Private Equity, Private Debt, Infrastruktur – illiquide Anlageklassen waren lange vor allem institutionellen Investoren vorbehalten. Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Family Offices nutzen solche Strategien seit Jahren zur Diversifikation und als Renditequelle abseits öffentlicher Märkte. Für Privatanleger blieb der Zugang dagegen häufig durch hohe Mindestanlagen und komplexe Strukturen versperrt.
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Private Equity, Private Debt, Infrastruktur – illiquide Anlageklassen waren lange vor allem institutionellen Investoren vorbehalten. Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen und Family Offices nutzen solche Strategien seit Jahren zur Diversifikation und als Renditequelle abseits öffentlicher Märkte. Für Privatanleger blieb der Zugang dagegen häufig durch hohe Mindestanlagen und komplexe Strukturen versperrt.
Mit Eltif 2.0 hat sich das spürbar verändert. Seit Januar 2024 ist der reformierte Rahmen für European Long-Term Investment Funds anwendbar. Viele neue Produkte richten sich gezielt an vermögende Privatkunden und werden über Private-Banking-Einheiten, Wealth Manager oder digitale Zeichnungsplattformen vertrieben. Eltifs entwickeln sich damit zunehmend zu einem relevanten Wachstumssegment im europäischen Wealth Management.
Politisch ist diese Entwicklung gewollt. Europa braucht privates Kapital für Infrastruktur, Transformation und Unternehmensfinanzierung. Eltifs sollen langfristige Investitionen ermöglichen und zugleich Privatanlegern Zugang zu Anlageklassen eröffnen, die lange als exklusiv galten.
Zugang bedeutet noch kein Verständnis
Doch genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung. Risiken, die bislang überwiegend professionelle Investoren mit eigener Due Diligence getragen haben, wandern zunehmend in den Retail- und Private-Banking-Markt. Im Kern geht es dabei um vier Themen: Liquidität, Komplexität, Bewertung und Kosten. Punkte, die auch Bafin-Präsident Mark Branson auf der Jahrespressekonferenz 2026 am 12. Mai hervorgehoben hat.
Risiko 1: Liquidität
Besonders zentral ist der Begriff „semi-liquide". Viele Eltifs bieten periodische Rückgabemöglichkeiten oder definierte Rückgabefenster. Für Anleger klingt das vertraut – jedenfalls vertrauter als klassische geschlossene Beteiligungen. Genau darin liegt aber auch die Gefahr: Semi-liquide bedeutet nicht liquide.
Die zugrunde liegenden Assets – etwa Beteiligungen an nicht-börsennotierten Unternehmen, Infrastrukturprojekte oder private Kreditfinanzierungen – lassen sich nicht jederzeit kurzfristig veräußern. Rückgaben können begrenzt, verschoben oder zeitweise ausgesetzt werden. In stabilen Marktphasen mag das beherrschbar erscheinen. Unter Stressbedingungen wird genau dieser Punkt sehr schnell konkret.
Risiko 2: Komplexität
In der Depotansicht wirkt ein Eltif oft wie ein weiterer Fondsbaustein. Ökonomisch bleibt er trotzdem ein langfristiges, illiquides Investment. Rückgaberegeln, Gates, Lock-up-Fristen, Liquiditätsquoten und Rücknahmefenster sind deshalb keine Fußnoten im Verkaufsprospekt, sondern zentrale Elemente der Beratung.
Auch zusätzliche Handelsmechanismen lösen das Problem nicht automatisch. Interne Marktplätze oder Matching-Modelle funktionieren nur, solange sich Käufer finden. In Marktstressphasen kann aus vermeintlicher Handelbarkeit schnell eine Warteschlange werden.
Hinzu kommt die strukturelle Komplexität vieler Produkte. Dachfondsmodelle, mehrstufige Gebührenstrukturen oder unterschiedliche Anteilsklassen können sinnvoll sein – sie erhöhen aber auch die Anforderungen an Transparenz und Beratung erheblich. Gerade im Wealth Management entsteht schnell die Gefahr, dass Anleger ein scheinbar vertrautes Fondsprodukt sehen, wirtschaftlich aber ein deutlich komplexeres Private-Market-Investment erwerben.
