Vor Börsengang Dänischer Pensionsfonds schließt SpaceX aus – das sind die Gründe

Ein dänischer Pensionsfonds setzt SpaceX auf Ausschlussliste

Ein dänischer Pensionsfonds setzt SpaceX auf Ausschlussliste Bildquelle: Christoph Fröhlich mit ChatGPT

Im Frühjahr 2009, auf dem Tiefpunkt der Finanzkrise, lag die Marktkapitalisierung des gesamten S&P 500 bei gerade einmal 6,9 Billionen US-Dollar. Elon Musks SpaceX hangelte sich damals gerade noch von Testflug zu Testflug. Heute soll allein SpaceX an der Börse mit bis zu 1,75 Billionen Dollar bewertet werden – rund ein Viertel des damaligen Gesamtmarkts der weltgrößten Volkswirtschaft, konzentriert in einem einzigen Unternehmen. Für euphorische Märkte ist das die nächste unvermeidliche Wachstumsgeschichte. Der dänische Pensionsfonds Akademikerpension hat sein Urteil bereits gefällt: SpaceX kommt auf die Ausschlussliste.

Bewertungs- und Compliance-Fragen

Am 29. Mai setzte Akademikerpension das Raumfahrtunternehmen auf seine Portfolio-Ausschlussliste, wie „Reuters“ berichtet – und damit kurz vor dem geplanten Debüt an der Nasdaq, das laut Medienberichten am 12. Juni stattfinden soll. Die Begründung ist zweiteilig: Die Bewertung sei überhöht, die Unternehmensführung gravierend mangelhaft.

 

Marktindikationen deuteten auf eine Bewertung von mindestens 1,8 Billionen US-Dollar hin, teilte der Fonds laut Reuters mit – eine Größenordnung, die kaum zu rechtfertigen sei: Eine Marktbewertung oberhalb von einer Billion Dollar lasse sich schlicht nicht begründen. Von Anlegern werde eine beispiellos niedrige Risikoprämie für ein hochgradig unsicheres Unternehmen verlangt, so Akademikerpension weiter.

Besonders scharf fällt die Governance-Kritik aus. Elon Musk soll nach dem Börsengang mehr als 80 Prozent der Stimmrechte kontrollieren, und das bei gleichzeitiger Tätigkeit als CEO, CTO und Verwaltungsratsvorsitzender. Die extreme Machtkonzentration verhindere eine wirksame Kontrolle durch den Vorstand und mache es unmöglich, Musk gegen seinen Willen abzulösen, erklärte Akademikerpension laut Reuters. Eine Anfrage der Nachrichtenagentur an SpaceX blieb unbeantwortet.

Was SpaceX wirklich ist

SpaceX, 2002 als Space Exploration Technologies Corporation gegründet, veränderte die Raumfahrt durch wiederverwendbare Raketen. Die „Falcon 9“ kehrt nach dem Start kontrolliert zurück und lässt sich mehrfach einsetzen. Das hat die Startkosten grundlegend gesenkt. Früher kosteten Raketenstarts oft mehrere hundert Millionen Dollar. Heute transportiert das Unternehmen Satelliten, bringt Nasa-Astronauten und Esa-Raumfahrer zur Internationalen Raumstation und startet mehr Raketen als viele andere Raumfahrtnationen zusammen.

Das Geschäft ruht auf drei Säulen:

  1. dem Satelliteninternet Starlink mit mehreren Tausend Sonden im Erdorbit
  2. dem Raumfahrtbereich mit der in Entwicklung befindlichen Riesenrakete „Starship" für Mond- und Mars-Missionen
  3. und dem KI-Geschäft von xAI, das Musk zuletzt mit SpaceX zusammenführte. xAI entwickelt den Chatbot Grok – er gilt als Konkurrent zu ChatGPT und Googles Gemini und hat Zugriff auf Musks Plattform X.

