Einfach besser als Großkonzerne Warum Familienunternehmen hoch im Kurs stehen

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Gründe für den Erfolg

Dass Familienunternehmen erfolgreicher agieren als viele Großkonzerne hat weitreichende Gründe: Die Entscheidungswege sind kurz und erlauben ein effizienteres Management. Eine vertrauensbasierte Unternehmenskultur, die der Eigentümer als Führungsperson tagtäglich vorlebt, statt abstrakte Leitbilder entwickeln zu lassen, motiviert und kann auch das Potenzial für Interessenkonflikte vermindern. Vor allem aber denken Familienunternehmen in Generationen und nicht in Quartalen. Ihre langfristige Geschäftspolitik ermöglicht es, nachhaltig Ideologien zu verfolgen und Innovationen voranzutreiben. Und sie wirkt sich auch auf den Umgang mit Risiken aus. Wer an den Erfolg nachfolgender Generationen denkt, hat es nicht nötig mit jedem Geschäftsbericht neue Rekordergebnisse vorzuweisen, ständig seine Kompetenz als Chef im Haifischbecken der Wirtschaft zu beweisen und den kurzfristigen Erfolg ohne Rücksicht auf die langfristigen Risiken einzukaufen.

Ihr Sicherheitsdenken und die hohe Eigenkapitalquote versetzen familiengeführte Unternehmen in die Lage, wirtschaftliche Krisensituationen besser abzufedern. Im Gegenteil können sie diesen Vorteil sogar ausspielen, um antizyklisch zu agieren und Chancen zu nutzen, statt mit irrrationalen Unternehmensentscheidungen, die der Beruhigung der Aktionärsnerven aber nicht dem Wohle der Firma nutzen, zu treffen.

Besonderes Zukunftspotenzial versprechen die Werte, die die Stiftung Familienunternehmen als Arbeitgeber identifiziert hat: Arbeitsatmosphäre, eigenverantwortliches Arbeiten, flache Hierarchien, Karriereperspektiven, eine sichere Anstellung und gesunde Work-Live-Balance sind auch genau die Werte, nach denen die Generation Y als zukünftige Arbeitnehmer der Zukunft Wert legt. Das sind gute Voraussetzungen, mit denen Familienunternehmen dem drohenden Fachkräftemangel in der Zukunft besser begegnen können als unüberschaubare Großkonzerne. Auch beim immer wichtiger werdenden Thema Nachhaltigkeit trägt die ohnehin langfristig ausgelegte unternehmerische Denkweise familiengeführter Unternehmen ganz automatisch dazu bei, dass zukunftsfähige Ideologien und Konzepte entwickelt, in die Unternehmensstrategie eingebettet werden und deren Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

In welche Unternehmen investieren?

Dass Familienunternehmen nicht unbedingt klein sein müssen, zeigen Namen wie Wal-Mart, Oracle, Novartis, Roche, L’Oreal, SAP und BMW. Welche Unternehmen als familiengeführt gelten, können Anleger mit einem Blick in die Zusammensetzung der Familienindizes GEX oder Hafix ganz einfach erfahren. Ein Vergleich dieser beiden offenbart auch, dass die Unternehmen auf keinen Fall alle über einen Kamm geschoren werden dürfen. Der vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser berechnete Hafix glänzt durch eine beständige Wertentwicklung und lässt vor allem durch seine bessere Entwicklung in Krisenzeiten die Dax-Performance hinter sich. Er enthält Unternehmen, die nur einen großen Ankeraktionär, also meist eine Familie, unterhalten.

Beim GEX dagegen geht es volatiler zu: Er punktet in der Wertentwicklung vor allem durch dynamische Aufwärtsphasen. Als Indexwerte werden inhabergeführte mittelständische Unternehmen gelistet, die die Kriterien des Prime Standard erfüllen. Unter ihnen können sich auch mal Problemkinder wie seinerzeit Solaraktien oder heute der Börsenneuling Vapiano verbergen.

Unter den Familienunternehmen finden sich einige hochinteressante Investmentmöglichkeiten, so wie Pernod-Ricard, Merck, Beiersdorf, Sixt oder SAP. Eine sorgfältige Auswahl ist jedoch entscheidend. Denn natürlich kann die hohe Konzentration der Einflussnahme auch Schattenseiten haben: Familieninterne Konflikte oder Machtkämpfe, ungeklärte Unternehmensnachfolge, Generationenwechsel oder die Abhängigkeit von der Kompetenz und Kapital einiger weniger Entscheider können sich in Nachteile verwandeln und den Investmenterfolg gefährden.



Über den Autor:
Michael Scholtis ist Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung mit Sitz in Taunusstein. Der Experte für Stiftungsvermögen verantwortet bei Plutos unter anderem das Portfoliomanagement, die Neukundengewinnung und Unternehmenssteuerung.