Emerging Markets „Mexiko ist kaum abhängig von China. Das gefällt uns so gut, dass wir übergewichtet sind“

Neben Mexiko lohnt ein Blick nach Indonesien: Der Präsident des Landes, Joko Widodo (hier mit Metallica-Gitarre), schafft Spielraum für Infrastrukturinvestitionen | © Getty Images

Neben Mexiko lohnt ein Blick nach Indonesien: Der Präsident des Landes, Joko Widodo (hier mit Metallica-Gitarre), schafft Spielraum für Infrastrukturinvestitionen Foto: Getty Images

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Mit Blick auf die Weltwirtschaft lassen sich zwar immer noch Faktoren ausmachen, die die Konjunktur bremsen. Die gute Nachricht lautet jedoch: Die Situation verschärft sich zumindest nicht. Doch was tut sich derzeit in den Emerging Markets?

Wir erwarten, dass das Wachstum in den Emerging Markets im dritten oder vierten Quartal 2015 seinen tiefsten Stand erreichen dürfte – vorausgesetzt, in China verläuft die Entwicklung nicht besonders ungünstig. Der Nachfragerückgang in der Volksrepublik ist strukturell bedingt und erhöht beim Handel den Druck auf die anderen Emerging Markets. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Korrektur am Wohnimmobilienmarkt nahezu abgeschlossen ist. Zudem hat die geldpolitische Lockerung begonnen. Die Normalisierung der US-Geldpolitik erhöht zwar den Druck auf den Kapitalstrom in die Schwellenländer, doch der Start des Quantitative-Easing-Programms der Europäischen Zentralbank hat die weltweite Renditejagd erneut angeheizt. Vor diesem Hintergrund sehen die Zentralbanker der Emerging Markets Raum für Zinssenkungen.

Indonesien, Südafrika und Mexiko lohnen einen genaueren Blick

Der rapide Anstieg der Verschuldung hat zu volkswirtschaftlichen Ungleichgewichten und systemischen Schwächen geführt. Dies zwingt die politisch Verantwortlichen einiger Länder nun zum Handeln. Das gilt beispielsweise für Indonesien, Südafrika und Brasilien. Dabei fallen vor allem die indonesischen Politiker in Bezug auf den Abbau volkswirtschaftlicher Ungleichgewichte auf: Zum einen verfolgt die Zentralbank hier einen vergleichsweise vorsichtigen Kurs. Zum anderen hat die Regierung unter Präsident Joko Widodo die Treibstoffsubventionen abgeschafft und so fiskalpolitischen Spielraum für Infrastrukturinvestitionen geschaffen.

Auch Südafrika weist eine höhere Wachstumsdynamik, ein kräftiges Gewinnwachstum und bessere Kapitalkosten auf. Außerdem zeigt die Regierung zunehmend haushaltspolitische Disziplin. Und ein Blick auf Mexiko zeigt: Das Land entwickelt sich momentan ebenfalls recht vielversprechend. Mexiko ist einer der wenigen Märkte mit einer positiven Wachstumsdynamik. Wir halten hier vor allem wegen der starken Exponierung gegenüber den USA und der geringen Abhängigkeit von der chinesischen Wirtschaft eine übergewichtete Position.

Weitere Abwertungen bei EM-Währungen möglich

Unserer Auffassung nach sprechen zurzeit insbesondere die starke Ertragsdynamik sowie solide Kapitalzuflüsse für die Philippinen. Auch Indien lohnt einen genaueren Blick. Die Reformen und die stärkere politische Disziplin wirken sich weiterhin positiv auf die Wachstumsperspektiven aus. Dazu trägt auch der niedrigere Ölpreis bei. Mittlerweile konnte sich Ägypten Dank einer besseren wirtschaftspolitischen Kontrolle auf das Niveau von vor 2011 erholen. Ein entscheidender Faktor ist dabei das gesunkene politische Risiko.

Zwar können die günstigeren Finanzbedingungen auf kurze Sicht den Mangel an strukturellem Wandel wettmachen, doch die Währungen der Emerging Markets bleiben anfällig und es ist mit weiteren Abwertungen zu rechnen. Nur so sind die Reformen durchzusetzen, um die Makro-Ungleichgewichte zu verringern und das Wachstum anzukurbeln.

*NNIP/NN Investment Partners ist der Markenname von ING Asset Management B.V. (ab 7. April NNIP Asset Management B.V., Frankfurt Branch)