DVFA-Analyse Dax- und Mdax-Firmen haben Schwächen bei virtuellen Hauptversammlungen

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Ebenso gestatteten nur sehr wenige Unternehmen den Aktionären, noch während der Hauptversammlung Nachfragen zu stellen. Insgesamt scheinen die Rechte der Aktionäre auch im zweiten virtuellen Hauptversammlungsjahr somit noch nicht hinreichend gesichert. Die durchschnittlichen Bewertungen im Themenblock „Aktionäre und Hauptversammlung“ sind daher 2021 deutlich gesunken.

ESG-Experten im Aufsichtsgremien weiter eine Seltenheit

Sehr viele Gesellschaften haben der Hauptversammlung 2021 ein neues Vergütungssystem zur Billigung vorgelegt. Dabei haben sie nahezu durchweg auf eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitselementen (nicht-finanzielle Ziele, stärkere Langfristigkeit der variablen Vergütung, Clawback-Regelungen) in der Vorstandsvergütung geachtet. Auch das stärkere Befolgen der Kodexempfehlung, Erstbestellungen im Vorstand auf 3 Jahre zu begrenzen, hat häufig zu einem besseren Abschneiden in diesem Teilbereich geführt. Dementsprechend zeigt der Themenblock „Vorstand“ in der Auswertung 2021 durchschnittlich bessere Bewertungen als im Vorjahr.

Beim Thema „Aufsichtsrat“ bestehen wie auch im Vorjahr bei einigen Gesellschaften weiterhin Schwächen bezüglich der Unabhängigkeit des Aufsichtsratsgremiums sowie insbesondere des Prüfungsausschusses. Weiterbildungsmaßnahmen von Aufsichtsratsmitgliedern werden nur selten in der nötigen Breite und Tiefe vorgenommen und dargestellt. Auch wenn die Pandemie-Situation sicher auch die Aufsichtsratsarbeit vor große Herausforderungen gestellt hat, erscheint dies vor dem Hintergrund der stetig steigenden Anforderungen an ein qualifiziertes Aufsichtsgremium dennoch erstaunlich. So bleiben beispielsweise auch ESG-Experten im Aufsichtsgremium weiter eine Seltenheit.


Abschließend bleibt festzuhalten, dass viele Unternehmen weiterhin keine Erklärung zu den („sollte“) Anregungen des Deutschen Corporate Governance Kodex abgeben. Auch der Dialog mit Stakeholdern und das aktive Aufgreifen von positivem wie negativem Feedback im Bereich Governance wird nur von wenigen Unternehmen mit Leben gefüllt. Ein positives Beispiel in diesem Zusammenhang ist jedoch die Neukonzeption des Vergütungssystems, die von einer kleinen Anzahl von Unternehmen tatsächlich in engem Austausch mit den Aktionären vorgenommen wurde.

Die DVFA Scorecard ist als Instrument zur Beurteilung der Corporate Governance Performance für Stakeholder etabliert und dient als Ansatzpunkt für einen fundierten Dialog zur Umsetzung guter Governance in den Unternehmen. Die DVFA Kommission Governance & Stewardship strebt dabei eine sachliche Diskussion über den Fortschritt verantwortungsvoller Unternehmensführung an. Die DVFA Scorecard for Corporate Governance wird von Allianz Global Investors, Deka Investment, DJE Kapital, DWS Investment, Lloyd Fonds und Union Investment unterstützt. Die Datenerhebung erfolgte durch das Sustainable Governance Lab.

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