Die nordamerikanischen Stiftungsfonds haben der Nacubo-Commonfund Study of Endowments zufolge im Geschäftsjahr 2024/2025 im Schnitt wieder eine zweistellige Rendite erzielt. Den Spitzenplatz unter den Multi-Milliarden-Endowments schaffte die Stiftung des Massachusetts Institute of Technology – mit 14,8 Prozent. Alternative Investments trugen viel dazu bei. Sie bleiben ein wichtiger Teil des Erfolgs der Endowments – auch wenn es kritische Stimmen gibt.
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Die nordamerikanischen Stiftungsfonds haben der Nacubo-Commonfund Study of Endowments zufolge im Geschäftsjahr 2024/2025 im Schnitt wieder eine zweistellige Rendite erzielt. Den Spitzenplatz unter den Multi-Milliarden-Endowments schaffte die Stiftung des Massachusetts Institute of Technology – mit 14,8 Prozent. Alternative Investments trugen viel dazu bei. Sie bleiben ein wichtiger Teil des Erfolgs der Endowments – auch wenn es kritische Stimmen gibt.
Für Kapitalanlageprofis, die sich mit alternativen Investments befassen, sollte die jährlich erscheinende Nacubo-Endowment-Studie zur Pflichtlektüre gehören. Die aktuelle Ausgabe ist die „2025 Nacubo-Commonfund Study of Endowments“. Einmal mehr hat die National Association of College and University Business Officers dafür die nordamerikanischen Endowments zu deren Asset-Allokation und Kapitalanlageergebnissen im Geschäftsjahr 2024/25 befragt. Das Geschäftsjahr begann am 1. Juli 2024 und endete am 30. Juni 2025.
Die wichtigste Studie ihrer Art
Der Verband vereint mehr als 1.700 Bildungseinrichtungen in den USA und Kanada. Die Studie ist aufgrund ihrer Reichweite, Detailtiefe und bis 1974 zurückreichenden Historie die aussagekräftigste Analyse ihrer Art. Wie schon oft hat die Nacubo auch die aktuelle Studie mit einem Partner erstellt. Diesmal war es wieder der US-Vermögensverwalter Commonfund, der 1971 mit Kapital der Ford-Stiftung gestartet ist.
An der neuesten Studie teilgenommen haben 657 Stiftungen mit insgesamt 944,3 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Die „Big Five“ nach Stiftungsvermögen waren Ende Juni 2025 die Stiftungen der
• Harvard University (57,7 Milliarden Dollar),
• Yale University (44,1 Milliarden Dollar),
• Stanford University (40,8 Milliarden Dollar),
• Princeton University (36,4 MilliardenDollar) und des
• Massachusetts Institute of Technology MIT (27,4 MilliardenDollar).
Ein kurzer Vergleich zum vorhergehenden Betrachtungszeitraum 2023/24: Die damalige Top 2, die University of Texas System, ist nicht mehr unter den „Big Five“, weil die Nacubo deren Niederlassungen einzeln in die Statistik aufgenommen hat. Deshalb ist das MIT in die Top 5aufgerückt.
Im Durchschnitt 11,1 Prozent Rendite
Oft offenbart die Nacubo-Endowment-Studie auffällige Performance-Unterschiede, vor allem zwischen den größten und den kleinsten Endowments – für 2023/24 zum Beispiel. Doch diesmal ist es anders: Die größten Endowments – die Nacubo definiert „die größten“ als solche mit mehr als fünf Milliarden verwaltetem Vermögen – haben 2024/25 im Mittel 11,7 Prozent Rendite erwirtschaftet. Die kleinsten Endowments (weniger als 50 Millionen Dollar verwaltetes Vermögen) kamen auf 11,1 Prozent. Letztere entsprechen zugleich der mittleren Rendite aller 657 analysierten Stiftungen. Das heißt, die kleinsten und größten Endowments lagen 2024/25 recht nah beieinander. Herausragend unter den Besten investierten die Strategen des MIT (14,8 Prozent Zwölf-Monats-Rendite) und der Stanford University (14,3 Prozent).
Hauptgrund für das homogene Abschneiden im Geschäftsjahr 2024/25 war die positive Wertentwicklung aller wesentlichen liquiden und illiquiden Anlageklassen. So gewann der globale Aktienmarkt im Betrachtungszeitraum 16,3 Prozent (gemessen am MSCI World Total Net USD). Sogar Staatsanleihen performten so gut wie seit Jahren nicht – der FTSE World Government Bond Index legte um 8,6 Prozent zu. Seit dem Ende der Tiefzinsphase im Jahr 2023 liefern festverzinsliche Anlagen wieder positive Renditebeiträge, statt Mischportfolios nach unten zu ziehen. Das 2024/25 wieder in der Breite sehr freundliche Kapitalmarktumfeld hatte zur Folge, dass sich auch größere Unterschiede hinsichtlich der Investmentstrategien der Endowments relativ wenig in Performanceunterschieden zeigten.
