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Online-Shopping Einfacher Klick, großes Problem

Paketzentrum in China

Paketzentrum in China: Die vielen Retouren verbrauchen unnötig Energie für Transporte und ein Teil der zurückgeschickten Artikel wird sogar direkt entsorgt – das ist schlecht für die Umweltbilanz. Foto: imago images / VCG

Die Corona-Krise hat dem Online-Handel einen kräftigen Wachstumsschub beschert. Das Nachsehen haben die stationären Geschäfte. Aber auch schon vor Covid-19 hatte die Branche kräftig zugelegt, wie Statista mitteilte: In den vergangenen fünf Jahren sind die Umsätze um 165 Prozent nach oben geklettert. Schon vor Corona lagen sie im Jahr 2019 bei 3,53 Billionen US-Dollar.

Doch in einer Zeit, in der jeder Sektor den Anspruch erhebt, seine Umweltauswirkungen zu untersuchen und Maßnahmen zu deren Eindämmung zu ergreifen, erscheint es sinnvoller denn je, den Online-Handel unter dem Aspekt des Klimawandels zu betrachten. Dabei gilt es vor allem den Transport der bestellten Ware zu berücksichtigen.

Denn: Der Verkehr verursacht derzeit 21 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Europa. Neben der Stromerzeugung gehört diese Branche daher zu denen, die am schnellsten dekarbonisiert werden müssen – wenn die Europäische Union ihren CO2-Ausstoß bis 2030 wie geplant um 44 Prozent verringern möchte. Von diesen 21 Prozent entfallen etwa 75 Prozent auf den Straßenverkehr, insbesondere auf Pkws und Kleintransporter, die zumeist bei Lieferdiensten zum Einsatz kommen.

Auf den ersten Blick hat die E-Commerce-Branche Klimavorteile: Anstatt, dass jeder Verbraucher sämtliche Besorgungen mit dem Auto erledigt, bringt ein Dienstleister viele Pakete mit nur einer Fahrt vor die Tür. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht die Klimabilanz weniger gut aus.

Emissionen der Fahrzeuge

Lieferfahrzeuge Stoßen aufgrund ihres hohen Gewichts deutlich mehr CO2 aus als private Pkws. Außerdem fährt nicht jeder Mensch mit dem Auto zum Einkaufen. Viele leben in Städten, wo die Entfernungen kürzer sind und öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn genutzt werden.

Tatsächlich könnte nur ein konsequenter Umstieg auf reine Elektrofahrzeuge es ermöglichen, dass der Online-Handel in den Städten weniger Treibhausgase verursacht. Das hätte dann einen ähnlichen Effekt als wenn sich die Verbraucher zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zu den Innenstadt-Geschäften begeben würden.

Änderung des Konsumverhaltens

Doch nicht nur der Transport belastet die Umwelt: E-Commerce steigert die Konsumneigung sowie die daraus resultierenden externen Umweltkosten. Denn die Leichtigkeit, mit der sich per Mausklick aus einem riesigen Sortiment bestellen lässt, trägt zum Erfolg des Online-Handels bei.

In der Modebranche beispielsweise wird der Absatz durch die ständige Erneuerung der Kollektionen und niedrige Verkaufspreise angekurbelt. Bei Online-Bestellungen ist es seit Jahren Usus, dass einige Artikel von den Kunden zurückgeschickt werden – weil zum Beispiel ein Produkt in verschiedenen Größen bestellt wird, damit eine davon dann perfekt passt.

Diese Retourenquote hat einen erheblichen Einfluss auf die CO2-Emissionen des E-Commerce. Die Rücksendungen erhöhen den gesamten Ausstoß von Kohlendioxid und verschlechtern die Umweltbilanz. Häufig werden die zurückgesandten Produkte zum Umpacken nach Asien verschifft oder einfach vernichtet. Einer NGO zufolge ist letztere Methode bei Amazon die Regel.

Anzumerken ist, dass sich immer mehr stationäre Händler an den Online-Geschäftspraktiken orientieren und die Rückgabe von Produkten großzügig handhaben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Kein Zurück, sondern mehrere Wege nach vorn

Wie viele Innovationen, die durch den technologischen Wandel hervorgerufen werden, bringt auch die Entwicklung des E-Commerce nicht automatisch eine Verbesserung in Bezug auf die Umweltbilanz mit sich. Die Umweltauswirkungen hängen davon ab, wie die Verbraucher die neuen Möglichkeiten nutzen. Befeuert der Online-Handel den übermäßigen Konsum von nicht nachhaltigen Waren, von denen ein Großteil wieder zurückgeschickt wird, werden die Auswirkungen auf den Klimawandel zunehmen – was den Zielen der Klimaneutralität widerspricht.

Unsere Analysen von Unternehmen aus der entsprechenden Branche und die Gespräche über ESG-Aspekte, zu denen wir uns mit den Geschäftsführern treffen, zielen darauf ab, den Übergang zu rein elektrischen Fahrzeugflotten und deren Versorgung mit 100 Prozent erneuerbarer Energie zu fördern. Zwar werden diese Maßnahmen andere negative Auswirkungen nicht verhindern, insbesondere die Produktion von Abfall oder den Verbrauch natürlicher Ressourcen. Doch erste Schritte sind ein Anfang bei der Bewältigung des Klimawandels, zu dem die Branche bislang mit jedem Klingeln an der Haustür leider immer noch beiträgt.