Emerging Markets „Stimmung und Fundamentaldaten passen nicht zusammen“

Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro bei Franklin Templeton

Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro bei Franklin Templeton

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Sie waren kürzlich einige Wochen in Asien, haben China, Hongkong, Japan und Korea besucht. Ist die Lage dort wirklich so schlimm?

Michael Hasenstab: Die Stimmung erinnert an die globale Finanzkrise von 2008. Die Bewertungen sind sogar noch schlechter als in der asiatischen Finanzkrise. Schaut man sich allerdings die Fundamentaldaten an, kommt man zu einem ganz anderen Schluss. Ja, die Wirtschaft kühlt sich ab, aber das ist noch lang keine Krise. Der Markt preist jedoch eine Krise und keine Abkühlung ein. Stimmung und Fundamentaldaten passen absolut nicht zusammen.

Also gibt es keine harte Landung in China?

Hasenstab: Nein, in China sehen wir zurzeit die Neugewichtung der Wirtschaft, keinen Zusammenbruch. Der Umbau zeigt bereits Wirkung. Wer in Chinas Old Economy investiert, hat nicht das Gefühl, dass die Wirtschaft um 6 oder 7 Prozent wächst, sondern der empfindet negatives Wachstum. Andere Wirtschaftbereiche hingegen, die vom Konsum oder dem Wachstum der Dienstleistungen profitieren, sind deutlich widerstandsfähiger. China kämpft derzeit mit Herausforderungen am Aktienmarkt und mit der Währung, ist hier aber bereits auf einem guten Weg. Man sollte auf keinen Fall vergessen, dass die Entwicklungen am Aktienmarkt, der noch jung und sehr volatil ist, nicht die gesamte Wirtschaft repräsentieren.

Ihre Reise führte Sie auch nach Südkorea. Ist dort mit einer Japanifizierung zu rechnen?

Hasenstab: Eine mögliche Japanifizierung ist dort tatsächlich eine große Sorge, jeder spricht darüber, vor allem über die alternde Bevölkerung. Das ist aber noch ein Problem von morgen, und es ist unwahrscheinlich, dass es die Wachstumsdynamik in den nächsten ein bis zwei Jahren tangiert. Danach ist die Frage, ob das Bewusstsein der bevorstehenden Probleme dazu führt, dass die richtigen Maßnahmen ergriffen werden: eine Öffnung für Einwanderer, mehr Frauen im Job, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Bleiben wir noch in Asien. Bleibt Indonesien eine Wachstumsstory – trotz des Währungseinbruchs?

Hasenstab: Die Währung notiert auf dem Niveau der Asienkrise Ende der 90er Jahre. Das passt nicht zur aktuellen Lage, die deutlich besser ist als damals. Das Land ist politisch stabil und die Wirtschaft in guter Form. Die neue Regierung stärkt sehr erfolgreich die Investitionen in die Infrastruktur. Indonesien braucht Straßen, Häfen, eine Stromversorgung. Wenn die Regierung den Kurs beibehält, kann sie das wirtschaftliche Potenzial des Landes verbessern und die Risikoprämien senken.

Weiter geht’s nach Südamerika, zum Sorgenkind Brasilien. Bietet das Land nur Risiken oder auch Chancen für Anleiheinvestoren?

Hasenstab: Keine Frage, Brasilien steckt in einer großen Krise. Allerdings wurden die Gründe für die Krise zum Teil schon beseitigt, zum Beispiel wurden die Zinssätze wieder auf über 14 Prozent angehoben und die enormen Fiskalausgaben gekürzt. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, der Markt preist aber noch die volle Krise ein. Das nächste Jahr wird sicherlich noch holprig, aber Renditen von um die 16,5 Prozent sind eine gute Bezahlung fürs Warten. Das erinnert mich an Ungarn oder Irland, wo wir ebenfalls in der Krise eingestiegen sind.