Walter Schwinghammer Endet der Superzyklus bei Staatsanleihen?

Walter Schwinghammer

Walter Schwinghammer

Seit ungefähr Mitte der 90er Jahre waren US-Staatsanleihen für Anleger eine langfristig gute Investition: Sie waren sicher und brachten durch Kursgewinne bei fallenden Kapitalmarktzinsen eine akzeptable Rendite. Im April dieses Jahres fiel die Rendite für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf 1,6 Prozent. Auch deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren markierten mit 1,2 Prozent einen Tiefststand. Anleger konnten dadurch Kursgewinne verbuchen.

Doch in den vergangenen Monaten sahen sich die Anleger mit einer eher ungewohnten Situation konfrontiert. Ab Mai kam es zu einer beachtlichen Gegenbewegung: In der Spitze kletterte die Rendite von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen um 0,6 Prozent, die Rendite von zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen stieg sogar um über ein Prozent. Auslöser für diese Entwicklung waren positive Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung von der amerikanischen Zentralbank Fed.

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Die Anzeichen für eine Zinswende mehren sich

Die steigenden Zinsen sind ein erster Indikator dafür, dass der rund 20 Jahre andauernde „Superzyklus“ stetig fallender Renditen bei Staatsanleihen ein Ende fi nden könnte. Wenngleich man noch nicht von einer dauerhaft nachhaltigen Entwicklung sprechen kann, mehren sich die Zeichen, die das Ende der jahrzehntelang andauernden Zinsrückgänge ankündigen: Die gesunkene Deflationsgefahr, eine schrittweise Belebung der Wirtschaft und sinkende Arbeitslosenzahlen sind gute Gründe für die Annahme, dass sich der Zinszyklus drehen wird.

Wenn sich die Prognosen zu diesen Wirtschaftsfaktoren bestätigen, kann 2014 von einem steigenden Zinsniveau ausgegangen werden. Mit der langsamen wirtschaftlichen Erholung steigen die Zinsen wieder an, und die Kurse der Anleihen gehen zurück.

Wie private Anleger reagieren sollten

Für private Anleger, die derzeit langlaufende Staatsanleihen der USA oder der Bundesrepublik Deutschland halten, sind das keine guten Nachrichten, denn für sie bedeuten steigende Renditen Kursverluste. Anleger sollten die weitere Entwicklung deshalb genau beobachten.

Grundsätzlich gilt: Das Risiko von Kursverlusten ist umso höher, je länger die Laufzeit der Anleihen ist, denn diese trifft ein Zinsanstieg am stärksten. Sollte sich der Trend steigender Zinsen bestätigen und damit das Ende des „Superzyklus“ markieren, kann das hohe Verluste bei den sonst als sehr sicher geltenden Staatsanleihen bedeuten.

Private Anleger sollten unbedingt ihre Strategie überprüfen und die Gewichtung von langlaufenden festverzinslichen Anleihen in ihren Portfolios reduzieren.

Über den Autor: Walter Schwinghammer ist seit 2007 bei der Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV) Vertriebsleiter für den Bereich Privatkunden in Deutschland. Zuvor leitete er sieben Jahre lang die BTV Filiale in Kufstein (Österreich) und betreute in dieser Funktion Bestands- wie Neukunden, vorwiegend im gehobenen Privatkundensegment.