Empfehlungen aus der Praxis Navigieren des Stiftungsvermögens in stürmischen Phasen

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6. Gegenparteirisiko prüfen 

Anleger sollten prüfen, wo und in welchem Ausmaß es Gegenparteirisiken gibt. Diese können bei Liquidität auf Girokonten gegenüber der Bank bis hin zu ETFs bestehen. Bei ETFs gibt es Unterschiede in der Art der Umsetzung (Replikationsmethode). Bei einer physischen (direkten) Replikation erfolgt die Nachbildung des Referenzportfolios mit Direktanlagen. Hier entsteht für den Investor kein Gegenparteirisiko, es handelt sich um segregiertes Vermögen. Bei einer synthetischen Replikation erfolgt die Umsetzung mit Derivaten (oft mit Swaps), woraus unter anderem ein Gegenparteirisiko resultiert. Das Ausmaß des Risikos ist entscheidend. Klumpenrisiken sind zu vermeiden. Gegenparteirisiken sind zu identifizieren, zu begrenzen und laufend zu überwachen. 

7. Liquidität der Anlagen von Bedeutung 

Eine eingeschränkte Liquidität (Handelbarkeit) von Anlagen führt zu reduzierten Handlungsoptionen für den Anleger. Derartige Anlagen können bei einem Verkauf, wenn überhaupt, dann oft nur mit hohen Abschlägen verkauft werden. Der Anteil der illiquiden Anlagen sollte begrenzt und jedenfalls bewusst sein. Bei Private-Equity-Anlagen liegt die Illiquidität in der Natur der Sache.

Wir beobachten aber immer wieder, dass scheinbar liquide Anlagen in volatilen Marktphasen illiquid werden. Dies kann beispielsweise bei Fonds, strukturierten Produkten oder auch Anleihen vorkommen. Daher empfehlen wir, die Liquidität beim Kauf zu prüfen, das Ausmaß der illiquiden Anlagen zu begrenzen und die Vorgaben fortlaufend zu überwachen. Nur so kann die Liquidität der Anlagen sichergestellt werden. 

Jetzt gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Mensch und die Wirtschaft auch solche Krisen meistern und gestärkt daraus hervorgehen können. Professionelle Anlageorganisationen mit einem konsequenten Risikomanagement und akkuraten Berichten unterstützen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diversifikation ist einer der Grundsätze, der sich in Krisenzeiten immer bewährt hat.


Über die Autoren:
Melanie Kühlborn-Ebach ist Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens LMM Investment Controlling in Deutschland. Die Betriebswirtin hält einen Master-Abschluss mit Schwerpunkt auf Immobilien und einen Abschluss der European Business School (EBS) für die Beratung von Immobilien-Investoren.
Stefan Kargl ist Geschäftsführer von LMM Investment Controlling in Österreich. Er lehrt seit 2007 an der Fachhochschule Wien und weiht Studenten in die Unternehmensfinanzierung ein.