Risiko 3: Bewertung
Eltifs werden regelmäßig zum Nettoinventarwert bewertet. Bei illiquiden Assets basiert diese Bewertung häufig auf Modellen. Der Nettoinventarwert ist deshalb kein jederzeit handelbarer Marktpreis.
Besonders deutlich zeigt sich diese Problematik derzeit im Bereich Private Credit. Die Bafin beobachtet die aktuelle Entwicklung in den USA, wo vermehrt Privatanleger Rückgaben verlangen, mit wachsender Aufmerksamkeit. Kommt es zu steigenden Ausfällen, Refinanzierungsproblemen oder abrupten Risikoanpassungen, stellt sich schnell die Frage, wie belastbar modellbasierte Bewertungen tatsächlich sind – besonders dann, wenn gleichzeitig die Rückgabewünsche steigen.
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, der im Vertrieb leicht unterschätzt wird. Periodische Bewertungen glätten sichtbare Wertschwankungen. Das Depot wirkt ruhiger, obwohl sich an den wirtschaftlichen Risiken wenig geändert hat. Geringere sichtbare Volatilität ist nicht automatisch gleichbedeutend mit geringerem Risiko.
Risiko 4: Kosten
Management-Vergütungen, Erfolgsbeteiligungen, Dachfondsgebühren oder Kosten auf Zielfondsebene können die Nettorendite erheblich beeinflussen. Semi-liquide Strukturen müssen zudem Liquidität vorhalten und investieren daher typischerweise nicht vollständig in private Assets – was die Nettorendite weiter drückt.
Entscheidend ist deshalb nicht die erwartete Bruttorendite, sondern die Frage, ob die erwartete Mehrrendite nach Kosten ausreicht, um geringere Liquidität und höhere Komplexität zu kompensieren. Institutionelle Investoren analysieren solche Strukturen sehr detailliert. Privatanleger brauchen dafür eine transparente und verständliche Darstellung der tatsächlichen Gesamtkostenbelastung.
Die Branche muss eigene Standards setzen
Mehr Regulierung allein wird diese Fragen kaum lösen. Der Eltif-Markt ist bereits auf Produkt-, Manager- und Vertriebsebene stark reguliert. Zusätzliche Vorgaben könnten Innovation bremsen und den Zugang zu langfristigen Anlagechancen wieder erschweren.
Umso wichtiger ist die Eigenverantwortung der Branche. Anbieter und Vertriebe sollten ein eigenes Interesse daran haben, hohe Standards zu setzen: klare Zielmarktdefinitionen, belastbare Geeignetheitsprüfungen, transparente Kosteninformationen und vor allem eine ehrliche Darstellung der tatsächlichen Rückgabemöglichkeiten. Wenn Mindestanlagen sinken, darf die Prüfung der Eignung nicht ebenfalls abgesenkt werden.
Problematisch wird es dort, wo komplexe Private-Market-Produkte mit der Sprache einfacher Wertpapierprodukte vermarktet werden: schneller Zugang, geringe Einstiegshürden, wenige Klicks. Kritisch wird es dann, wenn Liquiditätsrisiken, Bewertungsunsicherheiten und Kostenstrukturen hinter Renditeversprechen verschwinden.
Eltifs vor ihrer Reifeprüfung
Eltifs können ein sinnvoller Baustein moderner Vermögensverteilung sein und helfen, privates Kapital für wichtige Investitionsfelder zu mobilisieren. Entscheidend ist, ob es gelingt, durch präzise Kommunikation Vertrauen aufzubauen.
Semi-liquide ist nicht liquide. Der Nettoinventarwert ist kein Börsenpreis. Und geringere sichtbare Volatilität bedeutet nicht automatisch geringeres Risiko. Werden diese Unterschiede klar vermittelt, können Eltifs ihren Platz im Private Banking finden. Werden sie verwischt, könnte aus einem attraktiven Wachstumssegment schnell ein Vertrauensproblem für den Markt entstehen.
Zum Autor:
Christian Behm ist Partner bei der Bankenberatung Magpie Projects.