Größere Endowments investieren mehr in Alternatives
Weshalb das erwähnenswert ist? Weil sich mit der Höhe des verwalteten Kapitals die Anlagestrategien verändern: Während die kleineren Stiftungen vor allem an den liquiden Aktien- und Anleihenmärkten investieren, halten die größeren Endowments deutlich höhere Quoten in alternativen, illiquiden Anlagen. Anders ausgedrückt: Je mehr Geld die Endowments verwalten, desto höher ist ihr durchschnittlicher Alternatives-Anteil im Portfolio. Alternatives sind im Wesentlichen nicht börsennotierte Anlageklassen wie Hedgefonds, Private Equity, Private Debt, Infrastruktur-Investments und Venture Capital.
So hielten Endowments mit bis zu 50 Millionen Euro verwaltetem Vermögen Ende Juni 2025 im Schnitt 60 Prozent ihrer Assets under Management in liquiden, börsennotierten Aktien – Endowments mit ab fünf Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen dagegen nur im Schnitt 25 Prozent. Der Anleiheanteil machte bei den Kleinsten 26 Prozent des Portfolios aus – bei den Größten gerade einmal acht Prozent. In alternative Anlagen waren die kleinsten Endowments im Schnitt zu acht Prozent investiert – die größten allerdings zu 51 Prozent (siehe auch folgende Grafik).
Grafik: Asset Allocation der Endowments nach Volumen
Langfristig sind die größten Endowments die besten
Das überaus freundliche Kapitalmarktumfeld war zudem ausschlaggebend dafür, dass das klassische 70/30-Portfolio aus Aktien und Anleihen im Geschäftsjahr 2024/25 im Schnitt besser rentierte als die Endowment-Strategien – nämlich mit 14,4 Prozent. Dennoch sind die Endowments mit ihrer deutlich breiteren Asset-Allokation über liquide und illiquide Anlagen hinweg langfristig überlegen.
So erzielten die größten Endowments (mehr als fünf Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen) im 10-Jahres-Schnitt 8,9 Prozent Rendite per annum, die kleinsten Endowments (weniger als 50 Millionen Dollar) 7,5 Prozent und die Gesamtheit der 657 untersuchten Endowments 7,7 Prozent. Das 70/30-Portfolio brachte Investoren 7,5 Prozent – also so viel wie die kleinsten Stiftungsfonds im Schnitt erreichten. Im 10-Jahres-Rückblick herausragend investierte der MIT-Stiftungsfonds: Dessen 10,7 Prozent durchschnittliche Jahresrendite ist die beste unter den „Big Five“.
Vor allem kleine und mittelgroße Endowments setzen auf externe CIOs
Die kleinen und großen Endowments unterscheiden sich allerdings auch darin, wie sie ihr Geschäft organisieren. Denn je höher der Anteil alternativer Investments im Portfolio ist, desto komplexer wird das Asset Management. Mit der breiter diversifizierten Allokation steigen die Anforderungen an die Managerselektion, die Due Diligence, die Liquiditätsplanung, die Investmentbewertung, das Rebalancing sowie die übergeordnete Governance.
Hinzu kommt, dass illiquide Anlagen mehr Spezialwissen, personelle Kontinuität und operative Begleitung erfordern als traditionelle liquide Portfolios. Vor allem kleinere und mittelgroße Endowments setzen deshalb auch auf externe Ressourcen. So zeigt die „2025 Nacubo-Commonfund Study of Endowments“ für Stiftungsfonds mit Vermögen zwischen 50 und 500 Millionen US-Dollar, dass in diesem Größensegment rund 60 Prozent von ihnen ein Outsourced Chief Investment Officer (OCIO) Model nutzen.
Allerdings: Je größer die Endowments werden, desto niedriger ist die OCIO-Quote: So beträgt sie beispielsweise bei Endowments mit mehr als einer Milliarde Dollar an verwaltetem Vermögen rund 23 Prozent – und bei denen mit mehr als fünf Milliarden Dollar glatte null Prozent. Der Grund dafür ist einfach: Je größer die Endowments sind, desto besser können sie sich leisten, erforderliches Spezialwissen und Infrastruktur intern vorzuhalten.