Zeitweise hatte der Markt spekuliert, nur Starlink separat an die Börse zu bringen. Die aktuellen Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC deuten nun aber auf einen Börsengang des gesamten Konzerns hin. Das Ticker-Kürzel lautet SPCX; neben der Nasdaq ist offenbar auch eine Notierung an der Nasdaq Texas geplant.

Starlink glänzt, die Gesamtbilanz trübt

Das Starlink-Segment liefert starke Zahlen. Im ersten Quartal 2026 soll der Spartengewinn laut SpaceX-Angaben von 155 Millionen US-Dollar auf knapp 1,2 Milliarden US-Dollar gestiegen sein. Viele Analysten sehen Starlink deshalb als wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns.

Doch der Konzern als Ganzes schreibt Verluste. Mark Dowding, Fixed-Income-Investmentchef bei RBC BlueBay Asset Management, kommentiert in seiner aktuellen Markteinschätzung trocken: „Wohlgemerkt für ein Unternehmen, das im letzten Quartal vier Milliarden US-Dollar verloren hat. Konzepte wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis scheinen obsolet.“

Damit der Börsengang überhaupt stattfinden kann, müssen nach Dowdings Berechnung rund 85 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital bereitgestellt werden. Institutionelle Investoren dürften die Bewertung skeptisch betrachten, die Nachfrage von Privatanlegern werde entscheiden. Und die zeigen derzeit wenig Zurückhaltung: „Einstweilen beherrschen weiterhin Gier und FOMO den Markt“, moniert Dowding.

Drei Risiken, die Anleger kennen sollten

Bewertungsarithmetik. Für eine bloße Kursverdopplung nach dem IPO wäre eine zusätzliche Marktkapitalisierung von weiteren 1,75 Billionen US-Dollar nötig. „Bei dieser Größe kann die Schwerkraft das Wachstumstempo bremsen“, schreibt Dowding.

Machtstruktur. Neben normalen A-Aktien mit einer Stimme sieht das Aktiendesign B-Aktien mit zehn Stimmen pro Anteil vor. Obwohl Musk wirtschaftlich wohl weniger als die Hälfte von SpaceX gehört, könnte er rund 85 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Für Minderheitsaktionäre bedeutet das: strategisch kaum Einfluss auf Unternehmensentscheidungen.

 

 

Bitcoin-Exposure. Ende März 2026 hielt SpaceX laut Börsenprospekt 18.712 Bitcoin – beim damaligen Kurs einem Wert von rund 1,45 Milliarden US-Dollar entsprechend. Wer SpaceX-Aktien kauft, investiert damit indirekt auch in Kryptowährungen und deren Kursschwankungen. Das erinnert an Tesla, wo Musk ebenfalls massiv auf Bitcoin gesetzt hatte.

Der Markt im Rausch

Der freie Streubesitz dürfte nach dem Börsengang bei rund vier Prozent liegen, und damit verschwindend gering für ein Unternehmen dieser Größenordnung. Experten warnen deshalb vor starken Kursausschlägen in der Anfangsphase. Hinzu kommt: Auch wenn SpaceX schnell in Marktindizes aufgenommen wird, ist unklar, ob passive Fonds von Beginn an investieren können, was die Nachfragebasis zunächst einengt.

SpaceX trifft auf euphorische Märkte. Chip-Aktien wie Micron und Hynix haben in den vergangenen zwölf Monaten Kursgewinne von 770 beziehungsweise 970 Prozent verbucht. Privatanleger treiben US-Aktien auf neue Höchststände.

Doch dem Optimismus stehen handfeste Belastungen gegenüber: schwache Unternehmens- und Verbraucherstimmung in den meisten Industrieländern, eine weitgehend gesperrte Straße von Hormus mit anhaltenden Lieferkettenfolgen und Inflationsrisiken, die der Markt nach Dowdings Einschätzung zu gelassen bewertet. Fünfjährige US-Inflationsswaps notieren bei lediglich 2,6 Prozent – kaum mehr als das, was eine dauerhaft auf Ziel liegende Fed ohnehin implizieren würde.

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