Der Bafin-Vorstoß zu Eltifs kommt nicht ungelegen. Er unterbricht keine Erfolgsgeschichte, sondern stellt eine Frage, die der Markt ohnehin beantworten muss: Wie wird aus dem European Long-Term Investment Fund eine ernst zu nehmende Anlagekategorie für Privatanleger?
Die Aufsicht erinnert die Branche an etwas, das in der Euphorie über neue Produkte leicht untergeht: Ein Produkt aus der institutionellen Anlagewelt wird nicht automatisch einfacher, nur weil es nun auch Privatanlegern angeboten wird.
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Der Bafin-Vorstoß zu Eltifs kommt nicht ungelegen. Er unterbricht keine Erfolgsgeschichte, sondern stellt eine Frage, die der Markt ohnehin beantworten muss: Wie wird aus dem European Long-Term Investment Fund eine ernst zu nehmende Anlagekategorie für Privatanleger?
Die Aufsicht erinnert die Branche an etwas, das in der Euphorie über neue Produkte leicht untergeht: Ein Produkt aus der institutionellen Anlagewelt wird nicht automatisch einfacher, nur weil es nun auch Privatanlegern angeboten wird.
Zeit für Ehrlichkeit nach dem Bafin-Vorstoß
Wer über Eltifs in Private Equity, Private Debt oder Infrastruktur investiert, investiert nicht in einen normalen Publikumsfonds mit anderem Namen. Er investiert in Märkte, die langfristig, komplex und häufig nur eingeschränkt handelbar sind.
Der Eltif selbst ist dabei nicht das Problem. Problematisch wird es dort, wo Zugänglichkeit für alle mit Eignung für alle gleichgesetzt wird. Kein Fondsmantel kann die Eigenschaften der zugrunde liegenden Anlageklasse außer Kraft setzen. Private Markets werden nicht dadurch verständlicher, dass man sie digital abschließbar macht. Und sie werden nicht dadurch liquide, dass ein Produkt Rückgabemöglichkeiten vorsieht.
Ein Teil der Branche macht es sich hier zu leicht. Private Equity „ab wenigen Euro" klingt zugänglich, verschiebt aber den Akzent an die falsche Stelle. Eine niedrige Mindestanlage ersetzt keine Aufklärung. Sie beantwortet nicht, in welche Unternehmen investiert wird, wie Rendite entstehen soll, welche Risiken im Portfolio stecken, wann Kapital zurückfließen kann und welche Kosten der Anleger über die Laufzeit trägt. Wer Private Markets wie ein bequemes Massenprodukt vermarktet, verkauft nicht nur Zugang. Er verkauft eine Vereinfachung. Und das ist nicht dasselbe wie Einfachheit.
Gleichzeitig wäre es zu einfach, aus der Bafin-Warnung eine Generalanklage gegen Eltifs abzuleiten. Illiquidität ist nicht automatisch ein Konstruktionsfehler. Bei vielen Private-Market-Anlagen ist sie Teil des ökonomischen Modells. Im Renditedreieck stehen Rendite, Sicherheit und Liquidität nie gleichzeitig im Maximum zur Verfügung. Wer langfristig mehr Renditepotenzial erschließen will, verzichtet in der Regel auf einen Teil unmittelbarer Verfügbarkeit. Das ist kein Mangel, solange Anleger genau wissen, worauf sie sich einlassen.
Mehr Nüchternheit in der Debatte erwünscht
Gerade mit Blick auf die Altersvorsorge braucht diese Debatte mehr Nüchternheit. Wer über zwanzig oder dreißig Jahre spart, muss nicht jeden Baustein seines Vorsorgeportfolios täglich verkaufen können. Ständige Verfügbarkeit ist nicht immer ein Vorteil. Sie kann Anleger in Stressphasen dazu verleiten, genau dann zu verkaufen, wenn Geduld die bessere Entscheidung wäre. Illiquidität kann disziplinierend wirken und Kapital vor kurzfristigen Marktstimmungen schützen. In Anlageklassen wie Private Equity oder Infrastruktur ermöglicht sie, Wertschöpfung über Jahre hinweg zu finanzieren.
