Der Markt für European Long-Term Investment Funds (kurz Eltifs) erlebt 2025 einen beispiellosen Aufschwung. In den ersten drei Quartalen kamen mindestens 82 neue Produkte auf den Markt – deutlich mehr als die 55 Neuauflagen des gesamten Vorjahres. Luxemburg bleibt mit 44 Eltifs der beliebteste Standort, gefolgt von Frankreich mit 24 Produkten.
Private Debt dominiert die Neuemissionen
Bei den Assetklassen liegt Private Debt klar vorn: 36 der neuen Eltifs investieren in Kreditinstrumente. Private Equity folgt mit 16 Produkten, Infrastruktur mit 13. Mindestens 35 Eltifs sind als Evergreen-Produkte konzipiert, die keine feste Laufzeit haben. Die tatsächlichen Zahlen dürften höher liegen, da einige Aufsichtsbehörden Genehmigungen verzögert veröffentlichen.
Eine aktuelle Umfrage von Scope Fund Analysis unter 31 Marktteilnehmern – darunter Fondsgesellschaften, Regulierungsbehörden und Branchenverbände – zeichnet ein optimistisches Bild. 55 Prozent der Befragten erwarten bis 2027 zwischen 200 und 300 verfügbare Eltifs. Noch größer ist der Optimismus beim verwalteten Vermögen: Rund 30 Prozent prognostizieren ein Wachstum um 50 Prozent, mehr als die Hälfte rechnet sogar mit einer Verdoppelung.
Infrastruktur und Private Debt ziehen Kapital an
Die höchsten Mittelzuflüsse im laufenden Jahr sehen die Befragten in den Bereichen Private Debt und Infrastruktur. Private Equity verliert damit im Vergleich zur Scope-Umfrage vom ersten Quartal 2025 leicht an Bedeutung. Allerdings hat Scope inzwischen die Anzahl der möglichen Antworten bei Mehrfachnennung geändert, sodass die Ergebnisse aus dem ersten Quartal und der aktuellen Erhebung nicht direkt vergleichbar sind. Diese Änderung der Methodik war bewusst gewählt, wie Scope-Analystin Hosna Houbani dieser Redaktion erklärt. Die Oktober-Umfrage war auf 10 Minuten begrenzt und bot sowohl weniger Auswahloptionen als weniger mögliche Nennungen.
Beim Vertrieb zeichnet sich ein Wandel ab: Digitale Plattformen wie Trade Republic und Scalable Capital gewinnen an Relevanz. 40 Prozent der Befragten nennen sie als künftig wichtigste Vertriebskanäle. Dies könnte den Zugang für Privatanleger deutlich erleichtern.
Vertriebshürden bleiben größtes Risiko
Als größtes Risiko für den Eltif-Erfolg gelten Vertriebsbarrieren durch fehlende Beratung und die hohe Produktkomplexität. Politische Unsicherheiten, die in der ersten Scope-Umfrage des Jahres noch stärker im Fokus standen, werden mittlerweile als weniger kritisch eingeschätzt.
Die Befragten betonen die zentrale Rolle der Finanzbildung. Länderspezifische Anreize wie Steuervorteile – etwa in Frankreich oder Italien – werden als besonders wirkungsvoll eingeschätzt, um die Nachfrage zu steigern.
Eltif 2.0 wird positiv bewertet
Die neue Esma-Regulierung „Eltif 2.0“ stößt auf breite Zustimmung: 90 Prozent der Befragten erwarten durch die Umgestaltung des Eltif-Regimes eine höhere oder deutlich höhere Dynamik bei Angebot und Nachfrage. Die technischen Regulierungsstandards werden erheblich besser beurteilt als noch im ersten Quartal.
Die vollständige Untersuchung steht auf Deutsch und Englisch zum Download bereit.