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Einfluss auf Unternehmen Aktives Management ist bei ESG im Vorteil

Schottische Fischer in der Nordsee: Durch vorgegebene Fangquoten und kritischere Kunden muss die Fischereiindustrie auf nachhaltige Fangmethoden setzen. | © Getty Images

Schottische Fischer in der Nordsee: Durch vorgegebene Fangquoten und kritischere Kunden muss die Fischereiindustrie auf nachhaltige Fangmethoden setzen. Foto: Getty Images

Aktiv oder passiv investieren? Diese Debatte hat bereits für unzählige Beiträge und Analysen gesorgt. Eines lässt sich nicht leugnen: In den vergangenen Jahren hat sich das Blatt zugunsten der passiven Strategien gewendet. Was 2007 noch in weiter Ferne schien, rückte Ende April dieses Jahres in den Vordergrund: Der Zeitpunkt, an dem am US-Markt passive Anlagen in einheimische Aktien Parität mit den entsprechenden aktiven Vermögenswerten erreichten.

Zweifelsohne sind Kosten ein wichtiger Faktor für den Erfolg von passiven Strategien. Die Auswirkungen auf die aktive Vermögensverwaltung werden von Tag zu Tag deutlicher, da der Druck auf die Gebühren weiter zunehmen wird. Aktive Asset Manager haben zwar den Kostenkampf gegen passive Anlagestrategien verloren – das heißt aber noch lange nicht, dass sie für Investoren keine attraktive Anlageform mehr bieten.

Denn ESG-Investitionen bringen ein schlagendes Argument für aktives Management mit: Sie sind zentral für das Erreichen der Klimaschutzziele und könnten sich als Wegbereiter für die aktive Managementbranche erweisen, da diese höhere Ziele als allein die Rendite für ihr Investment verfolgt. Sie können nachhaltige Veränderungen in Unternehmen bewirken und auf diesem Weg viel einfacher zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen.

Einfluss auf Unternehmensentscheidungen kann viel bewirken

Aktive Manager befinden sich in einer guten Position, um einen kontinuierlichen Dialog mit Unternehmen auf den wichtigsten Entscheidungsebenen zu führen und damit Prozesse auf den Weg zu bringen, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Und das geht weit über das ESG-Screening hinaus: Wir sprechen von echten Partnerschaften zwischen Investoren und Unternehmen, die davon leben, dass aktive Asset Manager ihre Positionen abbauen oder sogar ganz abstoßen können, wenn ein Unternehmen keine Fortschritte in Bezug auf ESG-Kriterien machen sollte.

Passive Manager können diesen Faktor nicht replizieren. Passive Strategien folgen einer Reihe von regelbasierten Kriterien, die Unternehmen entweder erfüllen oder nicht. Etwaige Veränderungen zum Guten oder Schlechten werden unter Umständen erst zu spät in jährlichen Neuausrichtungen berücksichtigt – anders ist das bei einem aktiven Management, das schnell auf Veränderungen am Markt reagieren und die Asset Allokation entsprechend anpassen kann. Aktive Manager haben an dieser Stelle einen klaren Vorteil – sie können die Geschäftsmodelle und -praktiken von Unternehmen hin zu mehr Nachhaltigkeit beeinflussen, statt sie zu ignorieren oder auszuschließen.

Eine der größten Herausforderungen für die Branche bleibt, die positiven Auswirkungen von ESG-Strategien zu beziffern. Viele Fondsmanager verweisen in diesem Zusammenhang auf einen ESG-Rahmen oder eine Liste von Standards, die sie einhalten. In ihrer derzeitigen Form sind diese aber zu unklar, um den Anlegern wirklich das Gefühl zu geben, dass ihr Geld nicht nur Rendite bringt, sondern auch einen Beitrag zu einer lebenswerteren Welt leistet.

Aktive Manager müssen noch effizienter arbeiten

Nachhaltiges Investieren bedeutet in der Praxis, einen strategischen Ansatz zu verfolgen, nachhaltige Megatrends zu berücksichtigen und neben messbaren Auswirkungen Anlageerträge zu erzielen. Die Instrumente, die dafür nötig sind, liegen fest in den Händen aktiver Manager. Sie müssen jetzt effektiver genutzt werden, sei es durch Echtzeitkommunikation von Entscheidungen, verbesserte Berichterstattung oder andere Mittel, um zu zeigen, wie sie über ihre Investitionen echte Veränderungen bewirken.

Ein klares, konsistentes und vergleichbares Reporting wird die aktiven Manager von morgen kennzeichnen. Wenn aktive Manager den anhaltenden Run auf passive Strategien überstehen und Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen, sollten sie dieses Vorhaben zügig in die Tat umsetzen. Ein pragmatischer Drei- bis Fünf-Jahres-Horizont für diesen Kurswechsel ist von entscheidender Bedeutung.

Es geht nicht nur darum, den aktiven Management-Sektor vor dem Schrumpfen zu bewahren. Es geht vor allem darum, sicherzustellen, dass Kapital effektiv eingesetzt wird, um echte Veränderungen in unserer Umwelt zu bewirken und wichtige globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die gute Nachricht ist, dass die Investoren genau dies fordern. Sie sind mit Herz und Verstand an Bord – jetzt ist es an uns Managern, zu liefern.

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Stand: 25.11.2019