Edelmetalle Umfeld für Gold und Silber hellt sich auf

Matthias Hüppe, Leiter Derivatives Public Distribution bei HSBC Trinkaus & Burkhardt AG: „Silber dürfte zukünftig stärker gefragt sein.“

Matthias Hüppe, Leiter Derivatives Public Distribution bei HSBC Trinkaus & Burkhardt AG: „Silber dürfte zukünftig stärker gefragt sein.“

Der Preis der US-Ölsorte WTI bewegt sich wieder auf einem Niveau, das zuletzt Mitte 2015 erreicht wurde. Der Hintergrund: Die weltweiten Öllagervorräte gehen wegen der Förderkürzung durch die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) und Russland allmählich zurück. Jüngst wurde die Förderkürzung um neun Monate verlängert. Allerdings wird nach Einschätzung des OPEC-Ölkartells das Überangebot an Rohöl auf dem Weltmarkt noch mindestens bis Ende 2018 andauern.

Sinkender US-Dollar stützt den Goldpreis

Im Allgemeinen gilt ein steigender Ölpreis als deutliches Inflationssignal. Doch im Gegensatz zum Ölpreis geht es bei Gold, das oft als Inflationsschutz gekauft wird, nur langsam aufwärts. Etwas gestützt wird der Goldpreis derzeit vom sinkenden US-Dollar, der Käufe ausländischer Goldinvestoren verbilligt. Zum Vergleich: Gegenüber dem Euro hat der US-Dollar seit dem Jahreswechsel 2016/17 um rund 12 Prozent abgewertet.

Für den Goldpreis wichtig ist vor allem auch die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Obwohl die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf nur mehr 2,32 Prozent gesunken sind, was eine Eintrübung der Perspektiven für die US-Wirtschaft signalisiert, hebt die US-Notenbank ihre Leitzinsen an. Mitte Dezember hat die Fed ihre Ankündigung umgesetzt und den Leitzins um 25 Basispunkte auf die Spanne von 1,25 Prozent bis 1,50 Prozent erhöht – mittlerweile die fünfte Zinsanhebung seit Dezember 2015. Zugleich hat die Fed für 2018/19 weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt: 2018 soll der Leitzins unter dem designierten Fed-Chef Jerome Powell drei Mal um je 0,25 Prozent angehoben werden, 2019 soll es zwei bis drei Zinsschritte geben.

Nach den Fed-Beschlüssen von Mitte Dezember notierte der Goldpreis wieder etwas fester und überwand die Marke von 1.250 US-Dollar: Das moderate Vorgehen der Fed, die von aggressiveren Zinsschritten durch die nach wie vor niedrige Inflation abgehalten wird, gab dem Edelmetall Auftrieb.

Anzeichen für Unterbewertung bei Silber

Das Umfeld für Silber hellt sich durch die globale konjunkturelle Entwicklung weiter auf: Die Weltwirtschaft läuft besser, als viele Investoren lange Zeit erwartet hatten. Damit dürfte Silber als „kleiner Bruder“ von Gold zukünftig stärker gefragt sein, stammt doch rund die Hälfte der weltweiten physischen Nachfrage aus Industrieanwendungen wie Solar, Elektro und Batterien.

Die Silber-Investoren waren deshalb zu Winterbeginn zunächst etwas optimistischer geworden und hatten ihre Long-Positionen auf das höchste Niveau seit Mitte September aufgestockt. Doch seit Mitte November hat der Silberpreis überdurchschnittlich stark verloren. Während Gold auf Jahressicht mit rund 8 Prozent im Plus notiert, ist in der Jahresbilanz für Silber inzwischen sogar ein Minus von 5 Prozent aufgelaufen.

Die Verluste im Silberpreis beeinflussen auch das Gold-Silber-Verhältnis: Weil der Silberpreis kräftig abgegeben hat, liegt die Gold-Silver-Ratio, die den Goldpreis ins Verhältnis zum Silberpreis setzt, derzeit bei 79 und damit so hoch wie zuletzt nur in den Jahren 2016, 2009 und 2003. Dieser Umstand könnte auf eine Unterbewertung von Silber im Vergleich zu Gold hindeuten.

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