Engage not exclude DWS reagiert auf Greenpeace-Anschlag und Vorwürfe

Petra Pflaum, Finanzchefin für Verantwortliches Investment bei der DWS und DWS-Vorstand Stefan Hoops

Petra Pflaum, Finanzchefin für Verantwortliches Investment bei der DWS und DWS-Vorstand Stefan Hoops setzen sich beide für Engagement statt Ausschluss ein. Foto: DWS, Imago / Itar Tass

Greenpeace-Aktivisten sind vor wenigen Tagen in das Gebäude der DWS eingedrungen. Ihre Botschaft: „Exit Fossils“. Greenpeace fordert beim Ausstieg aus Unternehmen, die neue Kohleminen planen und kein glaubwürdiges Ausstiegsszenario haben, klare Ziele von der DWS. Die Finanzbranche sei beim Klimawandel in einer Schlüsselposition.

Hoops Botschaft: „Engage nocht Exlude“

Stefan Hoops reagierte auf Linkedin mit einem Statement. Seine Botschaft: „Engage not exclude“. Das Ziel von Greenpeace und der DWS, dem Planten zu helfen, stimme zu 100 Prozent überein. Differenzen gäbe es beim Weg. „Klimawandel ist ein zu wichtiges Thema, um sich darauf zu einigen, uneinig zu sein“, so Hoops auf Linkedin.

Hoops vergleicht den Verkauf „brauner Unternehmen“ mit dem Verzehr von Süßigkeiten bei Hunger. Man fühle sich in dem Moment besser, das Problem bleibe aber ungelöst. Verkaufe man braune Unternehmen, würde die Welt kein besserer Ort, denn man müsse Unternehmen dazu bringen, sich schneller zu verbessern, als sie es vielleicht selber wollen. „Das ist nur als Aktionär möglich, der sich wirklich mit dem Management auseinandersetzt“, so Hoops.

Engagement habe dennoch Grenzen. Wenn sich nichts ändere und in bestimmten anderen Situationen sei Ausschluss der einzige Weg. Aber bis dahin sei Engagement statt Ausschluss die Lösung.

Wie die DWS Engagement umsetzt

Das private banking magazin hat bei der DWS nachgefragt, wie sie ihren Engagement-Erfolg misst. „Grundsätzlich bewerten wir Unternehmen individuell, beispielsweise auf Basis unserer kommunizierten Erwartungshaltung oder unserer Stimmrechterichtlinie für unsere in Europa domizilierten Fonds. Wir legen unternehmensspezifische finanzielle und nicht-finanzielle Indikatoren (key performance indicators – KPIs) fest und können so beurteilen, ob sich das Unternehmen in die richtige Richtung entwickelt“, so Petra Pflaum, Finanzchefin für Verantwortliche Investments bei der DWS.

Würden diese Ziele verfehlt oder sei die Unternehmensstrategie zu wenig ambitioniert, behalte sich die DWS vor, gegen das Management abzustimmen, bis eine Besserung eintrete. „Ist dies nicht der Fall, schließen wir das Unternehmen aus den relevanten Produkt-Anlageuniversen gegebenenfalls aus“, sagt Pflaum. Beim Ausschluss seien jedes Unternehmen und jeder Sektor individuell zu bewerten. Einen regelbasierten Ausstiegszeitpunkt gebe es nicht.

Die Engagement-Hebel der Investoren

Als Investor habe die DWS mehrere Hebel, um Unternehmen zum klimafreundlicheren Wirtschaften zu bewegen. An erster Stelle stehen die Ausübung von Stimmrechten und der Dialog mit Unternehmensvertretern, idealerweise mit Vorstand und Aufsichtsrat.

„Des Weiteren können wir uns über öffentliche Reden beziehungsweise Fragen auf Hauptversammlungen Gehör verschaffen“, ergänzt Pflaum. Diese würden auf der Website der DWS veröffentlicht. Im Rahmen des Beitritts der DWS zur Net-Zero-Asset-Manager-Initiative 2021 habe der Assetmanager zudem bereits Net-Zero-Engagement-Briefe verschickt und diese ebenfalls auf seiner Website veröffentlicht.

Erfolge des Engagements

Auch habe es bereits Erfolge geben, die man nicht gesehen hätte, wäre die DWS ausgestiegen, statt sich zu engagieren. Pflaum nennt als Beispiel einen europäischen Energiekonzern, der sich bei den Themen Umwelt und Klimawandel deutlich verbessert hätte. Zudem habe die DWS 2021 in 375 Fällen gegen das Management aufgrund von Schwächen in ESG-Fragen gestimmt.

„Des Weiteren hat eine Reihe von Emittenten damit begonnen sich zu höheren Offenlegungsstandards in den folgenden Jahren zu verpflichten oder sich von Drittparteien diese Offenlegungen bereits verifizieren zu lassen. Das geschah im Nachgang zu unseren Dialogen. Wir betrachten Offenlegung als Grundstein einer Transformations- und Nachhaltigkeitsstrategie und werten zusätzliche Transparenz dahingehend als erste Erfolge oder zumindest erste Schritte in die richtige Richtung – abhängig von Zeitplan und Umsetzung“, sagt Pflaum.

 

 

Während Greenpeace der DWS Greenwashing vorwirft und einen Ausstiegsplan bis 2023 aus Kohleförderern ohne klare Klimaziele vorgelegt hat, verspricht sich die DWS von ihrer Engagement-Strategie mehr Erfolg als von einem Ausstieg mit Signalwirkung.