Ein anderer Blick auf Sekundärmarkttransaktionen
Auffällig im Endowment-Geschäftsjahr 2024/25 waren – neben den Ergebnissen der neuesten Nacubo-Studie – auch Medienberichte, wonach US-Universitäten wie Harvard und Yale erwogen, Anteile an Private-Equity-Fonds auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen – teils mit Abschlägen, den Berichten zufolge, um ihre Liquidität zu stärken. Bei Yale sei es um Anteile im Wert von rund 2,5 Milliarden Dollar gegangen, was etwas mehr als fünf Prozent des Gesamtportfolios entsprochen hätte.
Die Berichterstatter vermuteten einen Preisabschlag von unter zehn Prozent auf die angebotenen Anteile. Yale hat sich zu den Medienberichten nicht offiziell geäußert. Harvard machte Sekundärmarktverkäufe öffentlich, berichtete aber nicht von Liquiditätssorgen. Dennoch sah sich manch kritischer Marktbeobachter bestätigt, dass Alternatives wegen ihres Charakters als illiquide Anlagen Probleme machen könnten.
Wir bei Plexus Investments haben einen anderen Blick auf Sekundärmarkttransaktionen: Wir erkennen bislang nicht, dass es sich bei den Sekundärmarktverkäufen im Betrachtungszeitraum der Nacubo-Studie um sogenannte „Fire-Sales“ handelte. Ein flächendeckendes Phänomen erkennen wir ebenfalls nicht. Zudem sehen wir keine belastbaren Hinweise darauf, dass viele oder gar die Mehrheit der Endowments den Sekundärmarkt nutzen, um sich Liquiditätssorgen zu entledigen.
Im Gegenteil: Diverse Endowments zeigen klar, dass sie solide aufgestellt sind. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der CIO des Ivy-League-Endowments der Cornell University (Ithaca/New York), Ken Miranda, erklärte im Juni 2025, dass die Universität in ihrem 10,7-Milliarden-Dollar-Portfolio über ausreichend Liquidität verfügt und strikt ihrem Rebalancing-Plan für Private-Equity- und andere illiquide Anlagen folgt. Er stehe nicht unter Verkaufsdruck.
Der Sekundärmarkt bleibt nützlich für die Portfoliosteuerung
Weshalb also Sekundärmarkttransaktionen? Es ist zwar zutreffend, dass es schon einige Jahre weniger Rückflüsse aus Investments als ursprünglich modelliert gibt und dies die Liquiditätsplanungen der Investoren beeinflusst. Für Sekundärmarkttransaktionen kann es aber auch andere Gründe geben: So hat die US-Regierung diversen Universitäten gedroht, ihnen aus politischen Gründen die Finanzmittel zu kürzen.
Derartige Äußerungen sind relevant, weil staatliche Zuschüsse ein relevanter Teil von Universitäts- und Stiftungsbudgets sind. Zudem äußerte die US-Regierung, die weitgehende Steuerfreiheit der Universitätsstiftungen womöglich zu beenden. Manche Endowments haben reagiert – zum Beispiel, indem sie sich vorsorglich mehr Liquidität beschafft haben. Das ist vor dem skizzierten Hintergrund und trotz stabiler Performance-Erträge machvollziehbar. Und selbstverständlich nutzen Endowments – wie verschiedenste andere Investorengruppen auch – die Möglichkeit, Private-Market-Beteiligungen am Sekundärmarkt zu handeln. Sekundärmarkttransaktionen sind und bleiben ein nützliches Instrument der Portfoliosteuerung.
Das Plexus-Investments-Team ist sich sicher, dass der Sekundärmarkt für Alternatives ein wichtiger Bestandteil der Flexibilität von Endowments ist – und bleibt. Ebenso wichtig sind kompetente Managerselektion, aktives Portfoliomanagement – insbesondere regelmäßiges Rebalancing, das Sekundärmarkttransaktionen einschließt – und die kontinuierliche Weiterentwicklung der individuellen Investmentstrategien.
Wir gehen davon aus, dass insbesondere größere Endowments mit einem relativ hohen Portfolioanteil an alternativen Investments weiterhin langfristig besser performen als das klassische 70/30-Portfolio. Die Nacubo-Studie im kommenden Jahr wird neue Performanceeinblicke geben.
Über den Autor:
Günter Jäger gründete Plexus Investments im Jahr 2006. Davor leitete er bei der LGT Capital Management das Portfolio-Management des Fürstlichen Portfolios und der Multimanager-Produkte. Ursprünglich kommt Jäger aus dem Risikocontrolling. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler ist unter anderem Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA), Certified Financial Risk Manager (FRM) und Certified International Wealth Manager (CIWM). Seit mehr als 20 Jahren investiert er für vermögende Mandanten nach dem Endowment-Ansatz.
