euro nur wenig weniger, unter 25-Jährige dagegen 3.202 Euro.
Die meisten Vollzeitkräfte – rund 5,4 Millionen – entfielen auf die Entgeltklasse zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Auffällig dahinter: die nach oben offene Klasse „über 6.000 Euro", in der sich mit rund 4,7 Millionen Beschäftigten die zweitgrößte Gruppe sammelt.
Auch als Beruf zahlt die Sparte gut: Wer es in den Finanz- und Versicherungsberufen zum Experten bringt, verdient im Median 7.357 Euro – deutlich über dem Gesamtmedian, aber unterhalb von Spitzenberufen wie Medizin (7.846 Euro), Steuer- (7.763 Euro) und Rechtsberatung (7.564 Euro). Die Branche stellt Topgehälter, die absolute Spitze aber besetzen andere.