Das passt zu der Richtung, in die sich die private Altersvorsorge in Deutschland bewegen muss. Die alte Garantielogik der Riester-Welt hat Sicherheit auf dem Papier versprochen, aber Renditechancen systematisch begrenzt. Riester ist nicht daran gescheitert, dass privates Sparen mit Kapitalmarktbezug falsch wäre. Es ist an einer Konstruktion gescheitert, die zu kompliziert, zu teuer und zu starr war. Sie versprach Sicherheit und lieferte Gewissheit: dass nach Kosten kaum Rendite bleibt. Wenn die neue private Vorsorge renditestärker und kapitalmarktnäher werden soll, dürfen illiquide Anlagen nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Sie können ein sinnvoller Baustein sein – neben ETFs, Aktien und Anleihen, nicht statt ihnen.
Genau hier verläuft die Grenze. Nicht jeder langfristige Anleger gehört automatisch in einen Eltif. Illiquidität verlangt Planung. Wer in den nächsten Jahren auf das Geld angewiesen sein könnte, sollte kein Produkt wählen, dessen Stärke gerade darin liegt, nicht jederzeit verfügbar zu sein. Wer Kosten, Laufzeit, Rückgaberegeln und Bewertungslogik nicht versteht, sollte ebenfalls nicht investieren. Das klingt streng, ist aber im Interesse der Anleger – und am Ende auch im Interesse des Marktes.
Die wichtigste Verantwortung liegt deshalb bei den Anbietern. Der Satz „Eltifs sind nicht für jeden geeignet" muss häufiger fallen – und zwar nicht als Fußnote, sondern als Ausgangspunkt jeder Beratung. Anbieter müssen klar sagen, welche Zielgruppe sie ansprechen, welchen Anlagehorizont sie voraussetzen, welche Liquidität tatsächlich verfügbar ist und welche Risiken auch dann bestehen, wenn der Kursverlauf weniger unruhig aussieht als bei börsengehandelten Anlagen.
Dazu gehört Kostentransparenz. Anleger müssen wissen, welche Gebühren auf Fondsebene, auf Zielfondsebene und gegebenenfalls bei Kauf, Rückgabe oder Erfolg anfallen. Entscheidend ist nicht nur die sichtbare Verwaltungsvergütung, sondern die gesamte Kostenarchitektur. Sie muss in einem angemessenen Verhältnis zur Strategie, zur Managerqualität und zum erwartbaren Mehrwert stehen.
Unterschiede innerhalb der Anlageklassen
Genauso wichtig ist der Blick ins Portfolio. Ein Begriff wie Private Equity oder Private Debt sagt wenig darüber aus, in welche Unternehmen, Finanzierungen, Regionen oder Risikoprofile ein Produkt tatsächlich investiert. Auch Infrastruktur hat kein einheitliches Risiko. Zwischen einem regulierten Versorgungsnetz, einem digitalen Infrastrukturprojekt und einer Wachstumsfinanzierung liegen Welten. Wer Private Markets mit einfachen Schlagworten verkauft, unterschlägt genau jene Unterschiede, die für Anleger entscheidend sind.
Und schließlich braucht die Debatte mehr Aufmerksamkeit für die Managerfrage. Nicht der Eltif erwirtschaftet die Rendite, sondern der Manager hinter dem Produkt. In den Private Markets ist die Spannbreite zwischen sehr guten und schwachen Managern erheblich. Leistungsnachweis, Zugang zu Transaktionen, Risikomanagement und Erfahrung über verschiedene Marktzyklen hinweg sind keine Nebenaspekte. Sie sind der Kern der Anlageentscheidung.
Der Eltif-Markt wird nicht dadurch reif, dass jedes Jahr neue Produkte hinzukommen. Er wird reif, wenn Anbieter schwache Konstruktionen vermeiden, fragwürdige Renditeversprechen unterlassen und bereit sind, Komplexität verständlich zu erklären. Eltifs können ein wichtiger Baustein für langfristige Vermögensbildung und Altersvorsorge werden. Aber nur, wenn Produkt, Anlagehorizont und Ziele des Anlegers zusammenpassen.
Die Bafin hat die Eltif-Debatte nicht beendet. Sie hat sie auf den richtigen Punkt zurückgeführt. Jetzt muss die Branche zeigen, dass sie verantwortungsvollen Zugang nicht nur verspricht, sondern auch praktiziert.
Zum Autor:
Christian Schneider-Sickert ist Gründer und CEO von Liqid.
