Fondsanalysten im ESG-Modus, Teil 4 Ein marktbasierter Zugang zu dekarbonisierten Portfolios

Christoffer Müller (l.) und Michael Winkler von der St.Galler Kantonalbank Deutschland

Christoffer Müller (l.) und Michael Winkler von der St.Galler Kantonalbank Deutschland: Kooperation mit Finreon soll erstmals CO2-neutrales Anlegen ermöglichen. Foto: St.Galler Kantonalbank Deutschland

Im Hinblick auf die nachhaltige Konfiguration von Portfolios stehen Vermögensverwalter heutzutage vor mehreren Hürden. Als erste Säule sind die stetig wachsenden Regularien im Kontext des Klimaschutzes zu nennen. Institutionelle Investoren und ihre Vermögensverwalter müssen sich daher verstärkt mit der Frage auseinandersetzen, wie sie den Beitrag ihrer Investments zum Klimaschutzziel messen.

Vor dem Hintergrund der erhöhten Transparenzansprüche kommt dabei insbesondere der Bekanntgabe des CO2-Fußabdrucks der Portfolios ein deutlich größeres Gewicht zu. Damit erhöht sich der Druck, die Emissionen systematisch zu reduzieren.

Als zweite Säule sind die Ansichten der Kunden zu nennen. Waren es zu Beginn vornehmlich kirchliche Institutionen oder Stiftungen, die das Thema Nachhaltigkeit bereits relativ frühzeitig angingen, rücken mittlerweile auch andere institutionelle Kunden und Privatanleger das Thema in den Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund muss es Vermögensverwaltern darum gehen, ein Nachhaltigkeitsangebot zu unterbreiten, das einen echten Beitrag im Sinne einer wirksamen und messbaren Reduktion von Treibhausgasen, insbesondere CO2, liefert. Es kommt also darauf an, ein Angebot zu machen, das im wahrsten Sinne des Wortes einen Unterschied macht – für die Umwelt und auch gegenüber Mitbewerbern.

Kooperation mit Finreon

Das Beratungsunternehmen entstand 2009 als Spin-Off der Universität St. Gallen (HSG) und entwickelt innovative Anlagekonzepte im Bereich der Vermögensverwaltung und in der Beratung von Investoren. Finreon versteht sich als Brückenbauer zwischen Asset Management und Wissenschaft. Die St. Galler Kantonalbank Deutschland arbeitet seit vielen Jahren mit Finreon zusammen und wird nach aktuellem Stand in Deutschland der erste Anbieter sein, der diesen Ansatz anwendet.

Das neue Angebot mit dem Namen Finreon Zero Carbon Offset soll noch in diesem Jahr auf den deutschen Markt kommen und erstmals CO2-neutrales Anlegen ermöglichen. Damit verfolgen wir das Ziel, dem Anleger ein Angebot zu machen, mit dessen Hilfe er einen aktiven, positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit erzielen kann.

Long/Short-basierte Lösung

Konkret handelt es sich um eine Lösung, die ähnlich einer Long/Short-Währungsabsicherung funktioniert. Nach dem gleichen Muster erfolgt hier eine CO2-Absicherung. Bei CO2-Vorreiter-Unternehmen gehen wir Long-Positionen und bei CO2-intensiven Unternehmen gehen wir Short-Positionen ein. Wir setzen eine solche Kohlendioxid-Absicherung zur CO2-Neutralisierung oder als Overlay zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks eines Gesamtportfolios ein.

Das Eingehen von Short-Positionen spielt eine Schlüsselrolle bei dieser Lösung: Durch den Verkauf wird zusätzlicher ökonomischer Druck auf die CO2-intensiven Unternehmen ausgeübt. Die Emissionen können dabei flexibel um bis zu 100 Prozent, also bis zur CO2-Neutralität, reduziert werden.

Ökonomisch ist die Overlay-Lösung hinsichtlich des Markt-, aber auch des Sektor-, Länder- und Währungs-Exposures weitgehend neutral ausgestaltet. Long- und Short-Positionen gleichen sich also aus. Käufe und Verkäufe halten sich die Waage. So besteht die Möglichkeit, das zugrundeliegende Portfolio mit bestehenden Strategien unberührt zu lassen oder durch weitere Aspekte innerhalb der Anlagestrategie zu ergänzen.