Der Markt für European Long-Term Investment Funds (ELTIFs) wächst – und mit ihm der Bedarf an Orientierung für Berater, Banker und deren Kunden. Mit der neu gegründeten „ELTIF Initiative" wollen sieben Partner aus unterschiedlichen Bereichen der Finanzbranche mehr Transparenz in den noch jungen Markt bringen. Parallel veröffentlicht Neuberger einen Leitfaden, der Finanzprofis dabei helfen soll, die Qualität von Private-Equity-ELTIFs und deren Managern besser einzuschätzen.
Branchenübergreifendes Bündnis
Neuberger hat gemeinsam mit Muzinich & Co., Patrizia, der Deutschen WertpapierService Bank (dwpbank), Dericon, Liqid und der unabhängigen Informationsplattform ELTIF.info die ELTIF Initiative ins Leben gerufen. Ziel des Zusammenschlusses ist es, Wissen über Chancen, Risiken und Funktionsweise von ELTIFs verständlich zu vermitteln. Die Initiative versteht sich dabei explizit als Branchenforum und nicht als Vertriebskanal für einzelne Produkte.
Über ELTIFs erhalten Privatanleger Zugang zu Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt und privater Infrastruktur – Bereiche, die bislang weitgehend institutionellen Investoren vorbehalten waren. Die Partner bringen dabei unterschiedliche Kompetenzen ein: Neuberger, Muzinich und Patrizia steuern ihre Erfahrung im Portfoliomanagement und im klassischen Vertrieb bei, dwpbank und Dericon ihr Know-how in der Abwicklung, Liqid seine Erfahrung als digitaler Vermögensverwalter, während ELTIF.info als neutrale Informationsquelle fungiert.
„Viele Kunden sind dankbar für einen Austausch, der nicht primär vertrieblich geprägt ist. Genau das soll die Initiative ermöglichen“, betont Jesco Schwarz, Head of Intermediary Client Group für Deutschland und Österreich bei Neuberger, den Bedarf an unabhängiger Beratung.
Zu den erklärten Zielen der Initiative gehören neben der Aufklärung über Vor- und Nachteile von ELTIFs auch mehr Transparenz bei regulatorischen Rahmenbedingungen sowie eine neutrale Einordnung unterschiedlicher Branchenstandards im ELTIF-Management. Volkswirtschaftlich sehen die Partner in ELTIFs ein Instrument, um privates Kapital stärker für die Finanzierung des Mittelstands, die digitale Transformation und nachhaltige Infrastruktur in Europa zu mobilisieren.
Worauf es bei der Manager-Auswahl ankommt
Parallel zur Initiative hat Neuberger ein Rahmenwerk veröffentlicht, das Beratern und Bankern konkrete Kriterien für die Bewertung von Private-Equity-ELTIFs liefern soll. Der Hintergrund: Mit zunehmender Marktreife und einem wachsenden Produktangebot fallen die Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern deutlicher aus – die Auswahl des richtigen Managers gewinnt entsprechend an Bedeutung. Der Leitfaden zu Private-Equity-ELTIFs gliedert die Bewertung in drei Themenfelder:
Anlagestrategie: Im Zentrum steht die Frage, wie ein Fonds sein Portfolio aufbaut. Wichtige Kriterien sind die Diversifikation über Branchen, Regionen und Unternehmensgrößen sowie der Anteil an Direktinvestitionen – etwa Co-Investments oder GP-geführte Sekundärmarkttransaktionen – im Vergleich zu klassischen Dachfonds-Strukturen. Direktinvestitionen gelten laut dem Papier als kapital- und gebühreneffizienter, da Kapital sofort investiert wird und in der Regel keine zusätzlichen Gebühren auf Fondsebene anfallen.
Berater sollten außerdem hinterfragen, ob die Rendite eines Evergreen-Fonds primär aus einmaligen Einstiegsrabatten oder aus nachhaltiger operativer Wertsteigerung stammt – ein Aspekt, der insbesondere bei Sekundärmarktstrategien relevant ist. Ergänzend empfiehlt Neuberger, auf einen Multi-Manager-Ansatz zu achten, der das Klumpenrisiko eines einzelnen Managers reduziert und Zugang zu einem breiteren Dealflow verschafft.
Eignung des Managers: Evergreen- beziehungsweise Open-End-ELTIF-2.0-Strukturen gelten als operativ anspruchsvoll, weil sie laufende Zeichnungen, Rücknahmen und regelmäßige Bewertungen erfordern. Entsprechend rät Neuberger, gezielt nach der Erfahrung des Teams mit solchen Strukturen sowie dessen Erfolgsbilanz über verschiedene Marktzyklen zu fragen. Ein weiteres Kriterium ist der Dealflow: Nur wer über eine ausreichend breite Pipeline an Investitionsmöglichkeiten verfügt, kann selektiv vorgehen und Kapital effizient einsetzen.
Wichtig sei zudem eine faire Dealverteilung zwischen Flaggschifffonds, individuellen Mandaten und Evergreen-Vehikeln, damit Privatanleger nicht mit den „Restposten“ abgespeist werden – eine formale, anteilige Allokationsrichtlinie schafft hier Klarheit. Nicht zuletzt spielt die lokale Präsenz des Anbieters eine Rolle, etwa durch landessprachigen Support und Weiterbildungsangebote für Berater.
Fondsstruktur: Ein zentraler Punkt ist die Liquiditätsmechanik. Da sich an der grundsätzlichen Illiquidität von Private-Equity-Investments durch die ELTIF-Struktur nichts ändert, sollten Berater genau prüfen, wie ein Manager mit Rücknahmeanträgen umgeht – insbesondere, ob Zwangsverkäufe von Beteiligungen zu ungünstigen Zeitpunkten vermieden werden. Auch die Gebührenstruktur verdient Aufmerksamkeit: Bei Dachfonds-Konstruktionen können zusätzliche Gebühren auf Ebene der Zielfonds die Nettorendite erheblich schmälern, oft ohne dass dies transparent ausgewiesen wird.
Schließlich rät Neuberger, die Plattformanbindung eines Fonds zu prüfen – etwa die Verfügbarkeit auf gängigen Vertriebsplattformen wie Allfunds, Attrax, FundSettle, DWP oder Clearstream, um einen reibungslosen Zugang für Berater und Kunden zu gewährleisten.
Fazit
Beide Initiativen von Neuberger – die branchenübergreifende ELTIF-Initiative und der Leitfaden zur Manager-Auswahl – zielen in dieselbe Richtung: mehr Transparenz und fundiertere Entscheidungsgrundlagen für einen Markt, der Privatanlegern zunehmend Zugang zu Private Markets verschafft, aber auch mit wachsender struktureller Komplexität und einer größeren Bandbreite an Anbieterqualität einhergeht. Für Berater dürfte das Rahmenwerk als praktische Checkliste dienen, um zwischen qualitativ hochwertigen und weniger überzeugenden Anbietern zu unterscheiden – gerade in einem Segment, in dem sich die Performance einzelner Anbieter zunehmend auseinanderentwickelt.
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